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Bayern-Profi Franck Ribéry:Schmerzende Pfiffe in der alten Heimat

Allein gegen ganz Marseille: Beim Sieg des FC Bayern bekommt Franck Ribéry den Zorn seiner Landsleute zu spüren. Mit dem Ergebnis, dass dem Franzosen kaum etwas gelingt. Der Zuspruch, den er daraufhin von den Bayern erfährt, dürfte ihn in seinen Plänen bestärken.

Frank Ribéry brauchte ein Weilchen, bis er die Katakomben des "Stade Vélodrome" endlich verließ. Der Mannschaftsbus war längst in Richtung Hotel abgefahren, während Ribéry und Mario Gomez, dessen Dopingkontrolle sich ungewöhnlich lange hinzog, noch im Stadion blieben.

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Ribéry gab Interview um Interview, beantwortete geduldig die Fragen der französischen Fernsehjournalisten. Als Ribéry und Gomez endlich mit dem Auto im Bayern-Hotel ankamen, hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge seine Bankettansprache bereits gehalten. Die Mannschaftskollegen saßen an den Tischen, manch einer war bereits fertig mit seiner mitternächtlichen Stärkung, als sich die Nachhut zu ihnen gesellte.

Dass Ribéry den französischen Sendern so viel Interview-Zeit einräumte und dafür sogar den Mannschaftsbus abfahren ließ, erstaunte ein wenig, schließlich waren es seine Landsleute (wenn auch die auf den Rängen), die ihm das Champions-League-Auswärtsspiel des FC Bayern bei Olympique Marseille zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließen. Unvergesslich nicht, weil Ribéry bei seiner Rückkehr nach Marseille so freundlich empfangen wurde, dass er nie wieder weg wollte. Sondern weil er ausgepfiffen wurde, bei jedem Ballkontakt.

Nach der Partie spielte der Franzose die Geschehnisse herunter. "Die Pfiffe sind mir egal, es war lustig", sagte Ribéry, der von 2005 bis 2007 in Marseille gespielt und nicht nur eine gute Zeit hatte, sondern den Klub mit der Ablösesumme von 25 Millionen Euro wohl auch halb sanierte. Wer Ribéry an diesem Mittwochabend jedoch spielen sah, der merkte schnell: Die Pfiffe waren ihm nicht egal. Sie schmerzten ihn, sogar ziemlich. Er war einmal der Liebling der hysterischen Fans gewesen - und nun das.

Seit Wochen ist Ribéry in der Bundesliga einer der stärksten Bayern-Akteure. Doch in Marseille gelangen ihm selbst die einfachsten Übungen nicht. In der Anfangsphase lief er sich an jedem französischen Bein fest, das sich auch nur halbherzig in seinen Laufweg streckte. Später brachte er selbst einfache Bälle nicht zu David Alaba, seinem Kompagnon auf der linken Seite. Einfach deshalb, weil Alaba nur drei oder vier Meter von ihm entfernt stand. Und die Franzosen? Sie johlten - und pfiffen weiter.

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