Besuchsversuch bei Özil Löw und Bierhoff wählen einen heiklen Zeitpunkt

Fast 100 Länderspiele bestritt Mesut Özil unter Joachim Löw. Ein Jubiläum wird es nicht geben. Ein Gespräch wohl auch nicht.

(Foto: Axel Schmidt/Reuters)
  • Kurz vor der Vergabe der Europameisterschaft 2024 versuchen Joachim Löw und Oliver Bierhoff den aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen Mesut Özil beim FC Arsenal zu treffen.
  • Zu einem gemeinsamen Gespräch kommt es aber nicht. Ob es einen vereinbarten Termin gab, ist fraglich.
  • Der FC Arsenal teilt der SZ mit, dass er Löw weder einen Besuch des Trainings noch ein Gespräch mit Özil verboten habe.
Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Als Joachim Löw zu Wochenbeginn in London weilte, standen übliche Termine auf dem Programm: Er besuchte den Trainerkongress des Weltverbandes und auch die Gala zur Wahl des weltbesten Fußballers. Daneben aber zierte ein Punkt die Agenda, der weniger naheliegend erscheint. Am Montag begab sich der Bundestrainer gemeinsam mit Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff zum Trainingsgelände des FC Arsenal - auch in der Hoffnung, dort ein Gespräch mit dem ziemlich geräuschvoll abgetretenen Mittelfeldspieler Mesut Özil führen zu können. Aber dazu kam es nicht. Dafür gibt es nun just vor der Vergabe der EM 2024 noch einen Eklat, der folgenreich sein könnte.

Am Donnerstag wählt der Vorstand von Europas Fußball-Union (Uefa) den Ausrichter des EM-Turnieres in sechs Jahren: Deutschland oder die Türkei. Bisher sah es gut aus für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in diesem politisch heiklen Duell. Der Uefa-Prüfbericht bescheinigt ihm die bessere Bewerbung. Dass er mit wirtschaftlicher und politischer Stabilität werben kann, sind Kernvorteile. Der DFB gilt daher als Favorit, wenn die 16 oder 17 Wahlleute ihr Votum abgeben. Entsprechend hatten sich die Verantwortlichen für die letzten Kampagnen-Tage eine naheliegende Strategie verordnet: bloß kein Fehltritt mehr, keine unbedachte Äußerung oder Handlung. Insbesondere nicht in der Causa Mesut Özil und der damit einhergehenden Rassismus-Debatte.

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Aber nun kommt kurz vor dem entscheidenden Wahlgang diese gescheiterte Londoner Versöhnungs-Mission daher, die für Irritationen sorgt. Denn Löw und Bierhoff sind nicht nur zuständig fürs Nationalteam. Sie sind exponierte Repräsentanten der deutschen EM-Bewerbung.

Löw wartet vergeblich auf ein Telefonat

Etwas mehr als zwei Monate ist es her, dass Özil aus der Nationalmannschaft zurücktrat - er verband es mit heftigen Vorwürfen gegen den DFB und insbesondere gegen dessen Präsidenten Reinhard Grindel. Die hätten ihn nicht genügend gegen rassistische Anfeindungen geschützt. Löw, viele Jahre lang ein Förderer Özils, war enttäuscht, zumal er den Rücktritt nicht vom Spieler persönlich erfuhr. Auch wartete er seither vergeblich auf ein Telefonat. Montag also fuhr er mit Bierhoff zum FC Arsenal, wo die sportlichen Leiter laut DFB ohnehin Termine vereinbart hatten. Sie speisten mit Per Mertesacker, dem Leiter der Nachwuchsakademie des Klubs; zwischen Lunch und Training plauderten sie kurz mit den DFB-Akteuren Bernd Leno und Shkodran Mustafi. Nur mit Özil kam es zu keinem Kontakt.

Dafür zu wilden Spekulationen wie der, dass der Kicker durch einen Nebenausgang entwischt sei.

"Wir hätten uns gerne mit Mesut unterhalten. Aber wir müssen akzeptieren, dass er momentan das Gespräch mit uns nicht haben will", sagte Bierhoff später der Bild. Warum es nicht dazu kam, bleibt im Vagen, vor allem aber die konkreten Abläufe am Ort. Der FC Arsenal teilt der SZ mit, dass er Löw weder einen Besuch des Trainings noch ein Gespräch mit Özil verboten habe.