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Becker vs. Kyrgios:"Ratte" gegen "Donut"

Nick Kyrgios und Boris Becker

Boris Becker und der australische Tennis-Profi Nick Kyrgios beschimpfen sich offen auf Twitter. Es geht um die erneuten Verfehlungen von Alexander Zverev im Umgang mit der Corona-Pandemie.

Mit dem Satz "Don't like no #rats !", professionell mit einem Hashtag versehen, begann am Dienstagmorgen deutscher Zeit ein durchaus abgründiger Wortwechsel zweier Tennisfiguren auf Twitter. "Ich mag keine Ratten" war in gewisser Weise der erste Aufschlag von Boris Becker, 52, in einer schon länger schwelenden Geschichte - ein Statement, mit dem sich Becker in die Causa des Hamburger Tennisprofis Alexander Zverev, 23, einmischte.

"Jeder, der einen Sportskollegen verrät, ist kein Freund von mir", schrieb Becker weiter - das ging, wie der höchst unfreundliche Ratten-Vergleich, in Richtung des Australiers Nick Kyrgios, der wiederum Zverev am Montag in einem Instagram-Video Egoismus vorgeworfen hatte. Der Hintergrund: Zverev war dabei gefilmt worden, wie er in Südfrankreich in einem Beach Club mit Freunden feierte - dabei hatte er nach seiner Teilnahme an der unseligen Adria-Tour des Weltranglistenersten Novak Djokovic, die sich zum regelrechten Corona-Hotspot entwickelt hatte, demütig angekündigt, sich jetzt erst mal selbst zu isolieren.

Zverev versprach, in Quarantäne zu gehen - ging aber feiern

Und wer das kritisiert ist eine ... Ratte? Auch gegen Becker retournierte Kyrgios deutlich: "@TheBorisBecker ist ein größerer Doughnut als ich gedacht hatte", schrieb der Australier, griff Becker allerdings nicht nur mit einer kreativen Hefeteig-Gebäck-Beleidigung an: "Er kann einen Volley spielen, ist aber offensichtlich nicht das schärfste Gerät im Schuppen." Becker antwortete wiederum süffisant fragend: "Du bist ein lustiger Kerl ... wie ist es in Down Under? Respektierst du alle Richtlinien?" Später wurde es auch noch auf Tennisebene ein Konflikt, als Becker sinngemäß schrieb, Kyrgios würde erst ein Vorbild für die Jugend, wenn er sein Potenzial nutzen und einen Grand Slam gewinnen würde. Kyrgios war nun vollends irritiert vom twitternden Becker und antwortete: "Wieso redest du jetzt über Tennis? Es hat nichts mit Tennis zu tun."

In diesem Punkt ist dem 25-Jährigen Recht zu geben, denn die aktuellen Debatten im Tennissport fokussieren sich auf Tweets, Instragram-Videos, auf Partys (ohne Abstandsregeln) und nun auf Beleidigungen wie "Ratte" und "Doughnut" - aber ganz bestimmt nicht auf den Sport an sich. Dass sich nun auch Becker, immerhin Head of Men's Tennis beim Deutschen Tennis Bund (DTB), in eher harschem Tonfall in diese Diskussion einmischte, kam überraschend. Becker verwies als Begründung auf das "ungeschriebene Gesetz", dass die Spieler die Diskussionen in der Kabine austragen sollten. Zverev solle sich schämen, ja, aber: "Ratten mag ich immer noch nicht", schrieb Becker.

Seine Amtskollegin bei den Frauen, Barbara Rittner, hatte sich am Montag auch schon zu Zverevs doppeltem Spiel geäußert, im Spiegel, ebenfalls deutlich - und im Kern gegenteilig zu Becker: "Das ist unverantwortlich, respektlos, ignorant, arrogant, und er lässt seinen Worten nach der Adria-Tour keine Taten folgen", sagte Rittner. Ein deutliches Statement der Frauen-Tennischefin, die auch Turnierdirektorin in Berlin ist, wo Mitte Juli auch Zverev aufschlagen soll. "Wir werden ihn nicht ausschließen, aber er wird heute noch einmal getestet und sich dann in Isolation begeben und in Ruhe trainieren, hoffe ich", sagte Rittner: "Er muss sich bei uns an die Regeln halten."

In all dem Aufruhr um Becker, Kyrgios und ihre Tweets war von einem weiterhin nichts zu hören: Alexander Zverev. Der hatte sich am 22. Juni zuletzt zu Wort gemeldet und war seitdem nur in dem kurzen Video aus dem Beach-Club an der französischen Riviera aufgetaucht, das die ganze Debatte ins Rollen gebracht hatte. Damals hatte Zverev geschrieben, er werde sich im Lichte der vielen Corona-Fälle bei der Adria-Tour nun selbst isolieren (was er dann nicht tat) - und hatte auf Instagram viel positives Feedback für das Versprechen bekommen: "Bleib gesund und schau auf dich selbst und deine Lieben, mein Freund", kommentierte zum Beispiel: Boris Becker.

© SZ vom 01.07.2020/schm
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