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Betrugsverdacht bei Vuelta:"Versteck das!"

Ein Fan filmt bei der Spanien-Rundfahrt Verdächtiges: Zwei Mechaniker des Movistar-Teams lassen heimlich einen Rahmen verschwinden. Warum? Schon länger wird über Mini-Motoren in den Fahrrädern geraunt.

Von Javier Cáceres

Die spanische Radsport-Mannschaft Movistar Team ist durch die Videoaufnahme eines Fans bei der Spanien-Rundfahrt in Erklärungsnot geraten. Auf dem Video, das am Sonntag von spanischen Medien veröffentlicht wurde, aber bereits von der vor Wochenfrist absolvierten 9. Etappe stammen soll, ist zu sehen, wie das Begleitfahrzeug von Movistar Team auf der Schlussgerade unvermittelt anhält, ein Mechaniker vom hinteren Sitz herausspringt und einen Sattel samt Sattel-Stange auf den Boden legt. Danach entspannt sich ein frappierender Dialog. "Nimm das mit zum Auto!", ruft der Mechaniker einem weiteren, kurzbehosten Betreuer zu, und insistiert ("Nimm das mit, ja?!"), obwohl der Betreuer zustimmend geantwortet hatte: "Alles klar."

Danach ist zu sehen, wie der Mechaniker einen sattel- und vorderradlosen Rahmen vom Dach des Autos nimmt, ihn an den Straßenrand stellt und ruft: "Versteck das! Dass das niemand sieht!" Der mit zwei Trinkflaschen bewehrte Betreuer schnappt sich Rahmen und Sattel tatsächlich und stiefelt am Wegesrand davon. Eine schlüssige Erklärung für die Geheimnistuerei des dynamischen Mechaniker-Duos war seitens der Spanier zunächst nicht zu erhalten. Ein Movistar-Team-Sprecher sagte, der Rahmen sei "kaputt" gewesen.

Die 50-sekündige Sequenz sorgte in der Radsport-Szene und in Spanien für Furore - nährt sie doch den seit Jahren gehegten Verdacht, dass im Profiradsport verbotene Mikro-Motoren eingesetzt werden, die im Rahmen versteckt werden. Diese Praxis firmiert unter dem Stichwort E-Doping und wird seit 2010 verstärkt diskutiert. Damals geriet der Schweizer Fabian Cancellara in Verdacht, seine Siege bei der Flandern-Rundfahrt sowie bei Paris-Roubaix einem frisierten Fahrrad zu verdanken.

Anfang 2015 reagierte der Radsportweltverband UCI durch eine Anpassung des Reglements. Fahrer und Teams, die mit motorisierten Rädern unterwegs sind, müssen mit der Disqualifikation, einer Sperre von mindestens sechs Monaten sowie einer Geldstrafe von bis zu 200 000 Schweizer Franken rechnen, rund 180 000 Euro. Allerdings sind die Stichproben, die zuletzt bei der Tour de France sowie beim Giro d'Italia durchgeführt wurden, nach Angaben der Organisatoren negativ ausgefallen.

Die Etappe, auf der nun das pikante Movistar-Team-Video entstand, führte von Torrevieja nach Cumbre del Sol, einem Mittelmeer-Badeort zwischen Valencia und Murcia. Seinerzeit siegte der Niederländer Tom Dumoulin (Giant-Alpecin) vor dem Spanier Joaquim Rodríguez (Katjuscha) und dem Kolumbianer Esteban Chaves (Orica Green Edge). Bester Movistar-Team-Fahrer war der Vuelta-Sieger von 2009, Alejandro Valverde. Er wurde mit einer Minute Rückstand Fünfter. Die Etappe am Sonntag gewann der Spanier Joaquim Rodriguez, die Führung in der Gesamtwertung verteidigte Fabio Aru vom Team Astana. Aras Vorsprung auf den Zweitplatzierten Rodriguez: eine Sekunde.

© SZ vom 07.09.2015
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