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Bald Cheftrainerin in der NBA?:"Wieso sollte eine Frau nicht coachen?"

Sie selbst ist sich ihrer Rolle bewusst: "Es gibt mittlerweile überall Frauen in Führungspositionen: im Supreme Court, in Vorständen, beim Militär - wieso sollte eine Frau nicht im Profi-Basketball coachen?" Ja, warum eigentlich nicht?

Die NBA ist jedenfalls bereit für diesen Meilenstein. Schließlich engagiert sich der von Afroamerikanern geprägte Betrieb nicht nur im Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt, sondern auch für Diversität und Gleichberechtigung. NBA-Boss Adam Silver erzählte seit seiner Übernahme als Commissioner vor sechs Jahren mehrfach, dass die Branche nicht länger so männerdominiert bleiben könne. Und tatsächlich tut sich was: Es besetzen mittlerweile auch zahlreiche Frauen Management-Positionen in Klubs. Silver möchte aber weiter gehen: "Unser Ziel ist, in Zukunft 50 Prozent weibliche Schiedsrichter und Trainer in der Liga zu haben."

Hammon, die früher in der WNBA selbst zu den Besten ihres Sports gehörte, hat Erfahrungen in der ganzen Welt gesammelt. Sie war in Spanien und Russland aktiv, und sie gewann als eingebürgerte Spielerin mit Russland Bronze bei Olympia 2008. "Man kann mir nicht vorwerfen, dass ich auf dem Weg ins Traineramt irgendwas ausgelassen habe", bekräftigt sie. "Ich bin seit 22 Jahren in diesem Geschäft unterwegs und bereite mich schon lange darauf vor, Chefcoach zu sein. Wenn die Chance kommt, wird jeder sehen, dass ich es kann." Als "Pionierin" will sie trotzdem nicht gesehen werden. Eher als jemand, die Fakten schafft und Normalität vermittelt.

"Die Menschen müssen sich einfach daran gewöhnen, dass eine Frau coacht. Das Ziel muss doch sein, dass es am Ende keinen mehr interessiert." Sie will jungen Athleten ihr Wissen vermitteln, an ihren Fähigkeiten feilen, sie besser machen. Im Grunde ist es simpel. Hammon strebt, wonach jede andere Trainerin und jeder andere Trainer auch streben: Anerkennung und Erfolg. Die bekommt sie nicht nur von Gregg Popovich, sondern auch von Pau Gasol, der unter der Assistentin Hammon bei den Spurs drei Jahre als Center spielte.

Er fände es verwunderlich, wenn sie nicht bald Chefcoach eines Klubs würde, schrieb der große, alte Spanier in seinem Essay "An Open Letter About Female Coaches" in der Players Tribune. "Ich sage nicht, sie kann es ganz gut oder sie kann es gut genug, um mitzuhalten. Und ich finde auch nicht, dass sie nahezu auf dem Niveau von Männern coachen kann. Ich sage: Becky Hammon kann ein NBA-Team führen. Punkt."

Und jetzt: zurück zum Fußball.

© SZ/schm
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