Bayern-Torjäger:Freiräume für Lewandowski auch in Käfighaltung

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Robert Lewandowski (rechts), hier bedrängt vom Arsenal-Verteidiger Mathieu Debuchy. (Foto: AFP)
  • Robert Lewandowski erzielt gegen den FC Arsenal das wichtige Tor zum 1:0.
  • Der Bayern-Stürmer lebt nicht mehr allein von seiner Dynamik - das macht ihn noch gefährlicher.
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Von Claudio Catuogno, München

Wenn man nach einer Szene sucht, die typisch ist für Robert Lewandowski, den Stürmer, dann ist es zum Beispiel der Lauf quer über den Platz in der 13. Minute. 50 Meter weiter hinten führt der Kollege Thiago den Ball am Fuß, schaut, wartet, schaut, wartet, und Lewandowski läuft derweil einfach mal los, volles Tempo. Er hat einen freien Raum entdeckt, in den stößt er nun hinein. Das Problem ist bloß: Thiago hat Lewandowski nicht entdeckt. Die Szene bringt am Ende nichts ein, wie es in der Fußballersprache so schön heißt. Aber sie ist eben typisch für Lewandowski, den Stürmer, der von seiner Geschwindigkeit lebt - schon immer.

Einigermaßen neu ist hingegen: Robert Lewandowski, 27, ist auf Geschwindigkeit jetzt nicht mehr angewiesen.

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Der polnische Nationalspieler Lewandowski, so hieß es noch vor einem Jahr, der braucht für sein Spiel halt die Dynamik. Der ist deshalb wie gemacht für den Konter- und Überfallfußball des Trainers Jürgen Klopp, dem er bei Borussia Dortmund vier Jahre lang gedient hatte. Die Bayern hingegen spielen ihren Favoritenfußball ja völlig anders: zirkeln den Ball in Passstafetten Richtung Tor. Schnüren den Gegner ein im eigenen Strafraum.

Und Lewandowski? Klar, der hat auch in diesem System von Anfang an seine Tore gemacht. Aber es gab auch Phasen, da hat man ihn von der Tribüne aus fast bemitleidet wie einst Mario Gomez in dessen schlimmsten Pech-und-Pannen-Phasen. Weil ihm, wie es in der Fußballersprache ebenfalls sehr schön heißt, die Bindung fehlte. Vorbei!

Nun sieht es so aus, als habe sich dieser Robert Lewandowski einerseits die Vorzüge der Freilandhaltung bewahrt - sich aber andererseits auch ganz an die Käfighaltung angepasst, die in München sein Schicksal ist. "Zehn Mann in der Box" - so hat der Trainer Pep Guardiola am Tag vor dem Spiel gegen den FC Arsenal die Taktik fast aller Bayern-Gegner beschrieben. Fast alle Gegenspieler im eigenen Käfig. Kaum Platz. Überall Abwehrspielerbeine im Weg. Und mittendrin Robert Lewandowski. Ein Stürmerleben auf engstem Raum.

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Dass Robert Lewandowski sich inzwischen trotzdem so richtig wohl fühlt, bei den Bayern und im Spiel der Bayern, ist ihm regelrecht anzusehen. Wer sich lieber an die Fakten hält, kann statt in sein Gesicht natürlich auch in seine Statistik schauen. 13 Tore in der Liga (darunter jene rekordträchtigen fünf innerhalb von neun Minuten gegen den VfL Wolfsburg), eins im DFB-Pokal, und nun auch schon vier in der Champions-League-Gruppenphase.

Das wichtige 1:0 erzielt er per Kopf - und im Fallen

Und deshalb ist jetzt auch diese 10. Minute gegen Arsenal typisch für Robert Lewandowski. Kingsley Coman passt zurück zu Thiago, der hat an der Strafraumgrenze Platz und Zeit für eine Flanke ins Zentrum, wo Arsenals Gabriel Paulista das Abseits aufhebt. Lewandowski trifft artistisch zum 1:0. Per Kopf. Im Rückwärtsfallen. Es ist das Tor, das die Tür aufstößt zum Achtelfinale.

Er hatte ein paar solcher Szenen, Schüsse aus der Nahdistanz, Kopfballversuche auf engstem Raum. Es sprang für ihn zwar nur dieses eine Tor heraus diesmal, aber stets war es gefährlich. Und so fügt sich in seinem zweiten Münchner Jahr nun alles zusammen: Lewandowski, der Stürmer, profitiert neuerdings von den scharfen Zuspielen der neuen Flügelzange Costa/ Coman, und er profitiert davon, dass er selbst sein Repertoire erweitert hat. In der 71. Minute, beim Stand von 4:1, wurde er ausgewechselt. Das ist inzwischen völlig untypisch.

© SZ vom 05.11.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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