Bayern-Sieg gegen Hertha Bis die Berliner Mauer bröckelt

Schon wieder getroffen: Thomas Müller

(Foto: Bongarts/Getty Images)
Von Christopher Gerards

Es war kurz vor 16 Uhr am Samstag, als Pep Guardiola einen neuen offensiven Mittelfeldspieler erfand. Dieser neue offensive Mittelfeldspieler des FC Bayern trug orange Schuhe, er rannte in leere Räume, und ein Tor bereitete er auch vor. Der neue offensive Mittelfeldspieler verhielt sich also, wie seine Position es von ihm verlangt - nur eine Sache stimmte nicht: Der neue offensive Mittelfeldspieler ist eigentlich Innenverteidiger und hatte als dieser begonnen. Er hieß Javi Martinez.

Ist schon praktisch, Trainer des FC Bayern zu sein. Arjen Robben fällt verletzt aus, David Alaba fällt verletzt aus, Douglas Costa fällt verletzt aus - aber Pep Guardiola kann einfach einen Innenverteidiger ins Mittelfeldzentrum setzen. Und das funktioniert sogar, zumindest gegen Hertha BSC. Sechs Minuten, nachdem Guardiola Martinez vorgeschickt hatte, nickte Thomas Müller das 1:0 ein. 13 Minuten, nachdem Guardiola Martinez vorgeschickt hattte, traf Kingsley Coman zum 2:0-Endstand. Der Vorbereiter: Javi Martinez.

"Es wäre ein großer Witz würde ich erzählen, wir gehen da offensiv rein" - diesen Satz hat Pal Dardai, der Berliner Trainer, vor dem Spiel gesagt. Also stellte er seine Mannschaft mit präzise fünf Abwehrspielern auf, einer Taktik, die zuletzt Werder Bremen, der 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt angewandt hatten.

Eine gute halbe Stunde ging Dardais Plan auf, Hertha hielt Bayerns Angreifer meist vom eigenen Tor fern. In der 10. Minute bröckelte die Berliner Mauer erstmals: Philipp Lahm schickte Robert Lewandowski steil, der lupfte an Jarstein vorbei, traf aber nur den Pfosten. Guardiola hatte mit Lahm, Rafinha, Martinez, Jérôme Boateng und Mehdi Benatia zwar fünf erprobte Abwehrspieler aufgestellt. In Wahrheit bestand die Abwehr zunächst aber nur aus präzise zwei Spielern: Benatia und Martinez.

Boateng begann als Spielmacher, mal trieb er sich im offensiven Mittelfeld rum, mal auf dem rechten Flügel. Von dort flankte er in der 16. Minute auf Lewandowski, der köpfelte in Richtung des rechten Ecks - doch Torwart Jarstein konnte parieren. Ein Distanzschuss von Arturo Vidal, ein weiterer Kopfball von Lewandowski, mehr Gefahr für Herthas Tor war in der ersten halben Stunde nicht. Guardiola reagierte, Boateng rückte zurück, für ihn ging Martinez nach vorne - und hatte fortan in fast jedem Bayern-Angriff seine Füße im Spiel.

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Nur in der 34. Minute hielt er sich zurück. Xabi Alonso flankte eine Ecke in Berlins Strafraum, Mehdi Benatia köpfelte, und am langen Eck drückte Thomas Müller den Ball ins Tor - das 1:0. Bayern erhöhte den Rhythmus, doch nach einem Konter grätschte Vidal wenige Meter vor dem Tor am Ball vorbei (40.). Bayern belagerte Herthas Strafraum regelrecht, Lewandowski scheiterte an Jarstein, der genau Benatia abwehrte - doch noch blieb es beim 1:0. Dann kam Martinez, der einen langen Pass direkt auf Kingsley Coman weiterleitete. Der junge Franzose sprang frei vor Jarstein in den Pass - und traf zum 2:0.

Bayern schien sich mit dem Ergebnis angefreundet zu haben, nur in der 54. Minute tat sich geradezu Sensationelles: Robert Lewandowski, Schütze von 14 Saisontoren, stand frei vor Hertha-Torwart Jarstein, traf aber den Ball nicht. Die Vorlage kam übrigens mal wieder von: Javi Martinez.

Martínez gibt den Alleskönner

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Bayern ließ das Spiel ausklingen, was auch damit zu tun hatte, dass Pep Guadiola in der 66. Minute einen neuen alten Innenverteidiger erfand: Weil Boateng ausgewechselt wurde, rückte Martinez zurück in die Abwehr. Dort erlebte er beinahe noch den Anschlusstreffer der Hertha, Salomon Kalou schoss allerdings Zentimeter über das Tor.

Schon am Sonntag könnte der FC Bayern sogenannter Herbstmeister werden - sofern Borussia Dortmund nicht gegen den VfB Stuttgart gewinnt.


Quelle: Opta Sportdaten

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