Bayern-Torwart Sven Ulreich:Torhüterle für die Weißwursttage

FC Bayern Muenchen - Training Session

Sven Ulreich trainierte trotz Bullenhitze in langer Hose - dann posierte er mit neuer Arbeitskleidung.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Sven Ulreich wird beim FC Bayern neuer Ersatzmann für Manuel Neuer.
  • Der Torwart will beim Meister lernen und sich verbessern.
  • Doch es stellt sich die Frage, warum er sich freiwillig auf die Bank setzt.

Von Jonas Beckenkamp

Sven Ulreich wollte über Würste sprechen, aber da fiel ihm schon jemand ins Wort. Am Tag seines Abschieds aus Stuttgart habe es Weißwürste gegeben, erzählte der Torwart am Mittwoch, zur Eingewöhnung für seine kommende Zeit in München. Ob er schon landestypische Brezn probiert habe, wollte dann jemand wissen. "Nein, ich war hier erst einmal essen, da gab es was anderes", sagte der neue Ersatzkeeper des FC Bayern. So ganz ernst ging es also nicht zu bei seiner Präsentation zum Trainingsauftakt.

Sogar Matthias Sammer, der neben ihm saß, rang sich ein Grinsen ab. Und wenn selbst Sammer lacht, wird klar: Es ist Hochsommer und im Fußballbetrieb ist Spaß noch erlaubt. Die Vorstellung Ulreichs war nach den ersten Übungseinheiten dieser Spielzeit der Start der Kennenlernwochen an der Säbener Straße. Ein paar Neue sind es ja doch bei den Bayern: Joshua Kimmich (noch im Urlaub nach der U-21-EM), Douglas Costa (Sonderurlaub nach der Copa América) und eben Ulreich. Und der führte sich mit braven Sätzen des Gehorsams wie diesem ein: "Wenn du ein Angebot von Bayern bekommst, kannst du nicht nein sagen."

3,5 Millionen Euro soll die Ablöse für den Keeper betragen haben, dafür sicherten sich die Münchner seine Dienste bis 2018. Mit 27 Jahren befindet sich Ulreich in dem Alter, für das die Branche die Begrifflichkeit "bestes Torwartalter" ersonnen hat. Dass einer in dieser Phase zum FC Bayern wechselt, ist verständlich.

Nur: Es gibt leider noch diesen Mann namens Manuel Neuer - und der befindet sich mit 29 auch im allerbesten Torwartalter. Dass Ulreich anstelle des Nationaltorwarts viele Spiele absolviert, ist so unwahrscheinlich wie Weißwurstknappheit am Viktualienmarkt. Warum tut sich ein ambitionierter Bällefänger das an? Die Bank? Die fehlenden Aussichten auf Einsätze?

Ulreich erklärt es mit einer weiteren Bravheit: "Ich wollte mit den Besten trainieren, auch mit Manu. Er hat das Torwartspiel in den letzten Jahren geprägt, von ihm kann ich viel lernen." Nach 17 Jahren Stuttgart freue er sich "auf eine neue Welt und das ganze Drumherum". Die Größe und die Aura des FC Bayern ist ein Grund, weshalb der 1,92-Meter-Mann sich die Ersatzrolle antut. Der andere ist die Vergangenheit in Stuttgart.

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