bedeckt München

·:Bayern trommelt acht Mal

Bayern München - FC Schalke 04

Kam oft zum Jubeln zusammen: der FC Bayern um Serge Gnabry und Thomas Müller.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Die Münchner geben sich unersättlich und starten mit einem 8:0-Kantersieg gegen Schalke in die Saison. In der Schlussphase trifft sogar ein 17-Jähriger.

Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

Die neue Saison begann mit dem Zusammenspiel jener Protagonisten, die auch am Ende der vergangenen Spielzeit zusammen Musik gemacht haben. Es ist weniger als einen Monat her, dass der FC Bayern im Finale um die Champions League Paris Saint-Germain besiegte und Joshua Kimmich und Serge Gnabry den Gewinn des Triples feierten, indem sie mit einer Trommel und singend durchs leere Stadion in Lissabon zogen.

Am Freitag, als der FC Bayern am ersten Spieltag der 58. Bundesliga-Saison den FC Schalke 04 empfing, waren nun gerade mal vier Minuten gespielt, da hob Kimmich im Mittelfeld den Blick, er spielte einen hohen Pass hinter die Schalker Abwehrkette, Gnabry verarbeitete den Ball im Lauf, drehte sich, spielte Benjamin Stambouli aus und traf zum 1:0. Es war der Auftakt zu einem beeindruckenden 8:0 (3:0). Es geht also beim deutschen Meister offenbar weiter wie gehabt - nur dass jetzt noch jemand mitspielt, der so wirkt, als könnte er mit seinen Kollegen demnächst auch schon ein bisschen trommeln und singen: Leroy Sané, 24, gab sein Debüt im Münchner Trikot. Wie sehr er bereits ins Offensivspiel passte, das war eine der Geschichten des Abends.

Tatsächlich ist zum Saisonstart beim FC Bayern ja nicht nur von Euphorie nach dem Gewinn des Triples die Rede. Die Themen sind der öffentlich ausgetragenen Streit um die weiterhin ausstehende Vertragsverlängerung von Abwehrchef David Alaba, der gegen Schalke mit muskulären Problemen im linken Oberschenkel fehlte, oder der Abschied von Mittelfeldspieler Thiago zum FC Liverpool, der sich lange angedeutet hatte, aber Trainer Hansi Flick unter der Woche dennoch beschäftigte. "Wir verlieren noch mal einen Qualitätsspieler", sagte er. Und so lenkte er den Blick darauf, dass vor dieser Saison, in der es durch die Pandemie noch weniger Pausen als sonst geben wird, der Kader des FC Bayern noch kleiner als vorher ist.

Zwar soll Außenverteidiger Sergiño Dest vor einem Wechsel nach München stehen, laut Informationen der Bild soll sich der FC Bayern mit Ajax Amsterdam über einen Transfer einig sein, doch Flick wünscht sich noch ein paar Ergänzungen mehr - es verdichten sich gleichzeitig ja auch die Anzeichen für einen Weggang von Defensivspieler Javi Martinez zu Athletic Bilbao. Gegen Schalke füllten Chris Richards, 20, und Jamal Musiala, 17, sowie die beiden Torhüter Sven Ulreich und Alexander Nübel die Ersatzbank auf. Auf dem Platz machten sich mögliche Engpässe allerdings noch überhaupt gar nicht bemerkbar. Musiala erzielte gar das 8:0.

In der Startelf fehlte neben Alaba auch Alphonso Davies auf der linken Abwehrseite, für ihn spielte Lucas Hernández. Rechts verteidigte wieder der in Lissabon angeschlagene Benjamin Pavard, sodass Kimmich nach vorne auf die Sechserposition neben Leon Goretzka rückte. Der hatte unter der Woche angedeutet, dass sich in dieser voraussichtlich kraftraubenden Saison die Münchner Spielweise etwas ändern könnte: womöglich weniger Pressing, ein paar mehr Ruhephasen. Doch auch davon war noch nichts zu sehen.

Lewandowski bereitet das 6:0 per Rabona-Trick vor

Die Bayern rückten so weit nach vorn, dass Schalke zu Beginn tatsächlich ein paar Mal konterte und Torwart Manuel Neuer mitspielen musste. Vor allem dominierte der Rekordmeister aber derart, dass das 3:0 zur Pause die Überlegenheit noch längst nicht widerspiegelte. Goretzka erzielte nach Vorlage von Thomas Müller nach 19 Minuten das 2:0. Und als Robert Lewandowski nach einer halben Stunde per Elfmeter traf, hatte er schon ein paar Gelegenheiten vergeben, die ihm Sané aufgelegt hatte. Kurz vor der Pause traf gar Verteidiger Niklas Süle den Pfosten. Und Flick ärgerte sich über jede einzelne ausgelassene Chance.

In der zweiten Halbzeit war es dann vor allem Sané, der dafür sorgte, dass die Münchner weniger Gelegenheiten vergaben. Das 7:0 erzielte er selbst, zweimal legte er brillant für Gnabry auf. Und weil die Schalker ihre Gegenwehr in den Zweikämpfen immer mehr aufgaben, naiv verteidigten und große Räume ließen, sahen die Münchner Spielzüge in der letzten halben Stunde wie im Training aus; wie in einem Mannschaftstraining, das beim FC Bayern wohlgemerkt erst seit rund einer Woche wieder stattfindet. Das 6:0 durch Müller bereitete Lewandowski mit einem Rabona-Trick vor: Er schlug die Flanke hinter dem Standbein. Es war eine Demütigung der Gäste aus Gelsenkirchen.

Die Stimmung im Stadion war nicht so, wie die Bayern sie sich das gewünscht hatten, eigentlich hätten wieder ein paar Fans da sein sollen, wie es in anderen Bundesliga-Stadien an diesem Wochenende ist. Anstelle von 7500 Zuschauern waren in der Arena wegen steigender Corona-Infektionszahlen in München wie in den vergangenen Monaten keine Zuschauer erlaubt. So hörte man aber die berühmt gewordenen, lauten Anweisungen von Thomas Müller an seine Mitspieler, und auch seine Worte erzählten die Geschichte des Abends: Sein neuer Kollege Sané beteiligte sich bereits wie selbstverständlich am Verteidigen am gegnerischen Strafraum. "Bravo, Leroy", rief Müller.

© SZ
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