Beachvolleyball-DM:Ein wenig Genugtuung

Volleyball/Beach: Deutsche Meisterschaft

Auch im Jubel perfekt aufeinander abgestimmt: Sarah Schulz (rechts) und Chantal Laboureur bei der Beach-DM in Timmendorfer Strand.

(Foto: Frank Molter/dpa)

Chantal Laboureur wird mit ihrer Partnerin Sarah Schulz überraschend deutsche Beachvolleyball-Meisterin. Die 31-Jährige hat einige komplizierte Jahre hinter sich.

Von Frederik Kastberg, Timmendorfer Strand

Am Tag danach fiel Chantal Laboureur das Reden noch etwas schwer. In den vergangenen Monaten, als die Zuschauer im Beachvolleyball nicht dabei sein durften, habe "man sich selber sehr gut gehört". Aber jetzt, "wenn die Leute wieder da sind und die Musik auch noch ballert, muss man wieder lauter reden", sagte sie. Da hatte ihre Stimme dann "auch ein bisschen gelitten".

Am Abend zuvor hatte Laboureur mit ihrer Partnerin Sarah Schulz das Finale der nationalen Beachvolleyball-Meisterschaft überraschend für sich entschieden. Nach dem entscheidenden Punkt lagen sie sich mit Tränen in den Augen im Sand von Timmendorf in den Armen, während um sie herum Funken aus den Boxen schossen und 3500 Zuschauer lärmten. "Die Stimmung auf dem Court war mega. Wir haben es zwar nicht gesehen, aber gehört", sagte Schulz, die auch am Sonntag ihre große Freude noch nicht abgestreift hatte. Zum ersten Mal in der 30-jährigen Geschichte des Turniers war das Finale unter Flutlicht ausgetragen. Die Feier nach dem Sieg und sowie die eigenen Jubelschreie hatten die Stimmbänder auch nicht gerade geschont.

Für Laboureur, 31, dürfte der 2:0 (21:17, 21:19)-Erfolg gegen das Nationalteam Karla Borger und Julia Sude auch ein Stück weit Genugtuung sein. 2019 war Sude noch ihre Partnerin gewesen, wechselte dann wegen der besseren Perspektive zu Borger. Ein Jahr später musste sich Laboureur wieder eine neue Mitspielerin suchen, nachdem sich auch ihre damalige Partnerin Sandra Ittlinger gegen die Medizinstudentin entschieden hatte. Die Fortgänge beendeten auch Labourerus Olympiaträume. "Chanti hat einige Jahre hinter sich, die nicht so leicht waren", sagte Laura Ludwig, die Olympiasiegerin von 2016, die mit ihrer Interimspartnerin Leonie Körtzinger diesmal überraschend im Viertelfinale gestrandet war. "Natürlich habe ich auch meine eigenen Fehler reflektiert", sagte Laboureur jetzt. "Nach der ersten Trennung war klar, dass ich weiterspielen möchte, nach der zweiten habe ich etwas länger gebraucht", gab sie zu. Im März wagte sie dann den Neustart mit der acht Jahre jüngeren Schulz, mit der sie nun das Jahr "sehr gut beenden konnte". Das Wörtchen "sehr" wiederholte sie fünfmal.

Für die WM-Zweiten Julius Thole und Clemens Wickler ist im Halbfinale Schluss

Auch Schulz hat von der Erfahrung ihrer Partnerin profitiert: "Chanti weiß einfach, wie es läuft. Das sieht man auf dem Court, neben dem Court, einfach überall." Für die Nürnbergerin ist es der erste Titel bei deutschen Meisterschaften, Laboureur gewann das Turnier bereits zum dritten Mal - zuletzt hatte sie im vergangenen Jahr mit Ex-Partnerin Ittlinger triumphiert, die in diesem Jahr mit Kim Behrens Dritte wurde. Vom Talent ihrer jetzigen Partnerin ist Laboureur begeistert: "Sie lernt in kurzer Zeit unglaublich schnell dazu und hat überall eine Schippe drauf gepackt", sagte sie und rechnet damit, "dass sie in Zukunft auch noch mehr draufpacken kann". Während Schulz noch mit einer anderen Partnerin Spiele in den Niederlanden absolviert, um international Punkte zu sammeln, kann sich Laboureur nun auf ihre Hochzeit in zwei Wochen freuen. "Danach feiern wir noch bei meinen Eltern am Bodensee, das ist dann noch mal ein anderes Highlight." Die Nacht im Timmendorfer Sand werde sie aber auch so schnell nicht vergessen.

Bei den Männern verloren die WM-Zweiten Julius Thole und Clemens Wickler aus Hamburg ihr Halbfinale gegen Philipp Arne Bergmann und Yannick Harms aus Hameln etwas überraschend mit 1:2-Sätzen und konnten ihren Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. "Wir hatten ein holpriges Jahr mit vielen Verletzungen und unsere Gegner haben auch super gespielt", sagte ein enttäuschter Thole nach dem Spiel. Bei ihm waren in diesem Jahr die Bänder gerissen, Wickler musste der Blinddarm entfernt werden, das alles im kräftezehrenden Olympia-Jahr. Neue deutsche Meister sind Alexander Walkenhorst und Sven Winter (Düsseldorf), das Duo gewann am Sonntag souverän 21:10 und 21:17 gegen Bergmann/Harms.

© SZ/jkn/aum
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