Bayern-Profis Dante und Gustavo:Untröstlich im Flieger nach Brasilien

Weil Brasiliens Verband auf die pünktliche Abstellung seiner Nationalspieler pocht, lässt der FC Bayern seine Defensivkräfte Dante und Gustavo trotz des anstehenden Pokalfinals zur Nationalelf ziehen. Die Münchner dachten, dass sich der DFB um sämtliche Regularien kümmert - offenbar ein Irrtum.

Von Andreas Burkert

Letzten Samstag ist Dante Bonfim Costa Santos nicht ansprechbar gewesen. Er lustwandelte durch die Gänge des Londoner Wembley-Stadions, auf der Schulter schaukelte ein kleiner Ghettoblaster. Der Recorder spielte rhythmische Klänge aus seiner brasilianischer Heimat, Dante sang sehr laut mit. So ging das die ganze Nacht, mit seiner angereisten Großfamilie prägte er bis zur Rückkehr des Tageslichts die Teamparty nach dem Champions-League-Triumph des FC Bayern.

Die Münchner Feierlichkeiten sollen ihren Höhepunkt aber erst am Sonntag erleben, nach der Rückkehr vom Berliner Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart. Dante indes, die ziemlich beliebte Stimmungskanone, die gleich in der ersten Saison zum Führungsspieler aufrückte, wird untröstlich sein. Denn er ist dann nicht dabei.

Ein wenig unter Schock standen die Bayern am Donnerstag, als Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem Training mitteilen musste, dass Dante, 29, und auch Landsmann Luiz Gustavo, 25, beim Finale am Samstagabend fehlen werden. Vielmehr reisten beide noch am Abend über Frankfurt nach Rio de Janeiro, womit sie einer ultimativen Aufforderung des brasilianischen Verbandes schweren Herzens Folge leisteten.

Am 15. Juni beginnt in Brasilien der Konföderationen-Pokal, die Generalprobe für die WM 2014, und gemäß den Statuten des Weltverbandes Fifa müssen die Spieler von ihren Klubs 14 Tage vorher abgestellt werden. Deadline: Samstag, 16 Uhr hiesiger Zeit. "Wir werden die Spieler freigeben", musste Rummenigge deshalb am Ende einer gescheiterten diplomatischen Mission mitteilen, "wir werden genötigt zu diesem Schritt." Er sprach, erstaunlich moderat, von "einem Planungsfehler des DFB", der Deutsche Fußball-Bund habe auch nicht rechtzeitig "ein Gentleman Agreement" mit den Brasilianern angestrebt.

Das Verhalten des brasilianischen Verbandes CBF, dessen Sportchef Carlos Alberto Parreira den beiden Spielern bei Nicht-Erscheinen mit dem Ausschluss aus dem Nationalkader gedroht hatte, nannte Rummenigge "unmenschlich, skrupellos und ein Stück unfair".

Seit zwei Wochen stand dieses Problem im Raum, "relativ kurzfristig", so Rummenigge, habe Brasilien für diesen Sonntag einen Test gegen England anberaumt und das Bayern-Duo angefordert. Ob neben dem DFB auch die Bayern fahrlässig gewesen seien, kommentierte er nicht; der Verein ist mit Ansetzung der Berliner Finalpartie für den 1. Juni wohl davon ausgegangen, dass der DFB sich um sämtliche Regularien gekümmert hat - offenbar ein böser Irrtum.

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