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Bayern München:Küchenchef Ribéry tanzt

Viel spricht dafür, dass Ribéry den Bayern erhalten bleibt - und damit das Problem. Der Franzose war schon vor dem Wechsel nach München ausdauernd in schlechter Laune.

Was darf's kosten, wie teuer ist er? Bleibt er? Geht er? Will er noch? Der Fragenkatalog um Franck Ribéry erreicht Versandhausstärke, und eines klingt aus den Misstönen der Dauerdebatte immer deutlicher heraus: Der FC Bayern hat es mit einer veritablen Diva samt höfischer Einflüsterer-Entourage zu tun. Daher können sie aus dem seltsamen Millionengeschacher mit Real Madrid leicht als Verlierer hervorgehen.

Spielt nicht nur mit dem Ball, sondern auch mit den Klubs: Franck Ribéry.

(Foto: Foto: AP)

Manager Uli Hoeneß hat seinen Topkicker jüngst mit einem Luxushotel auf der Schlossallee im Monopoly-Spiel verglichen, das rücke man ja nicht einfach heraus - es sei denn, jemand käme mit irrwitzig viel Geld. Einige Wochen sah es so aus, als wolle sich Real-Boss Perez als dieser Irrwitz entlarven, aber das trog. Reals Höchstgebot stagniert bei 55 Millionen Euro Ablöse, ein echtes Angebot gab es nie - und die Messlatte des Irrwitzes liegt ohnehin gut 30 Millionen höher.

Aber die Spanier müssen sich gar nicht mehr bewegen, ihr Publikum ist dank Kaka, Ronaldo und Benzema gesättigt. Mit Ausgaben von 215 Millionen liegt Perez bei den Fans über dem Plansoll, jetzt kann er vom Liegestuhl seiner Yacht aus zusehen, wie Trainer Pellegrini die teuren Einzelteile zu einem unschlagbaren Ganzen zusammenzuschrauben versucht. Und Ribéry? Na gut. Den holen sie halt 2010, das EU-Recht wird schon mal abgeklopft.

Giftige Interviews

Viel spricht dafür, dass Ribéry den Bayern erhalten bleibt - und damit das Problem. Der Franzose hält sich womöglich selbst bei schlechter Laune über die nächsten Monate, ausdauernd aus dem Schmollwinkel operiert hat er schon beim letzten Wechsel-Theater 2007, als er Marseille verlassen wollte. Giftig waren die Interviews, chronisch die Blessuren.

Diven sind schlecht fürs Geschäft. Schon lanciert das gewöhnliche Ballpersonal, Monsieur bleibe gern vorne stehen, wenn die anderen hinten arbeiten. Und Trainer van Gaal ist ein Freund fester Spielsysteme, den Konflikt mit namhaften Individuen scheut er nicht, das hat einst in Barcelona schon der große Rivaldo erfahren. Ribéry ist zwar ein wunderbarer Spaß-, aber kein System-Fußballer.

Addiert man den zickigen Hofstaat dazu, spricht wenig dafür, dass er van Gaals Traumbesetzung ist. In der Summe also nutzt das edelste Hotel auf der Schlossallee nichts, wenn der Küchenchef auf dem Tisch tanzt und die Kundschaft vergrätzt. Eher hilft das dem Kaufinteressenten, der den Erwerb listig aufgeschoben hat.

© SZ vom 13.07.2009/dop

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