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Berlin:Spalier am Tegel

FC Augsburg v Hertha BSC - Bundesliga

Du hast ja ‘ne lustige Frisur: Matteo Guendouzi (hinten) bestaunt den Kollegen Dodi Lukebakio.

(Foto: Stefan Puchner/Pool/Getty Image)

Hertha BSC findet so langsam seinen Stil und wird darüber hinaus von den Augsburgern beschenkt - so gelingt dem Hauptstadtklub mit dem 3:0 in der bayerischen Ferne der erste Gewinn nach fünf sieglosen Spielen.

Von Thomas Gröbner, Augsburg

Es war ein besonderes Begrüßungskomitee am Flughafen Tegel. Die Berufsfeuerwehr war aufgefahren, mit Wasserwerfern und Blaulicht, "wir sind empfangen worden, als hätten wir den Titel gewonnen", freute sich Hertha-Trainer Bruno Labbadia. Der Berliner Tross war am Samstagabend dort nach einem 3:0-Sieg gegen den FC Augsburg gelandet, hinter der Hertha wurde der Flughafen Tegel praktisch dicht gemacht, der BER übernimmt jetzt in der Hauptstadt. Nicht nur wegen dieser Landung war der hundertste Bundesliga-Sieg von Labbadia ein besonderer. Sondern auch, weil die Hertha eine fußballerische Entwicklung nachwies. "Gestern war so ein Tag, wo ich daheim saß und dachte: So stell' ich mir Fußball vor", sagte Labbadia.

Die Berliner spielten kühl und überlegt im Augsburger Tiefnebel, ließen nur wenig zu. Aber es war zwischen den Schwaden auch zu sehen: Erst als die Augsburger den Gästen mit zwei haarsträubenden Fehlern einen sicheren 2:0-Vorsprung beschert hatten, lief das Hertha-Spiel auf Hochtouren, zur Freude des Genießers Labbadia. Der weiß aber auch: "Ich bin kein Träumer, wir haben extrem viel Arbeit vor uns."

Denn Labbadia hat ja das zweite Berliner Großprojekt neben dem BER zu verantworten: Im laufenden Betrieb muss er eine Mannschaft sanieren und sie startklar für das europäische Geschäft machen, geringer sind die Erwartungen in der Hauptstadt eben nicht. Nebengeräusche sind da inklusive, in der vergangenen Woche grummelte es ja mal wieder im Verein, weil die nächste Millionen-Tranche von Investor Lars Windhorst wohl erst verspätet ankommen sollen. Dazu kommt der radikale Umbau des Kaders.

Vierzehn Weggänge, zwölf Neue, so was hat selbst Labbadia noch nicht erlebt. "Wir müssen bei vielen wieder von Null anfangen." Immerhin das Umschaltspiel funktionierte schon glänzend gegen die Augsburger, die im Laufe des Spiels immer mehr ihre Deckung entblößten. Dabei war der FCA ja so etwas wie das Team der Stunde und hatte sich ja schon aufgemacht Richtung Europa, mit zehn Punkten aus sechs Spielen lagen die Augsburger auf Platz fünf. Doch nach einem unglücklichen Tritt des angehenden Nationalspielers Felix Uduokhai gegen Jhon Cordoba im Strafraum kippte die Partie, der Widerstand gegen die schnörkellosen Tempo-Angriffen der Berliner schwand. Bitter für die Hertha: Cordoba zog sich bei diesem Foul eine Bänderverletzung im Sprunggelenk zu, frühestens im neuen Jahr ist mit seiner Rückkehr zu rechnen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Matheus Cunha (44.), Dodi Lukebakio erhöhte nach einem missglückten Klärungsversuch des Augsburgers Jeffrey Gouweleeuw (52.). Den Schlusspunkt setzte der Cordoba-Ersatz Krzysztof Piatek (86.).

Auf den 25-Millionen-Euro-Zugang wird es nun ankommen, der Pole schmorte zuletzt unzufrieden auf der Bank. "Er muss auch ein paar Sachen fürs Team machen", begründete Labbadia, der Pole sei ein Stürmer, "der sich sehr über Tore definiert." Labbadia wird auf ihn setzen müssen: "Er weiß, dass er jetzt die erste Wahl ist." Die Berliner Hertha scheint angekommen zu sein in dieser Saison, da kommt die anstehende Länderspielpause ungelegen. "Gift" sei die, nur mit einer handvoll Leuten bleibt Labbadia zurück. Sehnsüchtig erwartet er deshalb auf die Rückkehr der Seinen am BER, dann ohne Feuerwehr-Spalier.

© SZ vom 09.11.2020
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