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Beachvolleyball:"Make noise!"

FIVB Beach Volleyball World Championships Hamburg 2019 - Day 2

Baggern im Tennisstadion: Die Arena am Rothenbaum wurde für die Beachvolleyball-WM mit Sand gefüllt.

(Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images)

Die Weltmeisterschaft in Hamburg ist eine sehr amerikanische Veranstaltung und bisweilen sehr, sehr laute - aber sie kommt bestens bei den Zuschauern an. Und für die deutschen Athleten begannen die Wettkämpfe zunächst vielversprechend.

Von Jörg Marwedel, Hamburg

Als der Uwe Seeler des Volleyballs der Achtzigerjahre, ein gewisser Frank Mackerodt (111 Länderspiele, vier Meisterschaften mit dem Hamburger SV), 1990 auf Rat eines Teamkollegen erstmals nach Amerika aufbrach, um das sich gerade entwickelnde Beachvolleyball unter die Lupe zu nehmen, da wusste er noch nicht, das daraus einmal eine der populärsten Olympia-Sportarten werden würde. Heute ist Mackerodt, 56, der Mann hinter den Kulissen der nach den Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006 "größten sportlichen Veranstaltung" der Hansestadt. So nennt zumindest Innensenator Andy Grote (SPD) die Beachvolleyball-WM.

96 Teams aus 37 Ländern sind in Hamburg zu Gast. Es ist eine sehr amerikanische Veranstaltung, sehr laut, mit vielen Ständen abseits des Sports und viel Musik. Wenn ein besonders guter Spielzug zu bestaunen war, werden die Zuschauer aufgefordert: "Make noise!" Die bei freiem Eintritt hereingelassenen Fans lassen sich oft nicht zweimal bitten - ganz anders als sonst im Tennisstadion am Rothenbaum, das für die WM mit Sand aufgefüllt wurde. Mackerodt hat der sparsamen Hamburger Stadtregierung 3,5 Millionen Euro abgerungen. Man kann sagen, das hat er clever gemacht. Denn die Entscheidung über diesen Deal setzte er 2015 drei Tage vor der Volksabstimmung an, in der sich das Volk mit knapper Mehrheit gegen Olympische Spiele in Hamburg aussprach. Niemand in der olympia-beschwingten hanseatischen Regierung rechnete mit diesem Ergebnis. Nun aber kann sich Grote damit schmücken, die Elbmetropole wieder ein Stück weit zur Sportstadt entwickelt zu haben.

Die ersten Tage sind sportlich gut gelaufen. Der Hamburger Julius Thole und der aus Starnberg stammende Clemens Wickler haben bei den Männern die Rolle der Hoffnungsträger übernommen. Nach dem Auftaktsieg am Samstag gegen Patrick Kavalo/Olivier Ntagengwa aus Ruanda (die in ihrer Karriere noch nicht einen US-Dollar verdient haben), sagte der 22 Jahre alte Thole: "Es ist schon merkwürdige, wenn man plötzlich hört, Thole/Wickler müssen es für Deutschland reißen." Der zweite Gegner des Weltranglisten-Dreizehnten ist am Montag das auf Rang 68 stehenden iranische Duo Arash Vakili/Bahman Salemi. Das Hamburger Team Lars Flüggen/Nils Ehlers startete ebenfalls mit einem Sieg, aber der war schon überraschender. Gegner war das auf Rang zehn notierte chilenische Brüderpaar Esteban und Marco Grimalt. Auch gegen die Russen Nikita Liamin/Taras Myskiv sollte das nun gestärkte Duo am Montag eine Chance haben. "Die Stimmung war unglaublich. Man hat das eigene Wort nicht verstanden. Das Publikum hat uns gepusht", schwärmte Flüggen.

Auch die neu zusammengestellten Frauenteams gaben vorerst zu mehr Hoffnung Anlass als erwartet. Chantal Laboureur und Sandra Ittlinger sind nach zwei Siegen bereits für die K.-o-Runden qualifiziert. Karla Borger und Julia Sude starteten mit einem 21:15, 21:18 gegen die stark eingeschätzten Chinesinnen Xue Cheng/Wang Xinxin. Das zweite Spiel gewannen sie dann 21:14, 21:14 gegen die Nicaraguaerinnen Swan Valeria Mendoza/Loletta Rodriguez Saunders, was ebenfalls den vorzeitigen Einzug in die K.o.-Runde bedeutete. Das Duo, das am meisten Aufmerksamkeit auf sich zog, war natürlich das der Olympiasiegerin von 2016 und Weltmeisterin von 2017, Laura Ludwig, mit ihrer neuen Partnerin Margareta Kozuch. Zunächst überzeugte das erst seit sechs Monaten zusammenarbeitende Team mit der früheren Kapitänin des Hallen-Volleyball-Nationalteams Kozuch, die nach der aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Kira Walkenhorst als Blockerin eingesprungen war. Nach dem 21:19, 21:15-Sieg über die Amerikanerinnen Kelly Larsen/Emily Stockman setzte es am jedoch Sonntagabend gegen die Brasilianerinnen Maria Antonelli/Carolina Solberg Salgado mit 1:2 (21:13, 13:21, 11:15) die erste Niederlage. Das deutsche Duo muss nun im dritten Spiel den Einzug in die K.o.-Runde sicherstellen. Auch die Weltranglisten-Ersten starteten bei den Männern als auch bei den Frauen standesgemäß. Agatha Bednarczuk/Eduarda Santos Lisboa aus Brasilien siegten auch im zweiten Spiel gegen die Japanerinnen Megumi Murakami/Miki Ishi (21:13, 21:18). Bei den Männern gewann Anders Berntson Mol mit Christian Sörum gegen die Kubaner Sergio Gonzales und Luis Reyes 21:10 und 21:14.

© SZ vom 01.07.2019
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