BGH-Urteil:Randale im Stadion muss teuer sein

FSV Frankfurt - FC St. Pauli

Fans des FC St. Pauli zünden Pyrotechnik (Archivbild von 2015).

(Foto: dpa)

Es ist richtig, dass Vereine Geldstrafen auf ihre schlimmsten Krawallmacher abwälzen können. Doch die Klubs dürfen sich nicht komplett aus der Verantwortung stehlen.

Kommentar von Sebastian Fischer

Egal gegen wen ihr Verein antritt, der größte Gegner vieler Fußballfans ist der Kommerz. Den puristischen Anhängern widerstreben auch jene Millionen, die ihre Herzensklubs generieren. Nach der BGH-Entscheidung, wonach Klubs Geldstrafen, die ihnen der DFB für Ausschreitungen in ihren Stadien aufbrummt, an randalierende Anhänger weiterreichen dürfen, müssen die fanatischsten Fans den Kommerz nun teuer bezahlen. Die hohen, nicht selten fünfstelligen Strafsummen sind ja nur so zu erklären, dass die Klubs eben so reich sind. Die Fans sind es meistens nicht.

Doch Bilder wie neulich im DFB-Pokal-Spiel in Magdeburg kann der Fußball nicht hinnehmen: Rauchbomben verdunkelten das Stadion, Leuchtraketen flogen aus dem Gäste-Block von Eintracht Frankfurt, Magdeburger Anhänger stürmten in den Innenraum. Solche Szenen haben nichts mit Folklore zu tun, sie sind eine Gefährdung für die Klientel, die der Unterhaltungsbetrieb auch anzieht: Familien, Kinder, normale Sportfans. Die Vereine müssen sich davon distanzieren. Abzuschrecken, indem sie die Geldstrafen auf die Täter abwälzen, ist legitim.

Wenn das Urteil einzelne Fans davon abhält, andere zu gefährden, ist es ein Erfolg. Doch wenn es die Vereine aus der Verantwortung nimmt, auch selbst für Sicherheit zu sorgen und zudem in Fanprojekten den Dialog mit ihrer Kundschaft zu suchen, hat es seine Wirkung verfehlt.

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