Da standen sie mal wieder, die echte Maddli – und ihr Ebenbild mit den großen Augen. In Bern trafen sich Madeleine Boll und das nach ihr benannte Maskottchen, zum Viertelfinale zwischen Spanien und der Schweiz, die beiden kennen sich inzwischen bestens. Die eine ist eine Revolutionärin, die erste Schweizer Spielerin, die in den 1960er-Jahren eine Lizenz als Fußballerin erstritt und damit einen Freiheitskampf begann gegen Männer, die damals Studien erfanden, die besagten, Frauen würden beim Fußball unfruchtbar werden. Und die andere ist ein plüschiger Bernhardiner-Welpe, gegen den niemand jemals einen Freiheitskampf führen würde. Wer kann diesen Augen schon widerstehen?
„Aus dem Wallis kommt sie“, berichtete Maddli, die echte, letztens in einem Gespräch über Maddli, das Maskottchen. Ganz so, als hätten sie sich letztens beim Wandern getroffen. „Ich selbst wollte als Kind auch immer ein Bernhardiner sein und allen helfen“, sagte Maddli über den im Gespräch leider schweigsamen Rettungshund, der im Stadion auch als solcher im Einsatz ist. Ein echtes Halbzeitprogramm haben sich die Schweizer bei der EM nicht überlegt, wenn also die Stimmung ein wenig nachlässt, dreht einfach Maddli ihre Ehrenrunde.
Neben der sportpolitisch-historischen Seriosität, die der Namensbezug zur Pionierin Boll herstellt, ist das Maskottchen aber vor allem eins: angenehm niedlich, im Vergleich zu seinen Ahnen. Kein hosenloser Löwe (Goleo, WM 2006), kein überdrehtes Duo aus zwei Strolchen (Trix und Flix, EM 2008 sowie Slavek und Slavko, EM 2012) und kein katarischer Poltergeist (Laeeb, WM 2022) begegnet einem auf der Reise durch Schweizer Stadien. Sondern eben ein Hündchen, das manchmal ein wenig umfallgefährdet wirkt, weil der Kopf groß und die Füße klein sind. Aber falls Maddli wirklich mal schwanken sollte, steht bestimmt Maddli als Stütze bereit.

