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Bert van Marwijk beim HSV:Wenn nichts mehr geht, kommt ein Holländer

WM2010 - Niederlande - Bert van Marwijk

Bert van Marwijk bei der WM 2010.

(Foto: dpa)

Alles deutet darauf hin, dass Bert van Marwijk neuer Trainer beim Hamburger SV wird. Auch HSV-Aufsichtsratschef Ertel geht von der Verpflichtung aus. Ein Problem muss aber noch aus dem Weg geräumt werden - und das heißt Andreas Möller.

Von Carsten Eberts, Hamburg

Noch am Sonntag flog Oliver Kreuzer nach Zürich, von da ging es weiter, 280 Kilometer mit dem Mietwagen nach Karlsruhe. Kreuzer musste seine Wohnung auflösen, er plant schließlich ein längeren Aufenthalt beim Hamburger SV, benötigt sein Zweitdomizil nicht mehr. Nein, es sei noch nichts unterschrieben mit dem neuen Trainer, sagte Kreuzer kurz vor dem Abflug. Es könne jedoch nicht mehr lange dauern.

Der neue Trainer, das soll Bert van Marwijk sein. Bestens bekannt aus der Bundesliga, weil er von 2004 bis 2006 Borussia Dortmund trainierte; bestens bekannt auch als Bondscoach der holländischen Nationalelf, die er vier Jahre betreute. Van Marwijk, so lässt sich bereits feststellen, hat sich gut eingeführt. Er hat jedenfalls seinen Beitrag geleistet, dass die Verwirrung beim HSV mal wieder beträchtlich ist.

Während sich Kreuzer nach dem bemitleidenswerten 0:2 im Nordderby gegen Werder Bremen fleißig mühte, einen bestehenden Vertrag zu dementieren, machte van Marwijk bereits große Pläne für seine Zeit in der Hansestadt. Er war es, der den Wechsel als Erster bestätigte, nicht etwa über offizielle Vereinskanäle, sondern im holländischen Fernsehen. "Das ist ein großartiger Klub mit einer gewaltigen Tradition", sagte van Marwijk dem Sender NOS. Vor ein paar Tagen, nach der Entlassung von Thorsten Fink, hätte er mit den HSV-Verantwortlichen zusammengesessen: "Das hat schließlich zu einer Einigung geführt."

Der HSV befand sich augenblicklich unter Zugzwang. Fehlte noch, dass van Marwijk ein offizielles Wohnungsinserat aufgab oder über die Defensivtaktik für das kommende Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt sinnierte. Ein Trainer, der bereits sein Engagement verkündet, bevor der Aufsichtsrat zugestimmt hat - zum großen Glück in der aktuellen Hamburger Konstitution würde noch fehlen, dass der Deal noch platzt. Beim Aufsichtsrat des HSV handelt es sich immerhin um jenes divenhafte Gremium, das den handelnden Personen des Vereins das Leben gerne mal erschwert. Van Marwijk wusste gewiss um diesen Umstand. Und preschte mutig voran.

Am Sonntagabend bestätigte immerhin Aufsichtsratschef Manfred Ertel, dass auch er von der Verpflichtung des Niederländers ausgeht. "Wir müssen ja den finanziellen Rahmen abnicken, nicht die sportliche Entscheidung", sagte Ertel im NDR Sportclub: "Ich glaube, dass wir in der jetzigen Situation einen Mann brauchen, der eine sportliche und menschliche Autorität hat. Das Profil passt. Und wenn der Vorstand davon überzeugt ist, dass Bert van Marwijk der richtige Mann ist, dann wird sich der Aufsichtsrat zumindest sportlich dem sicher nicht in den Weg stellen." Im Gespräch ist ein Zweijahresvertrag mit 1,4 Millionen Euro Jahressalär.

Und so gilt beim HSV die alte Regel: Wenn nichts mehr geht, kommt eben ein Holländer.

Das hat nichts mit einer Geringschätzung des Fußballfachpersonals aus dem Nachbarland zu tun. Doch die Vorliebe für Angestellte, die gerne Orange tragen, ist unverkennbar: Huub Stevens, Martin Jol und Ricardo Moniz (als kurzzeitige Interimslösung) trainierten den HSV bereits, in dieser Zeit standen Spieler wie Joris Mathijsen, Nigel de Jong, Khalid Boulahrouz oder Ruud van Nistelrooy auf dem Platz. Als es vor einem Jahr ähnlich lichterloh brannte, holte der HSV mit frischem Geld vom milliardenschweren Investor Klaus-Michael Kühne zum zweiten Mal Rafael van der Vaart an die Elbe - und es ging zumindest kurzzeitig ein bisschen aufwärts.

Was ist mit Andreas Möller?

Nun offenbar van Marwijk. Ein Problem muss aber noch ausgeräumt werden. Laut Medienberichten will van Marwijk nicht nur seinen Landsmann Roel Coumans als Assistenten mitbringen, sondern auch Andreas Möller. Der Weltmeister von 1990 war zuletzt in Offenbach als Manager tätig, hospitierte bereits unter van Marwijk in dessen Dortmunder Zeit. Van Marwijk schätzt Möller sehr, will ihn entweder als Spielbeobachter oder gar als weiteren Co-Trainer einbinden.

Kreuzer und Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow hätten sich jedoch zunächst gegen Möller ausgesprochen, heißt es. Vielleicht im Wissen, dass Möller aus aktiver Zeit in vielen deutschen Fußballstadien nicht sonderlich wohlgelitten ist, sich der Klub mit dem Ex-Weltmeister neues Konflikpotenzial mit den eigenen Fans ins Haus holen würde. Zumal ein zusätzlicher Co-Trainer zusätzliches Geld kostet, was die Hamburger nicht haben. "Ich gehe nicht davon aus, dass Andreas Möller Co-Trainer bei uns werden wird", bestätigte auch Ertel. Was nicht heißt, dass es nicht doch so kommt, sollte van Marwijk mit Macht auf seinen Assistenten pochen.

Am Dienstag trifft der HSV im Pokal auf Greuther Fürth, erst danach soll der neue Trainer verkündet werden. Bert van Marwijk wird sich den HSV gegen Fürth genau angucken. In der aktuellen Konstitution sind die Hamburger gegen den Zweitligisten nicht unbedingt Favorit.

© Süddeutsche.de/ebc/sonn/bön
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