Weltcupfinale im DressurreitenEine viel zu starke Jagerbomb

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Schwer bezwingbare Kombi: Die Britin Becky Moody auf Wallach Jagerbomb.
Schwer bezwingbare Kombi: Die Britin Becky Moody auf Wallach Jagerbomb.
Peter Nixon/Mauritius/ Alamy Stock Photos
  • Becky Moody aus Großbritannien gewinnt beim Weltcupfinale in Fort Worth auf ihrem selbstgezüchteten Pferd Jagerbomb mit 88,330 Prozentpunkten.
  • Die 46-jährige Britin züchtete und bildete Jagerbomb selbst aus, nachdem sie bei seiner Geburt dabei war.
  • Die deutschen Reiter Raphael Netz und Moritz Treffinger erreichten respektable Plätze fünf und acht beim Weltcupfinale.
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Becky Moody aus Großbritannien gewinnt beim Weltcupfinale im texanischen Fort Worth auf einem Wallach, der nach einem gefürchteten Szenecocktail benannt ist. Zwei deutsche Talente wissen ebenfalls zu überzeugen.

Von Gabriele Pochhammer, Fort Worth

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Der Ritt von Becky Moody, 46, beim Weltcupfinale in Fort Worth (Texas) begann mit einem Paukenwirbel, bei dem der Jury hätte schwindelig werden können. Doppelte Galopp-Pirouette, Galoppwechsel von Sprung zu Sprung, dann noch eine doppelte Pirouette. So ging es weiter, eine Schwierigkeit nach der anderen, die der zwölfjährige Wallach Jagerbomb entspannt und leichtfüßig aneinanderreihte. Im Hintergrund alte Beatles-Ohrwürmer, in der Arena eine Stimmung wie beim Rodeo: Das Publikum juchzte laut auf bei jeder gelungenen Lektion. Kein Vergleich mit der Kirchenstille bei europäischen Dressurprüfungen, wo jedes Hüsteln mit genervten Blicken bestraft wird. „Man müsste das Publikum mieten“, sagte die übers ganze Gesicht strahlende Moody nach ihrem Ritt.

Die Britin war als Favoritin nach Texas gekommen und sie verließ das „Cowboyland“ mit ihrem ersten großen Einzeltitel. 88,330 Prozentpunkte gab es für sie und Jagerbomb, 83,830 Prozent für den 23-jährigen US-Reiter Christian Simonsen auf Indian Rock und 80,770 für die Polin Sandra Sysojeva auf Maxima Bella. Die beiden deutschen Reiter, Raphael Netz auf Dieudonne und Moritz Treffinger auf Fidertanz, letzterer mit 22 Jahren Jüngster des Starterfeldes, landeten mit respektablen Ritten auf den Rängen fünf und acht. Die vier Weltranglisten-Ersten hatten auf einen Start in den USA verzichtet – sie haben bereits die Weltmeisterschaft im Sommer in Aachen im Visier.

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Aber es wäre auch für sie nicht leicht gewesen, Moody, die Nummer fünf, in Fort Worth zu überflügeln. Als Becky Moody vor zwei Jahren unversehens ins britische Olympiateam rückte, kannten sie außerhalb Großbritanniens nur wenige. Sie ersetzte die dreifache Olympiasiegerin Charlotte Dujardin, die wegen eines Videos, das zeigt, wie sie von unten auf ein Pferd einprügelt, kurz vor den Spielen gesperrt worden war. Moody zeigte von Anfang an, dass sie mehr als eine Notlösung war. Mit ihr, ohne Dujardin, gewannen die Briten in Paris Teambronze, bei der Europameisterschaft 2025 in Le Crozet (Frankreich) Teamsilber. Was hat dieses Paar, was andere nicht haben? Ganz viel. Jagerbomb war keiner dieser millionenteuren fertig ausgebildeten Ankäufe, mit deren Hilfe ein begabter Reiter unversehens in die Weltspitze katapultiert werden kann.

Becky Moody war dabei, als Jagerbomb seinen ersten Atemzug tat, als er zum ersten Mal auf wackligen Beine durchs Stroh stakste. „Homebred“, also selbst gezüchtet, sagen die Engländer und es klingt ein bisschen wie „selbstgebacken“. Was es irgendwie ja auch ist. Wenn man ein Pferd selbst gezüchtet hat, wenn man wie in diesem Fall schon die Mutter bis zum Grand Prix ausgebildet hat, dann ist die Beziehung eine besondere. „Ich habe keine Kinder, so ist er mein Kind. Mein Stolz und meine Freude“, sagt Moody.

Moody betreibt mit ihrer Schwester einen Zucht- und Ausbildungsstall in Yorkshire

Als Jagerbomb in ihr Leben trat, hatte sie schon eine nationale Laufbahn hinter sich, die wie so oft auf Ponys begonnen hatte. „Meine Eltern mussten viel Fantasie entwickeln, um immer neue Entschuldigungsschreiben zu entwerfen, wenn ich mal wieder wegen eines Turniers fehlte.“ Einige Lehrer nahmen es mit Humor, andere fanden, dass sie ihre intellektuellen Talente an die Pferde verschwendete. Heute betreibt Moody zusammen mit ihrer Schwester Hannah einen Zucht- und Ausbildungsstall in Yorkshire. Der kleine Hengst wuchs heran, keine Schönheit, ein unauffälliges braunes Pferd mit netten, aber keineswegs spektakulären Bewegungen, das selbst Becky Moody nicht gekauft hätte, wenn es nicht schon in ihrem im Stall stünde. Der Versuchung, ihn als Youngster abzugeben, widerstand sie. „Zum Glück“, wie sie heute sagt.

Moodys Lieblingsdrink stand Pate für den Namen des Fohlens. Jagerbomb ist in Großbritannien ein gefürchteter Szenecocktail, eine Mischung aus Energy-Drink und Kräuterlikör, Wirkung unvorhersehbar. Wesentlich solider ließ sich der so getaufte Wallach an. „Er ist in keiner Lektion außergewöhnlich“, sagt Moody, „aber er ist in allem wirklich gut.“ Er hat keine Schwächen, aber ein goldenes Temperament und das Bestreben, es seiner Reiterin recht zu machen. Hinzu kommen ein natürliches Gleichgewicht und Elastizität, die es ihm gestatten, auch in schwierigen Lektionen die Balance zu bewahren. Doch vor allem ist es die Harmonie zwischen Reiterin und Pferd, die unsichtbare Sprache, die das Paar zu verbinden scheint. Eine Harmonie, die alles verkörpert, was Reitkunst ausmacht und im heutigen Sport nicht selbstverständlich ist. Keine verkrampften Show-Effekte, keine spektakulär hochgerissenen Beine, kein hektisches Schweifschlagen, keine verdächtigen Maulbewegungen – einfach gutes Reiten. So soll Dressur aussehen, der Weltmeisterschaft in Aachen kann Becky Moody selbstbewusst entgegenblicken. Darauf eine Jagerbomb.

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