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BFV:Wie man Klischees umdribbelt

Koeln Germany 12 05 2019 2 Bundesliga 33 Spieltag 1 FC Koeln SSV Jahn Regensburg Nina Win; Nina Windmueller

„Wenn man Professionalität fordert, muss man professionelle Bedingungen schaffen“: Nina Windmüller jubelt nach dem Bundesliga-Aufstieg.

(Foto: Ralf Treese/imago)

Im Bayerischen Fußball-Verband diskutieren Spielerinnen, Funktionärinnen und Politikerinnen anlässlich der WM über Geschlechterrollen.

"Du siehst ja gar nicht aus, als würdest du Fußball spielen." Diesen Satz bekam Valentina Maceri früher oft zu hören. Die gebürtige Nürnbergerin eiferte als Kind ihren Cousins auf dem Fußballplatz nach, wechselte mit 18 Jahren zum Verein Bardolino Verona in die italienische Serie A. Ihre Eltern waren anfangs dagegen, dass die Tochter sich für so eine typisch männliche Sportart entschied. Mädchen sollten nicht Fußball spielen, hieß es damals, davon bekomme man krumme Beine.

Nach einem Jahr in der ersten italienischen Liga entschied sich die heute 26-Jährige, die Fußballkarriere zu beenden und stattdessen Sportmoderatorin zu werden. Am Montag leitete sie im Vereinsheim des FT Gern eine Diskussionsrunde zum Thema "Geschlechterklischees im Sport", genauer gesagt: im Fußball.

Eingeladen hatte der Verbands-Frauen- und Mädchenausschuss (VFMA) im Bayerischen Fußball-Verband, anlässlich der Weltmeisterschaft in Frankreich. Der VFMA unterstützt Vereine, die Frauenteams aufbauen wollen, mit Trainingsmaterial und führt mit dem Projekt "Ballbina kickt" Mädchen an den Vereinsfußball heran. Und das bedeutet immer noch, Klischees zu überwinden.

Mit solchen Vorurteilen hatte Sandra Hofmann, Vorsitzende des Ausschusses, zunächst weniger zu kämpfen. In einer, wie sie sagt, "fußballverrückten Familie" aufgewachsen, verbrachte sie als Kind viel Zeit auf dem Bolzplatz. Als sie 2011 anfing, sich ehrenamtlich im Verband zu engagieren, war sie dann doch verwundert: In den Ausschüssen saßen ausschließlich Männer. Bevor sie im Frühjahr dieses Jahres den Vorsitz des VFMA übernahm, hatte Hofmann zwei Jahre lang die Bezirksligen der Männer in Mittelfranken geleitet - als erste Frau in Bayern. "Man merkt, wie sich die Ausdrucksweise der Männer ändert, wenn eine Frau mit am Tisch sitzt", sagt die 36-Jährige über die Arbeit im Verband.

Ähnliche Erfahrungen hat die bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer (CSU), in der Politik gemacht. Bei Frauen - seien es Ministerinnen oder Trainerinnen - werde auch viel häufiger hinterfragt: Kann sie das überhaupt? Generell müsse sich die Haltung der Gesellschaft ändern, sagt Schreyer: "Wir müssen verstehen, dass es sich nicht ausschließt, Sport zu machen und Frau zu sein."

Ohnehin fangen Mädchen oft in gemischten Kinderteams an zu spielen. Für Fußballerin Nina Windmüller waren Mädchenmannschaften ursprünglich nie ein Thema. Die 31-Jährige, die in der vergangenen Saison mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga aufstieg, spielte als Kind immer mit Jungs, ihr Vorbild: David Beckham. Erst in der D-Jugend schloss sie sich gezwungenermaßen einem Mädchenteam an. "Das war ein Riesendrama, als ich von meinen Kumpels wegmusste", sagt sie. Neben ihrem Vertrag beim 1. FC Köln verdient Windmüller ihr Geld als Freestyle-Fußballkünstlerin. In der Frauen-Bundesliga ist eine solche Doppelbelastung nichts Ungewöhnliches, viele Spielerinnen arbeiten oder studieren nebenbei. Die Ausnahme: Spielerinnen von Champions-League-Klubs wie FC Bayern oder VfL Wolfsburg können sich hauptberuflich dem Fußball widmen. "Wenn man Professionalität fordert, muss man auch professionelle Bedingungen schaffen", findet Windmüller.

Was die Gleichstellung zwischen Männer- und Frauenfußball angeht, sieht Ministerin Schreyer noch Aufholbedarf. Während der Fußballweltverband Fifa bei der WM der Frauen Prämien von rund 27 Millionen Euro zahlt, gingen bei der WM der Männer 34 Millionen Euro allein an den Sieger. Und von einem Arrangement wie beim norwegischen Verband, der für die Nationalteams der Frauen das gleiche Budget bereitstellt wie für die der Männer, ist Deutschland weit entfernt. Trotzdem hat sich einiges getan. Inzwischen gibt es in den Regional- und Oberligen der Männer vereinzelt Trainerinnen. "Vor einigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen", sagt Hofmann.