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Beachvolleyball:Alles besser als ein Sommer ohne Sand

Beachvolleyballmeisterschaften in München, 2019

Es darf wieder gebaggert werden: Auch eine bayerische Beachvolleyball-Meisterschaft soll es in diesem Jahr geben, wie 2019, als die Lohhoferin Sabrina Karnbaum in München – vor Zuschauern – um den Titel kämpfte.

(Foto: Claus Schunk)

Für Bayerns Beacher beginnt die langersehnte Saison - wenn auch sehr abgespeckt und mit strengen Auflagen.

Von Sebastian Winter

Für die Beachvolleyballer in Bayern steht ein schönes Wochenende an: Sie dürfen nun - Mitte Juli - ihre ersten Turniere spielen. Normalerweise startet die Saison Anfang Mai, doch in diesem Jahr ist alles anders. Der Bayerische Volleyball-Verband (BVV) hatte schon das Horrorszenario vor Augen, dass der komplette Sommer im Sand ausfällt. Nun hat er sich mit den zuständigen Ämtern und der Politik doch noch auf ein - wenn auch sehr abgespecktes - Konzept geeinigt, dessen Herzstück eine kleine Masters-Tour sein wird.

Der populäre olympische Sport musste dabei einen Spagat überwinden: Einerseits wird er an der frischen Luft ausgeübt, was in Corona-Zeiten ein wichtiges Kriterium dafür ist, grünes Licht für seine Ausübung zu geben. Andererseits kommen sich die Duos auf dem Feld bei der Annahme sehr nah, im Block trennen die gegnerischen Spieler nur wenige Zentimeter. Den üblichen Abstand von 1,5 Metern einzuhalten, ist im Sand höchstens bei bestimmten Trainingsformen möglich, den Ball berühren ohnehin alle Spieler auf dem Feld.

Seit Ende Juni wurden die Regeln für den Outdoor-Sport aber weiter gelockert, ohnehin gibt es deutschlandweit seit Juni eine hochkarätige privat organisierte Beachvolleyball-Serie im Westen der Republik, außerdem beginnt die offizielle Qualifikation für die deutsche Meisterschaft in Timmendorfer Strand in einer Woche. Auch in Bayern wollte man den Spielern nun ein paar regionale Turniere nicht vorenthalten. Allerdings gibt es in diesem Jahr nur zwei Wertungskategorien: Das BVV Beach Masters, bei dem auch Punkte für die deutsche Rangliste vergeben werden, und den BVV Beach Cup+, bei dem Punkte für die bayerische Rangliste und die Landesmeisterschaft gesammelt werden können. Gestartet wird an diesen Wochenende in Dachau und Erlangen, wo jeweils ein Beach Cup+ bei Frauen und Männern auf dem Programm steht. "Wir sind vom dann doch schnellen Start ein bisschen überrascht worden, zumal wir dachten, dass die Auflagen strenger sein würden", sagt BVV-Beachvolleyball-Koordinator Andreas Simon, "deshalb haben wir auf die Schnelle zwei Turniere aufs Tableau geworfen."

Weitere Turniere sollen folgen, wie am nächsten Wochenende das vergleichsweise hochwertige Beach-Masters in Weiden, gefolgt von einem Cup in Taufkirchen und einem Masters in Freising. Auch für das Masters in Ebersberg Mitte September laufen die Planungen, es würde an jenem Wochenende das deutschlandweit hochwertigste sein. Und auch eine bayerische Meisterschaft peilt der Verband an, am letzten August-Wochenende. München und Augsburg gelten als aussichtsreiche Ausrichterstädte. Center-Courts werden in diesem Jahr allerdings nicht aufgeschüttet, sondern auf bestehenden Anlagen gespielt, wo das Hygienekonzept auch gut umgesetzt werden kann. Wenn alles klappt, wäre für fast jedes Wochenende in diesem Sommer ein Turnier geplant. Eine Neuerung bezüglich der Qualifikationspunkte für die bayerische Meisterschaft gibt es auch. In diesem Sommer sind die erfolgreichsten zehn Turniere aus 2020 und 2019 relevant. "Wir sind sehr froh, dass wir die Turniere durchführen dürfen. Auch, weil wir lange darum gekämpft haben", sagt Simon. Das entscheidende Kriterium war für Behörden und Politik schließlich, dass man sich beim Beachvolleyball in keiner einzigen Technik berühren muss, ob Aufschlag, Annahme, Zuspiel, Angriff, Block oder Abwehr.

Die Nachfrage gibt dem BVV Recht, zumindest fürs erste Wochenende. In Dachau waren die Teilnehmerfelder schnell prall gefüllt, es gibt eine lange Warteliste. Starke Teams sind auch am Start, die unter normalen Umständen höherwertige Turniere spielen würden als einen Cup. So haben bei den Männern Eric Paduretu und Jonas Sagstetter gemeldet, die in der Halle mit dem TSV Unterhaching künftig in der ersten Liga spielen. Bei den Frauen tritt die fünfmalige bayerische Meisterin Michaela Henry aus München mit Tiana Nicolaus an, weitere Topteams sind Peter/Sieber aus Augsburg und Heilrath/Wickler aus Planegg.

Auf den fünf Feldern in Dachau wird es keine Schiedsrichter geben, die Spieler pfeifen einfach sich selbst. Die Wechsel der Feldseite während der Spiele werden diesmal im Uhrzeigersinn vollzogen, so soll jeder unnötige Körperkontakt vermeiden werden. Außerdem werden die Bälle vor jeder Partie desinfiziert. Zuschauer sind vorerst keine zugelassen, aber immerhin ein Trainer oder Betreuer pro Team. Das alles ist gewöhnungsbedürftig für die Beacher, aber allemal besser als ein Sommer ohne Sand.

© SZ vom 11.07.2020

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