Klage gegen den BHV:Unruhe in Handball-Bayern

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Klage gegen den BHV: Derzeit geht es in der Bayernliga um Meister und Absteiger, nun wirft ein Gerichtsurteil die geplanten Regelungen über den Haufen.

Derzeit geht es in der Bayernliga um Meister und Absteiger, nun wirft ein Gerichtsurteil die geplanten Regelungen über den Haufen.

(Foto: Avanti/Imago)

Weil er unklar formuliert hat, kassiert der Bayerische Handballverband eine Niederlage vor Gericht. Nun soll es weniger Absteiger geben.

Von Heike A. Batzer

Welche Punkte zählen für eine Tabelle? Alle oder nur einige? Weil das nicht eindeutig formuliert war, hat ein Einspruch in der Schlussphase der Saison die Vereine im bayerischen Handballsport in erhebliche Unruhe versetzt. Beschwerdeführer Erlangen-Bruck bekam vor dem Sportgericht Recht und brachte dem Bayerischen Handball-Verband (BHV) damit ein veritables Problem ein. Das versucht dieser nun dadurch zu lösen, dass er die Zahl der Absteiger aus der Bayernliga geringer hält als geplant.

Den ursprünglichen BHV-Plänen zufolge sollten in den Auf- und Abstiegsrunden der Bayernliga bei Männern und Frauen die Teams nur jene Punkte aus der Vorrunde mitnehmen, die sie dort gegen jene Gegner erzielten, denen sie auch in Auf- oder Abstiegsrunde gegenüberstehen. In den Durchführungsbestimmungen, die den Spielbetrieb regeln, war das allerdings nur schwer herauszulesen. BHV-Präsident Georg Clarke ist zwar der Meinung, dass "jeder der teilnehmenden Vereine gewusst hat, was gemeint war". Doch die Formulierung war so uneindeutig, dass das mit der Angelegenheit befasste Bezirkssportgericht Altbayern dem TV Erlangen-Bruck Recht gab. Nun zählen alle Punkte aus allen Spielen.

Der Plan, die Ligen auf Vor-Corona-Niveau zu verkleinern, ist nun zumindest teilweise Makulatur

Der BHV verzichtete auf Berufung und berief stattdessen sein erweitertes Präsidium zur Sondersitzung ein. Gesucht: eine Lösung, die irgendwie alle zufriedenstellt. Das soll nun die Aufstockung der Bayernligen für Männer und Frauen in der kommenden Spielzeit 2022/23 auf jeweils 16 Mannschaften erreichen - zwei mehr als in dieser Saison. Man habe "den erhöhten Abstieg gebremst, um allen Mannschaften gerecht zu werden", sagt Clarke. Es ist eine salomonische Entscheidung. Sie konterkariert freilich das ursprüngliche Vorhaben, die Ligen wieder auf Vor-Corona-Niveau zu verkleinern. Denn in den beiden Corona-Jahren gab es zwar Auf-, aber keine Absteiger, was die Spielklassen aufgebläht hat.

Die Handballer aus Erlangen-Bruck hatte indes ein veritables Eigeninteresse daran, dass der Ablauf noch einmal überprüft wird: Denn von jenen zehn Punkten, die sie nun in die Abstiegsrunde mitnehmen durften, hatten sie nur drei gegen die aktuellen Gegner erzielt, die übrigen indes gegen Mannschaften, die es in die Meisterrunde geschafft hatten. Aber auch nach der bisherigen Regelung "hätte der Einspruchsführer den Klassenerhalt geschafft", lässt BHV-Präsident Clarke den Verein aus dem Erlanger Stadtteil deshalb wissen.

Andere Vereine wiederum sahen nun durch das Gerichtsurteil die eigene Bayernliga-Existenz in Gefahr gebracht. Der TSV Roßtal konnte die Entscheidung "in keiner Weise nachvollziehen", wie er auf seiner Website mitteilt: "Während die Runde noch im Gange ist, die Spielregeln zu ändern, wirft große Fragen auf." Ob die neue Regelung fairer sein könne, sei "mehr als zweifelhaft". Der TSV Friedberg hatte auf das Urteil hin einen Einspruch gegen das Vorgehen des Verbandes erwogen, nun aber davon Abstand genommen, da der Verband die Zahl der Absteiger verringern will. Aus den Bayernligen sollen statt fünf nur jeweils zwei Teams absteigen plus jene Vereine, die ihre Teams vorzeitig zurückgezogen haben. Auch in den drei Landesligen wird es weniger Absteiger geben, zumindest die drei Mannschaften, die den Relegationsplatz ausspielen, sind nun allesamt gerettet. Ob noch weitere Vereine betroffen sind, konnte Clarke noch nicht sagen.

Klage gegen den BHV: "Wir haben den erhöhten Abstieg gebremst, um allen Mannschaften gerecht zu werden", sagt BHV-Präsident Georg Clarke.

"Wir haben den erhöhten Abstieg gebremst, um allen Mannschaften gerecht zu werden", sagt BHV-Präsident Georg Clarke.

(Foto: Roland Krivec/DeFodi/Imago)

In den Landesligen der Männer war vor der Spielzeit gleich die Hälfte der Plätze zu Abstiegsplätzen erklärt worden, und das in einer Saison, die Corona-bedingt von Mitte November bis Ende Januar unterbrochen war. Mehr Fingerspitzengefühl hätte sich deshalb Mirko Scholten gewünscht, bislang Kreisläufer und künftig Trainer beim Bayernligisten TV Erlangen-Bruck. Man sei damals gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gewesen, nachdem man zweieinhalb Monate nicht im Training gewesen war, erinnert sich der 34-Jährige. Die Folge: "Wir hatten drei Kreuzbandrisse dieses Jahr und eine kaputte Schulter."

Eine Situation wie die Corona-Phase lasse sich erst danach richtig einschätzen, sagt BHV-Präsident Clarke. Nach welchem Modus in der neuen Saison gespielt werde, sei noch nicht entschieden. Der jetzige Modus habe sich wohl nicht bewährt, räumt er ein und nennt auch "die hohe Belastung bei eng getaktetem Spielbetrieb". Der Corona-Pause sei es geschuldet, dass Auf- und Abstiegsrunde an den vier Wochenenden im Mai jeweils mit Hin- und Rückspiel angesetzt wurden. Die Saison sei eben wegen Corona nicht normal verlaufen, weiß auch Simone Neumeier, Handball-Abteilungsleiterin des TSV Friedberg. Sie sagt: "Man kann die Normalität nicht erzwingen."

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