Beachhandball:Sprungwurf mit Pirouette

Beachhandball EM in Polen KIRßLY Réka 32 during the Beach Handball EURO 2019 women s game gol

Für die Deutschen erst einmal außer Reichweite: Die Ungarin Réka Király beim Sprungwurf im EM-Finalspiel gegen Dänemark.

(Foto: Uros Hocevar Collective/imago images)

Schon 2024 könnte die Sportart Beachhandball olympisch werden. Der Deutsche Handballbund investiert viel, um langfristig konkurrenzfähig zu sein. Aktuell liegen die großen Ziele aber noch außer Reichweite.

Von Raphael Späth

Südamerikanisches Temperament gepaart mit Sportspektakel auf Sand - schon die Beachvolleyballturniere, die seit 1996 fester Bestandteil der Olympischen Spiele sind, bewiesen, dass das eine Erfolgsformel sein kann. Auch bei den Jugendspielen 2018 in Buenos Aires in Argentinien staunten die Zuschauer wegen einer Sandsportart. Dieses Mal waren es allerdings die Handballer, die der noch recht jungen Sportart Beachhandball erstmals weltweite Aufmerksamkeit verschafften.

1993 kamen zwei Italiener erstmals auf die Idee, Handball im Sand zu spielen, 2000 wurde die erste offizielle Beachhandball-Europameisterschaft ausgetragen. Im Gegensatz zum Hallenhandball liegt der Fokus im Sand auf Tempo und Spektakel: "Der Handball in der Halle lebt vor allem auch von Kraftkomponenten", erklärt Alexander Novakovic, Beachhandball-Bundestrainer der Frauen. "Das ist etwas, was im Beachhandball aufgrund der körperlosen Spielweise kaum gebraucht wird - auf Sand kommt es eher auf Leichtigkeit, Akrobatik und Sprungkraft an." Ein Tor mit Pirouette in der Luft zählt doppelt, auch der sogenannte Kempa-Trick bringt gleich zwei Punkte. Selbst die Zählweise unterscheidet sich vom großen Bruder in der Halle, der Punktestand wird nach einer Halbzeit wieder auf Null gesetzt. Somit muss eine Mannschaft in beiden Hälften mehr Punkte erzielen, um schlussendlich das Spiel zu gewinnen. Gewinnt je eine Mannschaft eine Halbzeit, wird der Sieger per Sechsmeterwerfen ermittelt.

2007 stellte der Deutsche Handballbund die Förderung ein

Seit 2009 ist Beachhandball auch fester Bestandteil der World Games, die im Vier-Jahres-Rhythmus stattfinden und hauptsächlich nicht-olympische Sportarten beinhalten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wagte nun vor einem Jahr bei den Jugendspielen den ersten Testlauf und ersetzte das klassische Hallenhandball durch die Sandsportart - mit Erfolg. Eine Aufnahme ins olympische Programm zu den Spielen 2024 in Paris ist deshalb mehr als wahrscheinlich, ob dann auch eine deutsche Mannschaft am Start sein wird, ist wohl eher fragwürdig.

Nachdem der Deutsche Handballbund 2007 die Förderung des Sports ohne wirkliche Begründung einstellte, fiel der deutsche Beachhandball in ein Loch - erst 2015 entschied sich der Vorstand wieder dazu, die Trendsportart in den Fokus zu rücken. Seit vier Jahren veranstaltet der DHB wieder deutsche Meisterschaften, an diesem Wochenende kämpfen 24 Männer- und Frauenteams in Berlin um den Meistertitel.

Allerdings ist die Sportart nicht im Programm der sogenannten "Finals" zu finden. Statt im Hauptprogramm von ARD und ZDF werden die Spiele lediglich auf dem Streamingdienst sportdeutschland.tv übertragen. "Für uns war das auch ein ziemlicher Schock", sagt Jens Pfänder, Beachhandball-Leiter des DHB. "Wir haben im vergangenen Oktober davon erfahren und eine Anfrage gestellt, da war das Projekt aber schon besiegelt. Als Begründung wurde uns mitgeteilt, dass das eine reine Individual-Meisterschaft ist und wir als Mannschaftssport dort nicht reinpassen."

Trotzdem: Der DHB nimmt das Projekt Beachhandball auch ohne "Finals"-Vermarktungsmöglichkeit ernst, das ist schon am "Strukturplan 2019-2025" zu erkennen. In mehr als 100 Seiten ist haargenau beschrieben, welche Schritte in den kommenden Jahren einzuleiten sind, um den Sport in Zukunft konkurrenzfähig zu machen und den Anschluss an die Weltspitze herzustellen.

Die großen Ziele scheinen außer Reichweite

Auch die Zielsetzung ist klar formuliert: Sollte Beachhandball 2024 olympisch werden, will man dort mit zwei deutschen Teams vertreten sein. Wenn nicht, sollen zumindest die World Games 2025 angegriffen werden. Als Zwischenziel wurde damals die Halbfinalteilnahme bei der Europameisterschaft 2019 in Polen angegeben - allerdings scheiterten die beiden DHB-Mannschaften schon in der Zwischenrunde. Die Herren wurden Sechster, die Frauen Zehnte. Die sportliche Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr ist damit missglückt, die Männer haben nur durch ein Nachrückverfahren noch Chancen auf eine WM-Teilnahme. "Wir haben in den letzten zwei Jahren trotzdem deutliche Schritte in die richtige Richtung gemacht", bilanziert Frauen-Bundestrainer Novakovic. "Allerdings ist es sehr wohl noch ein weiter Weg, um bei potenziellen Olympischen Spielen realistische Chancen auf einen Medaillenrang zu haben."

Um dieses Ziel zu erreichen, müsse vor allem die Professionalisierung der deutschen Beachhandball-Tour mit 14 Turnieren in ganz Deutschland vorangetrieben werden. "Zwischen uns und den Größen Europas liegen momentan noch Universen", weiß Novakovic. "In Spanien sind die Turniere ein Riesenhighlight, teilweise kommen mehr als 2000 Zuschauer zu den Spielen, das nationale Fernsehen überträgt live. Bei uns findet das Finale bei Top-Turnieren vielleicht vor 800 Leuten statt."

Orientieren möchte man sich auch an den deutschen Beachvolleyballern, deren Turniere inzwischen von großen Sponsoren finanziert und live im TV übertragen werden und nebenbei tausende Zuschauer in die temporären Arenen locken. Das Potenzial dazu hat der Beachhandball auch - das haben die Jugendspiele in Buenos Aires bewiesen.

© SZ vom 04.08.2019
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