Bayern-Sieg im Elfmeterschießen Mit Geduld und Präzision

Neuer hält, der FC Bayern feiert: Weil Dante und Nordtveit vom Elfmeterpunkt scheitern und bei den Bayern alle Schützen treffen, ziehen die Münchner ins DFB-Pokal-Finale ein. In 120 Minuten bietet eine torlose Partie viel Kampf und viele Großchancen. Allein Arjen Robben hat Chancen für fast ein halbes Dutzend Treffer.

Der FC Bayern hat in den vergangenen Wochen gelernt, dass die Welt doch nicht so vielschichtig und undurchschaubar ist, wie immer behauptet wird. Das begann damit, dass man die Münchner Fußballer eindringlich darauf hingewiesen hatte, dass Basel nicht Hoffenheim sei - nachdem sie aber erst Hoffenheim 7:1 und dann Basel 7:0 abgefertigt hatten, fragten sie sich: Wo ist der Unterschied?

Viele Chancen, keine Treffer: Auch Mario Gomez kam in Gladbach nicht zum Tor-Erfolg

(Foto: dapd)

Dass Berlin nicht Basel ist (und schon gar nicht Hoffenheim), musste man ihnen dann gar nicht eigens erklären - als sie auch über die Berliner 6:0 hinweggerollt waren, stellten sie aber fest: Berlin bleibt Berlin, fühlt sich aber wie Basel an. Und wie Hoffenheim.

Natürlich konnte man diesen FC Bayern, der am Mittwoch zum DFB-Pokal-Halbfinale bei Borussia Mönchengladbach antrat, nicht ohne seine 20-Tore- Serie in Liga und Champions League begreifen. Der Rekordmeister hatte nach überwundener Krise quasi selbst das Muster geschaffen, das jetzt an ihn angelegt wurde. Andererseits hatten die Bayern da so eine böse Ahnung ("Mönchengladbach ist nicht Berlin"), die sich aus der Tatsache speiste, dass sie von zwei Saisonspielen gegen die Elf vom Niederrhein bisher zwei verloren hatten.

Vor dieser Ausgangslage entwickelte sich nun ein packendes Pokalspiel, eine "Partie auf Augenhöhe", wie Manager Christian Nerlinger feststellte. Nach 90 Minuten stand es 0:0 - wie das erste Halbfinale zwischen Fürth und Dortmund ging auch dieses in die Verlängerung; am Ende ins Elfmeterschießen.

Dort hatten die Bayern dann das glückliche Ende für sich: David Alaba, Franck Ribéry, Philipp Lahm und Toni Kroos verwandelten ihre Elfmeter präzise, bei Gladbach vergaben Dante und Havard Nordtveit. Beim Stand von 4:2 stürmten die Münchner jubelnd ihrem Torwart Manuel Neuer entgegen.

Zwei Dinge hatten die Bayern im Grunde nicht benötigt in ihren Sturm- und Drang-Wochen. Erstens: eine Abwehr. Und zweitens: Geduld. Dass diesmal beides von Nöten sein würde, machte die Partie schnell deutlich. Gleich ihr erster Konter führte die Gastgeber bis in den Münchner Strafraum hinein, Juan Arango schlug eine Flanke, Neuer brachte noch die Handschuhe an den Ball (4. Minute). Im Gegenzug schlenzte Toni Kroos die Kugel mit Effet um Borussen-Keeper Marc-André ter Stegen herum an den Innenpfosten; von dort sprang er zurück ins Feld (6.).

Es war der Auftakt zu einem intensiven Pokalabend mit offenem Ausgang. Wenn man so will, sind die Bayern nach ihrem Höhenflug wieder in der Fußball-Realität gelandet - in einer Welt, in der die Gegner 120 Minuten lang Gegenwehr leisten und nicht nur bis zum Bayern-1:0 in der 5. (Hoffenheim), 9. (Berlin) oder 10. (Basel) Minute.

Immerhin: Von jenen Selbstzweifeln, die sie seit Jahresbeginn durch die Auswärtsspiele begleitet hatten, war nichts mehr zu spüren. Diesmal war es tatsächlich der ebenbürtige Gegner, der den Bayern das Leben schwer machte: "Die standen gut in der Defensive und hatten eine große Ruhe am Ball", stellte Neuer fest. Die Bayern-Dribbler Arjen Robben und Franck Ribéry hatten dank konsequenter Belästigung nur einen Bruchteil jener Bewegungsfreiheit, die sie aus den letzten Partien kannten.

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