Bethanie Mattek-Sands in Wimbledon "Es tut so weh"

Bethanie Mattek-Sands verletzte sich bei einem Sturz in ihrem Zweitrundenmatch und schrie vor Schmerzen.

(Foto: Getty Images)
  • Bethanie Mattek-Sands rutscht beim Zweitrunden-Match in Wimbledon gegen Sorana Cirstea aus und verletzt sich schwer.
  • Kurz darauf beginnt eine Debatte über die Beschaffenheit der Plätze.
  • Auch Kristina Mladenovic klagte bereits über die Rasenqualität.
Von Matthias Schmid, London

Sorana Cirstea hatte gerade die dritte Runde in Wimbledon erreicht, aber am Donnerstagabend sprach sie nicht über Tennis, nicht über ihre Vorhand oder den Rückhandslice. Stattdessen ging es um das, was sie gerade hatte ansehen müssen. Sie werde einige Tage brauchen, um die schrecklichen Bilder wieder aus ihrem Kopf zu bekommen, sagte Cirstea. Die Bilder, das waren die ihrer Gegnerin Bethanie Mattek-Sands. Im Zweitrundenspiel war die Amerikanerin gestürzt, Cirstea eilte ihr sofort zu Hilfe. Sie sah, wie die Amerikanerin Mattek-Sands sich das rechte Knie hielt, sie sah die verschobene Kniescheibe, sie hörte die Hilferufe: "Bitte helft mir, bitte, bitte!"

Später, in der Pressekonferenz, ärgerte sich Cirstea, weil es ihrer Ansicht nach viel zu lange dauerte, bis der Notarzt auf dem Court 17 angekommen war. "Für eine lange Zeit waren nur mein Physiotherapeut, Bethanies Ehemann und ich bei ihr", sagte Cirstea. "Ich habe mich schon gefragt, was passieren würde, wenn es plötzlich Probleme mit dem Herzen gäbe."

Den Vorwurf, zu langsam reagiert zu haben, bestritten die Verantwortlichen des Londoner Rasenturniers prompt. In einer Erklärung schrieben sie, dass "innerhalb von einer Minute" ein qualifizierter Rettungssanitäter auf Platz 17 gewesen wäre. Auch als der Notarzt und andere Assistenten mit einer Trage eingetroffen waren und erste Hilfe leisteten, schrie Mattek-Sands noch immer. Die Zuschauer, die am Platz geblieben waren, drehten sich weg.

Welche Rolle spielte die Beschaffenheit des Platzes?

"Es tut so weh", kreischte die 32-Jährige immer wieder, während ihre Gegnerin zu weinen begann. "Es war herzzerreißend sie so liegen zu sehen", sagte Cirstea. Am Seitenrand stand auch die schluchzende Lucie Safarova, die Doppelpartnerin von Mattek-Sands. Die beiden sind zurzeit die weltbesten Doppelspielerinnen. Zuletzt holten sie drei Grand-Slam-Turniersiege nacheinander. Auch in Wimbledon gehörten sie zu den großen Favoriten.

Mattek-Sands, die nicht nur mit ihren langen Kniestrümpfen und ihrem ungestümen Stil eine auffallende Erscheinung in der Tennisszene ist, war zu Beginn des dritten Satzes auf dem Weg zum Netz ausgerutscht. In den vergangenen Tagen waren schon mehrere Spieler gestürzt, aber keiner der Stürze war so folgenschwer. Die genaue Diagnose steht noch aus, aber vieles deutet auf eine langwierige Verletzung hin. Mattek-Sands war vom Platz direkt ins Krankenhaus gebracht worden.

Schon kurz danach begann in Spielerinnenkreisen eine leidenschaftliche Debatte darüber, ob die Beschaffenheit der Plätze den Unfall begünstigt haben könnte. Seit einigen Tagen ist es ungewöhnlich heiß und trocken in London, es regnet nicht, und die Plätze müssen jeden Abend stundenlang mit Wasser präpariert werden. Trotzdem gibt es kaum noch grüne Stellen an der Grundlinie.

"Es gibt sogar viele Löcher", hatte die Französin Kristina Mladenovic behauptet, nachdem sie ihr Zweitrundenmatch gegen die Amerikanerin Alison Riske überraschend verloren hatte. Die beiden waren schon während der Partie der Meinung gewesen, dass der Platz viel zu stumpf und gefährlich war. Doch der Schiedsrichter ließ weiterspielen, weil der Oberschiedsrichter den Platz bei einer Inspektion für spielfähig erklärt hatte.

"Der Court war nicht eben", schimpfte Mladenovic, "schon beim Warmspielen hatte ich meinen Knöchel leicht verdreht." Das Thema könnte auch die nächsten Tage an der Church Road beherrschen. Es soll in London SW19 weiter warm und sonnig bleiben. Erst am Sonntag sind Regenschauer möglich. Deshalb teilten die Organisatoren des All England Lawn Tennis & Croquet Clubs vorsorglich mit, dass "die Vorbereitung der Courts mit dem gleichen sorgfältigen Standard durchgeführt werden wie in den vergangenen Jahren auch". Gras sei eine "natürliche Oberfläche" und Abnutzungserscheinungen nach einigen Tagen daher normal.

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