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Bayern-Trainer Pep Guardiola:Alle schätzen Heynckes

Sie mögen und sie schätzen ihren Jupp, und sie wollen eines vermeiden: dass alles, was sie über den neuen Trainer sagen, gegen den alten verwendet wird.

Es klingt absurd, aber es ist so: Die Bayern haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, trotzdem hat die Saison dem neuen Trainer eine Menge Arbeit übrig gelassen. Wer Bayerns beeindruckende Saison verfolgt hat, hat eines ja nicht übersehen können: Das Spiel war erbaut auf einem monumentalen Willen, auf straffer Physis, glänzender Personalführung, professioneller Ordnung, hohem Tempo und noch höherer individueller Qualität.

Dennoch herrscht im Team eine Sehnsucht nach dem Unsichtbaren - nach jenen auf den ersten Blick schwer zu entziffernden Details, die einzelne Spieler noch mal übers eigene Niveau hinausheben. Guardiola ist nicht bekannt dafür, dass er Spieler besser macht - er ist bekannt dafür, dass er sie in einen besseren Zusammenhang bringt.

Ein Detailfanatiker wie Guardiola wird beim Studium seiner neuen Elf einige Szenen gefunden haben, die auf den ersten Blick sehr gut und auf den zweiten verbesserungswürdig waren - wenn Van Buyten eine Lücke zum Sololauf nutzt, damit aber die Ordnung aufhebt; wenn Robben ein Dribbling wagt und vergisst, dass die Mannschaft hinter ihm nicht kompakt steht, was einen Ballverlust zur fatalen Falle machen würde; wenn Neuer schnell abwirft, obwohl die Vorderleute noch nicht bereit sind.

Das ist Guardiolas Anspruch: einer Elf das Gespür für den Augenblick zu vermitteln, ein Gespür für Beschleunigung und Verlangsamung im rechten Moment, einen Sinn für Strategie - und das Bewusstsein, dass auf dem Platz alles mit allem und jeder mit jedem zusammenhängt.

Um diesen Triple-Sieger nach seinem Bilde zu formen, braucht Guardiola eine Menge: Er braucht Zeit, Autorität und Sprache, er braucht spielintelligente Profis, und er braucht Härte, falls er merkt, dass einem der Promis im Team diese Spielintelligenz fehlt. Aber vor allem wird Pep Guardiola sich erst mal selber beweisen müssen, dass er am neuen Ort derselbe Weltklasse-Trainer sein kann wie an seinem alten. Für diesen Beweis, das weiß er, wird es mehr brauchen als ein Auftakttraining vor 25 000 Zuschauern.

© SZ vom 26.06.2013/jbe

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