Bayern-Sieg in Paderborn Gekommen, um Tore zu schießen

Dankeschön, alles wieder gut: Robert Lewandowski traf gegen Paderborn zwei Mal.

(Foto: AFP)
  • Der FC Bayern legt den nächsten lockerleichten Bundesliga-Sieg hin - gegen Paderborn gewinnen die Münchner 6:0.
  • In der ersten Hälfte trifft Lewandowski doppelt, danach jubeln auch Robben (zweimal), Ribéry und Weiser.
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Von Jonas Beckenkamp

Wenn Josep Guardiola i Sala eines Tages seine Memoiren zwischen zwei Buchdeckel zwängt, kann er der Welt von interessanten Dingen berichten. Wie er den großen Lionel Messi trainierte. Oder den großen Arjen Robben. Wie er in München eine Lederhose trug und eine Weißwurst verspeiste. Und er kann davon erzählen, wie er einmal in Paderborn war.

Der Bayern-Coach ist ein weitgereister Mann, er kommt viel rum. Für ein Sabbatical verschlug es ihn nach Manhattan, er verdiente sich ein wenig was dazu in Katar - im vergangenen Herbst traf er im Vatikan sogar den Papst. Und jetzt erlebte der 44-Jährige eben auch das: einen vergnüglichen Nachmittag in Paderborn, der mit einem 6:0 (2:0) des deutschen Meisters und ohne jegliche Komplikationen endete.

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Richtigen Guardiola-Fußball mussten die Bayern gegen den biederen Aufsteiger nur phasenweise zeigen, es reichte eine Mischung aus Passspiel, Pressing und purer Präzision: Zwei Treffer erzielte Angreifer Robert Lewandowski (24. und 37. Minute.), zwei weitere Arjen Robben (63., 86.), auch Franck Ribéry (72.) und Mitchell Weiser (78.) durften sich in die Torschützenliste eintragen - es war ein Tag der Leichtigkeit. Es war eigentlich wie immer. "Wir haben heute viele Tore geschossen, deshalb sind wir sehr zufrieden", sagte Lewandowski, "ich hätte gerne noch mehr erzielt, aber es ist auch so alles gut bei uns." Bei den Westfalen überraschte Trainer Andre Breitenreiter mit einer Aussage voller Anerkennung für den Gegner: "Wir haben gegen die weltbeste Mannschaft mit dem weltbesten Trainer gespielt. Vielen Dank für das Erlebnis."

Zu den interessanten Dingen des allerersten Bundesliga-Auftritts der Bayern in Paderborn gehörte vor dem Anpfiff auch die Personalie Bastian Schweinsteiger. Ihm verordnete Guardiola nach einer deutlichen Formdelle gegen Donezk den Anpfiff im Trainingsanzug. Der Kapitän nahm warm bemützt auf der Bank Platz - und konnte dort mit Mario Götze plaudern, der die Rückrunde bisher (das HSV-Spiel ausgenommen) mit schöpferischer Sparsamkeit verbringt. In der Offensive eröffnete sich dadurch eine Planstelle für Lewandowski, dessen Laune zuletzt ebenfalls etwas sparsam ausgefallen war.

Gründe zur allgemeinen Stimmungserhellung gab es auf dem Platz zunächst nicht. Das lag zum einen am grimmigen Catenaccio ostwestfälischer Prägung bei der Heimmannschaft - zum anderen an einfallslosen Münchnern. Fußball spielte eigentlich nur Xabi Alonso, der fast jeden Ball mit seinen Magnetbeinen an sich saugte und die Kugel geduldig verteilte. Als er Spanier ausnahmsweise einmal David Alaba einen Pass nach vorne spielen ließ, wurde es prompt gefährlich: Robben chippte mit einer hübschen No-Look-Nummer zum gestarteten Lewandowski und der Pole stand so allein, dass er nur noch seine Stürmerpflicht tun musste.

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Das 0:1 (24.) änderte aber wenig am Geschehen. Es blieb zunächst ein zäher bayerischer Würgegriff für Paderborn. Der Meister ließ das Leder kreiseln und den Gegner laufen, Alonso betrieb weiter seine Ballkontakt-Kollekte und in Ostwestfalen reifte die Erkenntnis, dass der SC wohl auf besondere Momente hoffen musste. Doch die ließen auf sich warten. In der 37. Minute rollte erneut ein Bayern-Angriff in die Paderborner Hälfte, Thomas Müller ließ einen Kullerball in Richtung Autobahnausfahrt Lippstadt los, dem einzig Ribéry hinterhersetzte.

Den punktgenauen Flachpass des Franzosen drückte wieder Lewandowski über die Linie. Der Pole wollte diesmal keinen weiteren Missmut aufkommen lassen - er war gekommen, um Tore zu schießen. Seine Mitspieler führten derweil seriösen Geduldsfußball auf, mehr war gegen die totale Passivität Paderborns auch nicht nötig. Als Robben nach einer weiteren Hereingabe von Ribéry zum 0:3 einschießen wollte, rauschte dem Niederländer plötzlich Florian Hartherz ins Gebein. Die rote Karte gegen den Linksverteidiger und der anschließende Elfmetertreffer Robbens (63.) besiegelte die Paderborner Chancenlosigkeit.

Pep Guardiola schaute sich den Rest dieses einseitigen Gekickes von der Seitenlinie an. Er konnte sich schon einmal Gedanken machen, was er sich zum Abendessen zubereiten könnte, und freute sich noch über drei weitere Tore: Nach einem misslungenen Klärungsversuch der Paderborner leitete Robben im Sechzehner zu Ribéry weiter - und der Franzose zimmerte den Ball flach zum 0:4 ins Gehäuse (72.). Danach feierte Mitchell Weiser eine Premiere: Nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung lupfte der Nachwuchsmann den Ball zum 0:5 ins Tor (78.) - es war sein erster Bundesligatreffer. Und schließlich lenkte Robben noch einmal eine Ribéry-Vorlage ins Netz (86.). 6:0, wieder einmal. In Guardiolas Memoiren wird dieses Spiel wohl trotzdem kein Seitenfüller.


Quelle: Opta Sportdaten

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