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Beachvolleyball:Endlich wieder hechten, pritschen, baggern

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Auch Laura Ludwig, Olympiasiegerin von 2016 (hier 2019 in Rom), braucht Wettkämpfe.

(Foto: Peter Weber/imago)

Es drohte das Aus, doch nun soll es eine deutsche Meisterschaft der Beachvolleyballer geben. Der Verband ist spät dran mit seinem Konzept - und ärgert sich über eine Privatinitiative.

Von Sebastian Winter

Timmendorfer Strand ist seit jeher der Sehnsuchtsort für deutsche Beachvolleyball-Duos, jedenfalls auf nationaler Ebene. Seit 27 Jahren spielen sie im mondänen Seebad jeden Spätsommer ihre deutschen Meister aus. In dieser Saison fürchtete die Ostseegemeinde allerdings die große Zäsur: Die Qualifikationsturniere für die DM sind längst abgesagt, und auch den Titelkämpfen selbst drohte das coronabedingte Aus. Nun hat der Deutsche Volleyball-Verband doch noch einen Weg gefunden, deutsche Meister in Ostholstein zu küren. Am 3. bis 6. September sollen dort Bälle wie Profis durch den Sand fliegen, auch die WM-Zweiten Clemens Wickler und Julius Thole haben neben Olympiasiegerin Laura Ludwig und deren Partnerin Margareta Kozuch ihren Start zugesichert. Ein Hygienekonzept mit und ohne Zuschauer wird aktuell erarbeitet. Falls tatsächlich Fans auf die Tribünen dürfen, werden es aber wohl statt der üblichen 6000 nur maximal 600 sein.

Für die Athleten, von denen nur die wenigsten wie Ludwig/Kozuch und Thole/Wickler Vollprofis sind, ist diese Nachricht ein Segen. Sie haben seit März keine Turniere mehr gespielt, der internationale Kalender ist gerade wie leergefegt, woran sich auch bis zum Herbst nicht viel ändern dürfte. "Es ist enorm wichtig für uns, in diesem Jahr doch noch ein großes sportliches Ziel zu haben", sagt Ludwig vor diesem Hintergrund. Auch, um endlich wieder Routine zu sammeln für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio.

Über mangelnde Spielpraxis dürften sich die Duos in den kommenden Wochen nicht beklagen, denn eine ziemlich üppige Qualifikationsserie führt zur DM hin. Sie beginnt am 17. Juli, dann treffen in Düsseldorf die besten deutschen Frauen aufeinander. Eine Woche später sind die Männer dran, in diesem Rhythmus geht es weiter über Hamburg nach Timmendorfer Strand. Der Modus ist gewöhnungsbedürftig: Insgesamt treten zu jedem Turnier 16 Männer- und Frauenduos an, in je zwei Teilnehmerfeldern. Die besten Acht der deutschen Rangliste sind demnach bereits für die DM qualifiziert - und können sich in Düsseldorf und Hamburg schon mal unter Wettkampfbedingungen warmspielen und etwas Preisgeld sammeln. Der Rest kämpft in einem eigenen Format - ohne Preisgeld - um acht weitere DM-Plätze, die nur die Finalisten und der Drittplatzierte der jeweiligen Turnier-Wochenenden erreichen. Zuschauer sind bei der Qualifikation nicht zugelassen, dafür überträgt Sport 1, inklusive DM, mehr als 20 Stunden live.

"Ich wusste, das würde im Verband zu einer Schockstarre führen", sagt Alexander Walkenhorst

Das ist der Segen für den Verband, der trotz zweier Olympiasiege seiner Beachvolleyballer auch weiterhin jeden Euro umdrehen muss. Zugleich ist der DVV recht spät dran mit seinem über Wochen und Monate entstandenen Konzept. Denn in Deutschland wird seit dem 13. Juni schon wieder professionell im Sand gepritscht und gebaggert: in der Beach-Liga auf den Feldern am Düsseldorfer Fußballstadion, einer privaten Initiative des Beachvolleyballprofis und dreimaligen EM-Fünften Alexander Walkenhorst, abseits und ohne Unterstützung des Verbandes. Dem älteren Bruder von Olympiasiegerin Kira Walkenhorst geht generell vieles zu langsam im DVV, wohl gesonnen sind sich beide Seiten schon länger nicht mehr, auch weil Walkenhorst sich nicht mit kritischen Kommentaren zurückhält. "Ich wusste, das würde im Verband zu einer Schockstarre führen", sagte er beispielsweise kürzlich bezüglich der Auswirkungen der Corona-Pandemie. Entsprechend goutiert der DVV zwar die Idee der Beach-Liga, in der je acht Männer- und Frauen-Duos an 30 aufeinander folgenden Tagen den Sieger ermitteln, nicht aber den Initiator, auch wenn offiziell von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit die Rede ist.

Das kleine Wettrennen um Aufmerksamkeit hat Walkenhorst, der schneller mit seiner Turnierserie war, jedenfalls gewonnen. Und er hat in Nationalkader-Athleten wie Victoria Bieneck, Isabel Schneider und Manuel Harms zumindest die erweiterte deutsche Spitze einen Monat lang in Düsseldorf versammelt. Walkenhorst spielt übrigens selbst mit - und ist mit seinem Partner Sven Winter auf bestem Wege in die Finalserie.

Immerhin kollidieren sein Format und die Qualifikationsserie des DVV zeitlich nicht miteinander, denn die Beach-Liga endet kurz vor dem Start der "Road to Timmendorfer Strand", wie der Verband seine Initiative blumig verpackt. DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand sagt: "Klar ist, dass wir dieses Jahr nicht die gewohnten Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten sehen werden, weil wir, trotz aller Lockerungen, sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgehen." Aber es gibt Bilder, immerhin.

© SZ vom 23.06.2020/tbr

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