Beachvolleyball-WMNeue Zeitrechnung am River Torrens

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In die Runde der letzten 32 geschmettert: Svenja Müller, die bei der WM mit ihrer langjährigen Partnerin Cinja Tillmann antritt.
In die Runde der letzten 32 geschmettert: Svenja Müller, die bei der WM mit ihrer langjährigen Partnerin Cinja Tillmann antritt. (Foto: Peter Weber/Beautiful Sports/Imago)
  • Sieben deutsche Beachvolleyball-Duos haben bei der WM in Adelaide die Vorrunde überstanden und kämpfen nun in der K.o.-Runde um Medaillen.
  • Die Olympiazweiten Wickler/Ehlers suchten nach Paris lange ihre Form und sind auf Weltranglisten-Platz 13 abgerutscht.
  • Der Deutsche Volleyball-Verband muss 2025 auf 400 000 Euro verzichten, nachdem seine Teams in der Potenzialanalyse schlecht abschnitten.
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Sieben deutsche Beachvolleyball-Duos kämpfen bei der WM in Adelaide um Medaillen. Wickler/Ehlers, Müller/Tillmann und Co. haben die Vorrunde gut überstanden – aber auch mit vielen Strukturproblemen zu kämpfen.

Von Sebastian Winter

Die Dimensionen sind kleiner als vor 25 Jahren, als Beachvolleyball die Olympiastadt Sydney eroberte – und Jörg Ahmann/Axel Hager mit ihrer Bronzemedaille das Strandspiel erst so richtig auch in der deutschen Sportlandschaft verankerten. Damals kamen 10 000 Zuschauer ins temporäre Stadion am Bondi Beach. Nun, bei den Weltmeisterschaften in Adelaide, 1400 Kilometer von Sydney entfernt, passen 4000 Menschen in den Center Court im Tarntanya-Wama-Park zwischen Stadion, Tennisplätzen und dem River Torrens, mit Blick auf die Skyline der 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt. 75 000 Fans erwartet Australiens Volleyballverband bis zu den Finalspielen am Sonntag, sie werden verwöhnt von Streetfood, einem bunten Kulturprogramm und frühlingshaften Temperaturen.

Hier also wollen die sieben deutschen Duos anknüpfen an ihre beachtliche Historie, gekrönt von olympischem Gold in London 2012 und Rio de Janeiro 2016 durch Julius Brink/Jonas Reckermann und Laura Ludwig/Kira Walkenhorst sowie deren zwei WM-Titel aus den Jahren 2009 und 2017. Einige weitere internationale Medaillen hat es seit dem Erweckungserlebnis durch Ahmann und Hager in Sydney für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) gegeben. Zugleich hat Ludwig als letzte des Goldquartetts ihre internationale Karriere beendet, die inzwischen 39-jährige Mutter zweier Söhne schied 2024 in Paris mit ihrer Partnerin Louisa Lippmann in der Vorrunde aus.

„Anfang der Saison sind wir ein bisschen gestruggelt“: Der Olympiazweite Nils Ehlers will bei der WM mit Parter Clemens Wickler an alte Erfolge anknüpfen.
„Anfang der Saison sind wir ein bisschen gestruggelt“: Der Olympiazweite Nils Ehlers will bei der WM mit Parter Clemens Wickler an alte Erfolge anknüpfen. (Foto: Peter Weber/Beautiful Sports/Imago)

Spätestens da begann eine neue Zeitrechnung im deutschen Beachvolleyball, und diese zeigt sich auch in Adelaide, wo alle sieben DVV-Duos am Wochenende recht souverän die Gruppenphase überstanden haben. In der Runde der besten 32 kommt es nun auch aufs Losglück an, diese erste K.-o.-Runde wird am Dienstag und Mittwoch ausgetragen.

Die Flaggschiffe Clemens Wickler/Nils Ehlers, die Olympiazweiten von Paris, und Cinja Tillmann/Svenja Müller, die WM-Dritten von Rom 2022 und aktuellen Weltranglistenvierten, gelten auch bei dieser WM als aussichtsreichste DVV-Vertreter. Für die insgesamt 96 Duos aus knapp 50 Nationen, die um den Titel spielen, geht es um eine Million US-Dollar Preisgeld. Allerdings suchten Wickler und Ehlers im postolympischen Jahr lange Zeit ihre Form, Wickler berichtete von mentalen Schwierigkeiten, sich nach Paris wieder fokussieren zu können, Ehlers sagte vor der WM: „Anfang der Saison sind wir ein bisschen gestruggelt, um in den Rhythmus reinzufinden, wir hatten einen Trainerwechsel, es gab etwas Unruhe.“ Ehlers und Wickler sind dadurch auf Weltranglistenplatz 13 abgerutscht und gehören nicht zum engsten Favoritenkreis in Adelaide.

