Beschallungs-Skandal in Hoffenheim "Verbale Fouls"

Von der etwas anderen Umverteilung versprechen sich die Fans von Borussia Dortmund allerdings nur Nebeneffekte. Wichtiger ist den aktiven Fan-Sprechern, dass die neuen Financial-Fair-Play-Regeln so scharf wie möglich angewendet werden.

Im Falle von Hoffenheim beispielsweise scheinen sich die Fair-Play-Regeln bereits auszuwirken. Mäzen Hopp hatte, nach Schätzungen von Finanzexperten, in den vergangenen Jahren meist zwischen 20 und 30 Millionen Euro in Hoffenheim zugeschossen. Nun haben Hopp und seine Berater ihr Ausgaben-Verhalten offenbar bereits den kommenden Regeln angepasst.

Derweil unterhält die Lautsprecher-Debatte die Liga. Und man schenkt sich nichts. Dortmunds Fans tragen in einem Offenen Brief an "Herrn Hopp" die Thematik gar auf die Ebene des kulturellen Kampfs gegen die auf die Spitze getriebene Kommerzialisierung, die Hopp für sie personifiziere.

Im Brief reklamieren die Fans, Hopp dürfe im kulturellen Milieu Bundesliga "Beleidigungen nicht persönlich nehmen". In eigenwilliger Drastik schreiben sie: "Verbale Fouls und solche in Form von Tritten in die Wade gehen doch im Fußball Hand in Hand. Nimmt es denn Spieler A persönlich, wenn Spieler B ihm gerade mit einem Foul eine Torchance geraubt hat? Nein! In jedem Foul steckt doch quasi die Metabotschaft: ,Sorry, ist nicht persönlich, aber ich muss dir jetzt die Beine wegtreten, weil ich nicht verantworten kann, dass du ein Tor gegen meine Mannschaft schießt.'"

Hopp sei allerdings "das Gesicht" des "Projekts Hoffenheim". Er stehe sinnbildlich für das, was Fans gewachsener Klubs wie Dortmund ablehnen.

Hopp, 71, kommentiert die "Hurensohn Hopp"-Tiraden von den Gästeblocks in seinen Worten: "Sie glauben nicht wie weh das tut. Wer meine Mutter kennt, weiß, was für eine herzensgute Frau sie war." Er reklamiert, dass die TSG "kein Spielzeug für mich, sondern eine Herzensangelegenheit" sei.

Dabei gilt gerade die Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena in der Szene als Aufmarschfläche für Stöckelschuhe und VIPs. Aber weil bekannt ist, dass sich die kleine Schar von Hoffenheims Anhängern mit Sprechchören gegen die Minderheit der leidenschaftlicheren Dortmunder Fans nicht durchsetzen kann, griff der TSG-Mitarbeiter wohl zur akustischen Selbst- Justiz.

Übrigens: Hoffenheim gewann gegen den Meister 1:0, während im Tribünenbereich der Kampf des Hausmeisters mit einer Schall-Schleuder gegen die Massen tobte.