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Bayerns Boateng gegen Dortmund:Pässe aus dem Fußballmuseum

04 10 2015 xovx Fussball 1 Bundesliga FC Bayern München Borussia Dortmund emspor Jerome Boate; Jérôme Boateng

Jérôme Boateng - Spielgestalter aus der Abwehr heraus

(Foto: imago/Jan Huebner)

Zur Rundumversorgung in der Münchner Fußballarena zählt auch, dass fleißige Helfer nach Spielen Statistik-Papiere verteilen. Auf diesen Zeitdokumenten lassen sich manchmal auf einen Blick Besonderheiten finden, die sonst im großen Trubel untergehen. Sollte der FC Bayern zum Beispiel eines nicht ganz so fernen Tages wirklich in einer Partie auf 100 Prozent Ballbesitz kommen, wäre das solchen Zetteln umgehend zu entnehmen.

Nach dem 5:1 gegen Dortmund (Ballbesitz der Münchner: 58 Prozent) stach aber ein anderer Wert hervor: 94 "Aktionen am Ball", also Ballkontakte, und drei Torschussvorlagen standen dort. Bei Jérôme Boateng.

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Dass ein Abwehrspieler ausgerechnet in diesen Kategorien vorne liegt, kommt selten vor - zumal unter Pep Guardiola beim FC Bayern ja eigentlich das Mittelfeld die Ballmagnetzone sein soll. Aber in dieser Begegnung lief vieles anders. An diesem Abend fungierte Boateng als Verteilstation für die entscheidenden Dinge auf dem Feld.

Einfach aus dem Fußgelenk

Der Weltmeister verfügt über zahlreiche Fähigkeiten, die ein moderner Defensivspieler mitbringen sollte: Er ist einer der Schnellsten in seinem Team, er kann wunderbar grätschen (siehe WM-Finale in Rio!) und er ist robust wie ein Rugby-Recke. Und was manchmal beinahe vergessen wird: Er beherrscht wie kaum ein Zweiter auch die Passvariante "hoch und weit".

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Götze im Präzisions-Leistungskurs

Zwei Mal übertölpelte Boateng die Dortmunder mit Präzisionszuspielen über fast 80 Meter, zwei Mal entstanden daraus Tore der Stürmer Thomas Müller und Robert Lewandowski. Es waren Kunstwerke aus dem britischen Fußball-Museum, die der 27-Jährige da lässig aus dem Fußgelenk schüttelte - eines mit rechts, eines mit links. Kein Wunder also, dass Boateng hinterher einem faszinierten Reporter von der Insel auf Englisch antworten musste. "Ich habe gesehen, dass diese Pässe diesmal gehen", erklärte er fast akzentfrei, was ein indirekter Hinweis auf das fehlende Pressing der Borussia war.