Bayern schlägt Valencia 2:1:Schweinsteiger sorgt für die markante Pointe

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Zwei Distanzschüsse zum Sieg gegen Valencia: Bastian Schweinsteiger erzielt exakt vier Monate nach seinem Fehlversuch gegen Chelsea das erste Bayern-Tor der neuen Champions-League-Saison. Später trifft Toni Kross zum 2:0 und erspart den Münchnern eine unangenehme Schlussviertelstunde. Die schwachen Spanier schaffen erst in der Nachspielzeit den Anschluss.

Bastian Schweinsteiger lag wieder auf dem Münchner Rasen, ein paar Meter entfernt von der Stelle, mit der er vor exakt vier Monaten verwachsen zu sein schien vor lauter Trauer und Fassungslosigkeit. Genau genommen war es aber gar nicht mehr derselbe Rasen: Neue Saison, neues Gras, das ist beim solventen FC Bayern München natürlich eine Selbstverständlichkeit. So wie ja im Stadion auch nicht mehr derselbe berüchtigte Pfosten steht, die Tore hat der Klub ebenfalls austauschen lassen.

Bayern Munich's Bastian Schweinsteiger scores a goal against Valencia's goalkeeper Diego Alves during their Champions League Group F soccer match in Munich

Das Führungstor für den FC Bayern - Bastian Schweinsteiger trifft ins linke Eck.

(Foto: REUTERS)

Aber es war wieder der 19. Tag eines Monats, es war wieder Champions League - und deshalb war das jetzt durchaus eine kleine Pointe, auch Bastian Schweinsteiger schien das so zu sehen. Er lag auf dem Rasen und lachte.

In der vergangenen Spielzeit hatte Schweinsteiger als allerletzter Bayern-Spieler den Ball berührt, es war das Elfmeterschießen im berühmten "Finale dahoam" am 19. Mai 2012, Schweinsteiger trat den Ball bekanntlich gegen den Pfosten. Und nun, in der neuen Spielzeit der Königsklasse, schoss er ihn also als erster Bayern-Spieler ins Tor, zum 1:0 gegen den FC Valencia. Der Treffer in der 38. Minute blieb nicht der einzige des Abends, aber der markanteste: 2:1 (1:0) setzten sich die Münchner am Ende durch gegen den vermeintlich stärksten Gegner in der nicht besonders furchterregenden Gruppe F, die anderen sind Lille OSC und BATE Borissow.

"Ein Sieg gegen den ärgsten Konkurrenten", sagte der Kapitän Philipp Lahm, "das ist ein guter Start." Dazu so kleine Erfolgsgeschichten wie die von Schweinsteiger: Mehr kann man im einsetzenden Fußball-Herbst den großen Dramen kaum entgegensetzen, die sich ja traditionell im Frühsommer abspielen, wenn Entscheidungszeit ist, Titelzeit. Aber immerhin: Gemessen an den Befürchtungen, die sie bei den Bayern bezüglich der Langzeitfolgen dieses verschossenen Elfmeters gehegt hatten, wirkt dieser Schweinsteiger wieder erstaunlich fidel, was auch daran liegt, dass sie ihn behutsam wieder herangeführt haben an die körperlichen Belastungen des Fußballspiels.

Nun, im ersten Vorrundenspiel, bildete Schweinsteiger das erste Mal die Doppelsechs zusammen mit dem 40-Millionen-Einkauf Javier Martínez, der Spanier gab sein Startelf-Debüt für den Münchner Klub und fühlte sich dabei "wunderbar neben all diesen sehr guten Spielern". Schweinsteiger und Martínez, das ist Heynckes' Wunschbesetzung in der Mittelfeldzentrale, auch in dieser Hinsicht schloss sich also am Dienstagabend bei den Bayern ein Kreis.

Überraschungself mit Schwierigkeiten

Ansonsten verriet der Abend über die mutmaßliche Stammelf der Bayern indes vor allem folgendes: Es wird sie, anders als im letzten Jahr, nicht geben. Die Flügel-Promis Franck Ribéry und Arjen Robben, die am Samstag gegen Mainz noch pausiert hatten, besetzten gegen Valencia wieder die Außenbahnen, anstelle von Thomas Müller und Xherdan Shaqiri. Dass neben Müller auch der Stürmer Mario Mandzukic auf der Bank Platz nehmen musste, bedeutete: Heynckes verzichtete freiwillig auf seine zwei besten Torschützen der bisherigen Ligasaison.

Offenkundig hat Heynckes bereits begonnen, die kommenden englischen Wochen zu moderieren: Nach dem Ausflug am Samstag zum FC Schalke kommt ja schon nächsten Dienstag der VfL Wolfsburg in die Münchner Arena, Auswärtsspiele in Bremen und bei BATE Borissow in Weißrussland sowie das folgende Heimspiel gegen Hoffenheim komplettieren das Sieben-Spiele-in-drei-Wochen-Programm der Bayern. Die Qualität des Kaders verbreitern: Das war an der Säbener Straße die wichtigste Lehre aus der titellosen Vorsaison gewesen. Nun dürfte auch die Klub-Prominenz hin und wieder Schöpfungspausen erhalten - eine neue Erfahrung für den ein oder anderen.

Heynckes' Überraschungs-Elf tat sich zunächst ziemlich schwer: Die Spanier begannen mit ihrem Pressing bereits jenseits der Mittellinie, das versperrte die Passwege und zwang die Münchner zu abwartendem Ballgeschiebe. Wenn mal eines der Diagonal-Zuspiele sein Ziel erreichte, kombinierten sie sich jedoch sehenswert bis in Valencias Strafraum - zunächst ohne die ganz zwingenden Möglichkeiten. Drei Weitschüsse von Schweinsteiger, Kroos und Robben gaben dann das Motto des Abends vor, alle drei in der 19. Minute, alle pariert von Diego Alves. Auch ein weiterer Robben-Schuss (35.) flog zunächst vielversprechend in Richtung Tor, drehte dann jedoch abgefälscht in den Münchner Nachthimmel ab. Dann allerdings schloss Schweinsteiger nach rustikalem Ballgewinn einen Bayern-Konter ab - 1:0.

Versuche aus der Distanz blieben auch in der zweiten Hälfte das Mittel der Wahl: Erneut setzte Kroos einen gefährlichen Versuch ab, den Alves über die Latte lenkte (59.). In der 76. Minute schoss Kroos schließlich so platziert, dass der Ball zum 2:0 im Netz zappelte. Damit war das Kräfteverhältnis endgültig geklärt; der Anschlusstreffer von Nelson Valdez in der Nachspielzeit änderte daran nichts mehr.

Eine andere Frage, die noch hinüberlappte ins neue Jahr: Wer schießt denn jetzt die Elfmeter bei den Bayern? Auch darauf sollte der Abend - spät - eine Antwort bringen. Als Daniel Parejo in der 53. Minute Kroos von hinten in die Beine (53.) rutschte, hatte der Schiedsrichter das noch übersehen. Dann holte allerdings Robben doch noch einen Strafstoß raus, der eingewechselte Mandzukic trat an, unbelastet vom Trauma des 19. Mai - und vergab. Nun ja. Die ein oder andere Pointe haben sich die Bayern offenbar aufgehoben in diesem Jahr eins nach dem Finale dahoam.

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