Champions League Der FC Bayern sucht sein Defensivverhalten

Niklas Süle (links) und Mats Hummels (rechts) - auf sie kommt es an in Liverpool. Ob Coman (Mitte) spielen kann, ist noch unklar.

(Foto: AFP)
  • Der FC Bayern geht mit einem komischen Gefühl in die Champions-League-Duelle mit dem FC Liverpool.
  • Vor allem die Defensive bereitet Sorgen.
  • Offensivspieler Kingsley Coman, der gegen Augsburg vom Platz humpelte, soll laut Verein mit nach Liverpool fliegen.
Von Sebastian Fischer, Augsburg

Thomas Müller war gleich am Tatort und sprach mit den Ärzten. Joshua Kimmich kam herangesprintet, legte dem Verletzten beide Hände auf die Knie, sagte ein paar Worte. Mats Hummels lief ein Schauer über den Rücken, wie er später bekannte. Es lief schon die Nachspielzeit am Freitagabend in Augsburg, als Kingsley Coman, zweimaliger Torschütze und Vorbereiter des Treffers zum 3:2, in einem Zweikampf mit Augsburgs Kevin Danso umknickte, liegen blieb, am Sprunggelenk behandelt wurde - und dann vom Platz humpelte. Man konnte sich die Gedanken der Fußballer des FC Bayern in diesem Moment gut vorstellen: Bloß nicht Coman! Nicht jener Spieler, der zuvor für die wenigen hoffnungsvollen Momente gesorgt hatte.

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Nun, Kingsley Coman, 22, den sie in München "King" nennen, fällt zumindest nicht definitiv verletzt aus - nachdem er erst im Dezember nach einem Syndesmosebandriss zurückgekehrt war (und für den Fall einer weiteren OP am Fuß bereits vom Karriereende gesprochen hatte). Coman sei "eine Option" für das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale beim FC Liverpool an diesem Dienstag, teilte der Klub am Samstag mit. Man wird sehen.

Was die anderen Optionen des deutschen Rekordmeisters beim Spiel an der Anfield Road sind, das hatte die Mannschaft in Augsburg eher nicht gezeigt. Sie hatte vielmehr wieder jene für diese Saison so prägenden Probleme offenbart.

Da ist zunächst der durchaus vage Gesundheitszustand von Torwart Manuel Neuer, der nach einer Verletzung am rechten Daumen zwar erstmals nach zwei Wochen Pause wieder im Tor stand, aber kaum die Gelegenheit hatte, seine Genesung unter Beweis zu stellen. Beim 0:1 nach 13 Sekunden war er so chancenlos wie beim 1:2. Einen harmlosen Schuss in der zweiten Halbzeit baggerte er eher ungelenk mit den Unterarmen ins Toraus. "Was heißt Einschränkung jetzt?", fragte er, als er nach seinem Daumen gefragt wurde. Er spiele ja nicht mit einer Schiene.

Als problematischer erachteten alle Beteiligten jedoch das Defensivverhalten der Spieler vor Neuer. Beim 0:1 ließ Joshua Kimmich in seinem Rücken Augsburgs Philipp Max ungestört zur Grundlinie sprinten und das Gegentor vorbereiten, beim 1:2 erneut. Niklas Süle spielte Fehlpässe im Spielaufbau, im Mittelfeld fiel die defensive Sorglosigkeit von James Rodríguez auf, die sich schwer mit dem Offensivdrang von Leon Goretzka verträgt, der neben Thiago auf der Doppelsechs eigentlich der Defensivere sein soll. Die "Konterabsicherung" habe nicht gestimmt, sagte Süle.

Kovac beklagte, dass die Spieler bei gegnerischem Ballbesitz einfach nicht das tun, was er verlangt: Gegenspieler aufnehmen, mühsam und unspektakulär verteidigen. "Wenn wir anfangen, dort die Leute laufen zu lassen", sagte er über das Spiel in Liverpool, "werden wir uns jede Minute in einer brenzligen Situation befinden." In Liverpool heißen die Stürmer ja bekanntlich nicht Sergio Cordova, Dong-won Ji und Michael Gregoritsch. Sondern Mo Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino.

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Die Innenverteidigung wird Kovac kaum umstellen, obwohl das Duo Hummels und Jérôme Boateng im Schnitt am längsten ohne Gegentor bleibt, 172 Minuten. Für mehr Sicherheit könnte er Javi Martínez im Mittelfeld bringen. Doch noch entscheidender könnte sein, ob sich die Spieler mit dem Plan des Trainers identifizieren. Wer das Spiel in Augsburg sah, wer danach die Erklärungen hörte, der konnte daran durchaus leise Zweifel haben.