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Besuchsversuch bei Özil:Bierhoff und Özils Berater standen offenbar in Kontakt

Was war der tiefere Sinn dieses Vorstoßes? Offenbar kamen Löw und Bierhoff eher unerwartet vorbei, nach einer losen Kontaktaufnahme über Özils Berater. Letzterer, ein heftiger Kritiker der deutschen Fußballvertreter, hat sich zum Treffen bisher nicht geäußert. Dass er Interesse daran hätte, seinen Schützling Tage vorm EM-Entscheid in eine Versöhnungsrunde mit DFB-Vertretern zu schicken, erscheint allerdings wenig plausibel. Auch der DFB selbst wollte auf konkrete Nachfrage nicht bestätigen, dass es einen festen Termin für ein Treffen mit Özil gab. Er verweist darauf, dass es in den letzten Wochen diverse Formen und Versuche der Kontaktaufnahme gab, dass dabei auch Bierhoff und Özils Berater in Kontakt gestanden hätten - und dass man zum Besuch jetzt einen ohnehin geplanten London-Besuch habe nutzen wollen.

Warum suchten Löw und Bierhoff nicht das Gespräch irgendwann ab Oktober? Warum dieser heikle Zeitpunkt, auf der Durchreise zum EM-Entscheid?

Es muss den Bewerbern klar sein, dass das Thema eine Rolle spielt, wenn es am Donnerstag zum Kreuzverhör der Bewerberverbände durch die Uefa-Vorstände kommt. Seit Beginn der Affäre um die Fotos mit dem türkischen Staatschef Erdogan, aber insbesondere seit Özils Rücktritt und der folgenden Rassismus-Debatte forciert die türkische Seite das Thema. Das Anti-Rassismus-Gebot ist eine Kernbotschaft der Uefa.

Grindel hält sich zurück

Erdogan äußerte sich nachdrücklich dazu. "Er hat die deutsche Nationalelf nicht grundlos verlassen. Jeder andere, der mit diesen rassistischen Attacken und Beleidigungen zu kämpfen hätte, würde dieselbe Reaktion zeigen", sagte der Präsident vor seinem Staatsbesuch in Berlin, der just wenige Stunde nach der EM-Vergabe beginnt, der Funke Mediengruppe. Und: "Özils Aussage, 'Ich bin Deutscher, wenn ich gewinne, aber Immigrant, wenn ich verliere', fasst die Diskriminierung von Spielern in Deutschland sehr gut zusammen."

Der DFB indes hatte das Thema für "weitgehend abgeschlossen" erklärt. Und intern gerieten die Werber stets in Alarmbereitschaft, wenn sich Präsident Grindel zur Özil-Causa äußern sollte. Immerhin, in den vergangenen Wochen hielt er sich zurück. Trotzdem ist es kurz vor der Wahl wieder zum großen Thema geworden.

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