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Biathlon bei Olympia:Bronze aus der Lauerposition heraus

Pyeongchang 2018 Winter Olympics

Laura Dahlmeier jubelt über ihren dritten Platz im Einzel über 15 Kilometer.

(Foto: REUTERS)
  • Laura Dahlmeier holt im Einzelwettbewerb der Biathletinnen ihre dritte Medaille im dritten Rennen.
  • Siegerin ist überraschend die Schwedin Hanna Öberg, die zuvor kaum Rennen bestritten hatte.
  • Franziska Preuß schrammt haarscharf an einer olympischen Medaille vorbei.
  • Das Renn-Ergebnis in der Übersicht.

Auf Laura Dahlmeier muss man in der Regel nicht warten. Die Biathletin ist ihren Konkurrentinnen meist voraus, beim Einzelrennen über 15 Kilometer in Pyeongchang, bei dem die Athletinnen wie im Sprint nacheinander starten, wählte sie aber eine späte Startgruppe und ging erst auf die Loipe, als manch andere schon durch war. Und so wartete die Schwedin Hanna Öberg bange Minuten, bis auch die Deutsche ihr Rennen beendet hatte.

Öberg war schon bei ihrem eigenen Zieldurchlauf zusammengesackt, vor Erschöpfung, aber auch Begeisterung. Dahlmeier rannte, Öberg saß zitternd in der Lounge für mögliche Sieger, sie weinte mit Teamkolleginnen. Im Verfolgungsrennen hatte sie es schon auf Rang fünf geschafft, unter der Saison aber kaum Rennen bestritten. Zuletzt hatte sie bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2016 in Einzel und Sprint Gold geholt, dazu Silber mit der Staffel - und nun wurde sie tatsächlich Olympiasiegerin vor Anastasiya Kuzmina aus der Slowakei und eben Dahlmeier, die sich mit einem Fehler einen zu viel geleistet hatte.

"Das ist für die Laura eine gewonnene Bronzemedaille und keine verlorene Goldmedaille", sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig. Franziska Preuß wurde Vierte, was er mit den Worten kommentierte: "Das ist fast wie eine Wiedergeburt." Franziska Hildebrand wurde neunte, Maren Hammerschmidt lief auf den 17. Platz.

Dahlmeier war erst als 80. von 87 Biathletinnen ins Rennen gegangen und hatte damit eine ungewohnte späte Startzeit gewählt. Es liegt ja nicht jeder Athletin, sich anzuschauen, was die Konkurrenz so treibt. Dass Dahlmeier nervlich jedoch kaum zu beeinflussen ist, hatte sie schon in Sprint und Verfolgung demonstriert. Lauerpositionen liegen ihr und als sie um 17.55 Uhr Ortszeit ins Rennen ging, hatten die ersten Konkurrentinnen schon erste Patronen verschossen.

"Die Strecke ist sehr anspruchsvoll, es wird wichtig, sich das richtig einzuteilen", hatte Dahlmeier vorab gesagt, was dann ja auch leichter fällt, wenn man weiß, was die eigene Zeit wert ist, wenn der Trainer am Streckenrand die Zwischenzeiten zubrüllt. Und es galt dann erstmal eine zu schlagen: Anastasiya Kuzmina, die in Sprint und Verfolgung schon die schnellsten Laufzeiten hingelegt hatte.

Kuzmina ging mit der Nummer sechs ins Rennen und war schon mit allen vier Schießeinlagen durch, als Dahlmeier startete. Zwei Fehler hatte sie sich geleistet und dadurch gleich zwei Minuten aufgerechnet bekommen. Doch auch Dahlmeier unterlief beim ersten Schießen ein Fehler, danach blieb sie aber drei Mal fehlerfrei. Ganz konnte sie das Loch trotzdem nicht mehr zulaufen, ihr Rückstand auf die fehlerfreie Öberg betrug am Ende 41,2 Sekunden. Sie war ja ohnehin sehr erschöpft nach ihrem Verfolgungsgold am Montag gewesen, hatte einen geplanten Fernsehauftritt absagen müssen. Bei der Siegerehrung lächelte sie wieder, sie weiß, dass auch so eine Bronzemedaille kein Grund zur Enttäuschung ist. "Ich bin wirklich überglücklich, dass es heute schon wieder zu einer Medaille gereicht hat", sagte sie nach dem Rennen.

Und auch Preuß, die in der vergangenen Saison immer wieder krank gewesen war und fast schon ans Aufhören gedacht hatte, war glücklich, obwohl sie haarscharf am Podest vorbeigeschrammt war. "Ich bin mega erleichtert", sagte sie, "ich war voll überrascht, dass ich vier Mal null geschossen habe".

© SZ.de/vit
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