Beachvolleyball:Aus der Not heraus

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Beach-Volleyball-WM

Zitterpartie: Karla Borger (vorne) und Julia Sude stehen im Achtelfinale der Beachvolleyball-WM.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Karla Borger und Julia Sude erreichen als erstes deutsches Team bei der Weltmeisterschaft in Hamburg das Achtelfinale. Doch es fehlt die brillante Show, mit der die beiden noch in den Vorrundenpartien beeindruckt hatten.

Von Jörg Marwedel, Hamburg

Burkhard Sude, der Sportliche Leiter des Teams von Tochter Julia und ihrer neuen Partnerin Karla Borger, hatte nach den begeisternden Auftritten mit drei Siegen in der Gruppenphase noch gewarnt: "Jetzt geht das Turnier erst richtig los." Und so simpel diese Einschätzung des früher "Mister Volleyball" genannten Sude auch klang - sie kam beim deutschen Nationalteam nur mühsam an. Im ersten K.-o.-Spiel bei dieser WM waren die kaum bekannten deutschen Gegnerinnen Kim Behrens und Cinja Tillmann über weite Teile des Spiels überlegen. Nichts war zu sehen von Borgers und Sudes Show in der Vorrunde gegen die Amerikanerinnen Klineman/Ross, Nummer vier der Welt. Diesmal zeigte das Duo nicht, warum es sogar eine Hoffnung für Olympia 2020 sein könnte - alles deutete schon auf ihr Turnier-Aus hin, wie es später ihre topgesetzten Kolleginnen Laura Ludwig und Margareta Kozuch erlebten, zudem Chantal Laboureur und Sandra Ittlinger und alle anderen Frauenteams des DVV. Sie schieden aus - anders als Borger/Sude, die noch zu ihrer Form fanden, 2:1 gewannen und im Achtelfinale stehen. Das Paar, inzwischen 31 und 30 Jahre alt, spielte schon am Strand, als Borgers Mutter Cordula Pütter und Burkhard Sude als Beachvolleyball-Pioniere 1993 am Timmendorfer Strand um die erste deutsche Meisterschaft rangen. Erst 26 Jahre später ist daraus so etwas wie eine Beachvolleyball-Familie geworden. Und Julia Sude erklärt das Besondere der neuen Partnerschaft: "Wir haben viel Erfahrung", und vor allem "die gleiche Denke", was zu Spaß auf hohem Niveau führe.

Dabei sei das erste gemeinsame Training im Januar noch "schrecklich" gewesen, wie Sude mit einem Augenzwinkern bemerkt. Gleichwohl ist Burkhard Sude, der sich die Trainingsarbeit mit dem früheren Hallen-Nationalcoach Igor Prielozny teilt, durchaus beeindruckt vom neuen Paar: "Juli macht das sehr souverän. Karla ist das aktivere Element, hat die Intuition", beschreibt er das Zusammenspiel und ergänzt: "Sie haben ein gutes Potenzial, um sich aus Notsituationen herauszuspielen."

Borger, die 2013 schon einmal WM-Zweite mit Britta Büthe wurde, beschreibt die erstmalige Arbeitsgemeinschaft mit Sude als ein "Stück familiärer". Die Konstellation mit einem Partnerinnen-Papa als Trainer sei schon speziell. Anderseits wisse sie, dass er nur das Beste für seine Tochter und damit auch für das Team wolle. Und vor allem wisse Burkhard Sude, wie man Medaillen gewinnt. Der 203-malige Nationalspieler in der Halle war Beachvolleyball-Bundestrainer, als Jörg Ahmann und Axel Hager 2000 in Sydney die erste olympische Medaille in dieser Sportart für Deutschland gewannen, Bronze.

Auf jeden Fall hat es das aus Stuttgart und Friedrichshafen stammende Duo Borger/Sude etwas leichter als die ehemaligen Teams Borger/Kozuch und Sude/Laboureur, die mit dem Verband viele Kämpfe darum austrugen, dass sie nicht regelmäßig am Olympia-Stützpunkt in Hamburg trainieren mussten. Bei Borger und Kozuch ging der Streit so weit, dass der DVV ihnen mehrmals den Start bei internationalen Turnieren verwehrte. Burkhard Sude stellt trotzdem eine gute Prognose für sein Team: "Jetzt geht es nur noch um wichtige Kleinigkeiten."

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