Aber hinter den beiden Topduos haben sich andere vielversprechende Gespanne positioniert. Linda Bock und Louisa Lippmann, Ludwigs einstige Partnerin also, schlugen Müller und Tillmann gar im innerdeutschen Duell am Montag und zogen damit als Gruppenerste in die nächste Runde ein. Dabei spielt die einstige Libera des Schweriner SC ihre Premierensaison im Sand, wie einst auch Lippmann, als sie ihr Olympiaprojekt mit Ludwig begann.

Abklatschen in Adelaide: Louisa Lippmann, die in Linda Bock eine neue Partnerin an ihrer Seite hat.
Abklatschen in Adelaide: Louisa Lippmann, die in Linda Bock eine neue Partnerin an ihrer Seite hat. (Foto: Peter Weber/Beautiful Sports/Imago)

Lea Sophie Kunst, 23, und Melanie Paul, 25, gewannen ihre Gruppe ebenfalls, Kunst zeichnet sich im Turnier bislang als zweitbeste Scorerin und beste Blockerin aus, während Tillmann noch in der Gruppenphase das Ranking in der Kategorie Abwehr anführte. Danach allerdings schied sie mit Svenja Müller in der ersten K.-o.-Runde aus. Und die erfahrene Münchnerin Sandra Ittlinger, 31, die die Sommerspiele in Paris knapp verpasste, führt ihre neue Partnerin Anna-Lena Grüne, 24, an internationales Spitzenniveau heran. Das Duo ließ sich auch von einer Lebensmittelvergiftung nicht abhalten, an den Start zu gehen. Bei den Männern ist die Situation schon seit Jahren schwieriger, aber in Paul Henning, 28, dem aktuell besten Scorer der WM, und Lui Wüst, 23, sowie Lukas Pfretzschner, 25, und Sven Winter, 27, haben zwei weitere deutsche Duos die WM-Vorrunde überzeugend überstanden.

DVV-Präsident Markus Dieckmann, selbst 2002 und 2004 Beachvolleyball-Europameister, sah am Montag Licht und Schatten, was die derzeitige Lage in seinem Sport angeht: „Was es gerade nicht gibt, ist das absolute Überteam, wie es das früher gab. Aber dahinter ist ordentlich was los, es gibt eine gute Mischung zwischen Jung und Alt.“ Zumindest ein DVV-Vertreter sollte es Dieckmann zufolge ins Viertelfinale schaffen, „gerne auch mehr“. Mittelfristig „ist es das klare Ziel, Medaillen in internationalen Wettbewerben zu gewinnen und bei den Olympischen Spielen in Los Angeles bei Frauen und Männern mit je zwei Duos im Sand zu starten“.

Strecken bei der WM-Premiere: Lui Wüst, eine der Zukunftshoffnungen des deutschen Beachvolleyballs.
Strecken bei der WM-Premiere: Lui Wüst, eine der Zukunftshoffnungen des deutschen Beachvolleyballs. (Foto: Peter Weber/Beautiful Sports/Imago)

Andererseits musste der Verband auch harte Einschnitte hinnehmen. In der jüngsten Potas-Analyse des Bundesinnenministeriums und des Deutschen Olympischen Sportbundes kamen Volleyball Männer (Platz 41), Beachvolleyball Männer (45), Beachvolleyball Frauen (56) und Volleyball Frauen (80) nicht auf die vorderen Plätze, der DVV muss dadurch 2025 auf 400 000 Euro verzichten. Zwar wurde etwas Geld nachbewilligt, der Fehlbetrag schlägt sich dennoch auf Reisekosten, Lehrgänge und Trainingslager nieder.

Die Besten, wie Wickler und Ehlers, sind dennoch in einer vergleichsweise komfortablen Situation, auch durch ihre Sponsoren. Und sportlich hoffen sie nun auf ein versöhnliches Saisonende: „Wir haben uns inzwischen auf den fünften Plätzen stabilisiert und sind bereit, jetzt noch mal einen rauszuhauen“, sagte Wickler. Ehlers, der schon mal in Australien war, will Wickler zwischendurch noch auf eine kleine Emu- und Känguru-Tour mitnehmen. Tiere gelten ja nicht als schlechteste Begleiter, um mentale Blockaden zu lösen.

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