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Behindertensport:Von der Piste ans Pult

Paralympics Pyeongchang 2018 - Siegerehrung
(Foto: Jan Woitas/dpa)

Anna Schaffelhuber, siebenmal Paralympicssiegerin auf dem Monoski, hört auf mit dem Leistungssport. Die 26-Jährige reizen neue Herausforderungen.

Es wirkt immer spontan, wenn Sportler wenige Wochen vor dem Start der neuen Saison ihr Karriereende verkünden. Als wäre so kurz vor dem ersten Wettkampf einer langen Wintersaison mit vielen Reisen, Strapazen und Druck plötzlich klar geworden, dass im Leben andere Herausforderungen locken. Aber bei Anna Schaffelhuber, der siebenmaligen Paralympics-Siegerin auf dem Monoski, war das nicht so. Ihr Rückzug ist wohl überlegt.

Sie habe diese Entscheidung lange mit sich herumgetragen, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk, das ganze Jahr über dachte sie darüber nach, und schwer sei es dann nicht gewesen, weniger das Ergebnis einer Abwägung als Intuition: "Und dieses Gefühl hat sich richtig angefühlt." Schaffelhuber hat noch viel vor, sie steht kurz vor dem Einstieg in den Lehrerberuf, außerdem hat sie in diesem Sommer geheiratet. Und sie hat in den vergangenen Monaten auch den Eindruck gewonnen, dass es nun genug sei mit der Jagd nach Medaillen, diese Phase ihres Lebens empfindet sie als "komplett".

26 Jahre alt ist Anna Schaffelhuber erst, aber sie hat Medaillen und Siege für drei erfolgreiche Laufbahnen errungen: Sieben paralympische Goldmedaillen, elf WM-Titel, sechs Gesamtweltcup-Siege und 59 Einzelweltcup-Siege waren es, dazu etliche weitere Podestplätze; 2015 wurde sie Welt-Behindertensportlerin. Bei den Spielen 2010 in Vancouver holte sie Bronze, danach entfaltete Schaffelhuber ihr vielseitiges Talent. In Sotschi 2014 holte sie fünfmal Gold (Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Super-Kombination). Vor zwei Jahren in Südkorea gelang es ihr dann, die Paralympics-Siege im Super-G und in der Abfahrt zu wiederholen. Mehr geht im Grunde nicht binnen neun Jahren, und viele Sportler kommen da an einen Punkt, an dem der höhere Sinn für die immer gleiche Plackerei sich kaum noch erschließt, bei den Biathletinnen Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier war es ähnlich.

Zumal das Leben nach dem Wettkampf vielfältiger wird. Schaffelhuber veranstaltete in diesem Sommer am Chiemsee ein Camp, um Jugendliche mit und ohne Handicap zusammenzubringen. Das Treffen soll im kommenden Jahr dreimal stattfinden. Weil im Behindertensport noch vieles nicht reibungsfrei abläuft, will sie sich dort einbringen: "Es müssen noch deutlich mehr Strukturen geschaffen werden", sagt sie. Und schließlich hat sie selber weiter Ambitionen im Sport, sie will neue Techniken lernen, Tennis spielen, Schlittenlanglauf betreiben und auch weiter Skifahren - frei und bei Sonnenschein.

© SZ vom 12.11.2019 / SZ

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