BasketballAuf der Suche nach der Bayern-DNA

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Der zweite Ausrutscher: Nach der Niederlage bei Tel Aviv verloren die Bayern auch zu Hause gegen Fenerbahce Istanbul. Carsen Edwards war mit 26 Punkten erneut bester Werfer, dennoch tief frustriert.
Der zweite Ausrutscher: Nach der Niederlage bei Tel Aviv verloren die Bayern auch zu Hause gegen Fenerbahce Istanbul. Carsen Edwards war mit 26 Punkten erneut bester Werfer, dennoch tief frustriert. (Foto: Oryk Haist/Imago)

Der FC Bayern verliert gegen Fenerbahce Istanbul und rutscht auf den neunten Platz ab. Nun müssen die Münchner erst zu Hause Roter Stern Belgrad schlagen, um dann gegen den Verlierer der Partie Real Madrid gegen Paris um den Einzug ins Viertelfinale spielen zu können.

Von Ralf Tögel

Niels Giffey gab kurz vor Mitternacht noch einen Einblick in seine Gefühlswelt: „Es ist wirklich hart, das zu akzeptieren, ich habe keine Erklärung.“ Der Flügelspieler der Basketballer des FC Bayern suchte sichtlich nach Worten, um die 77:89-Niederlage gegen den Titelaspiranten Fenerbahçe Istanbul zu erklären, bei der sich die Münchner durch ein schwaches erstes Viertel früh entscheidend ins Hintertreffen gebracht hatten. Somit ging nach dem 90:93 gegen Maccabi Tel Aviv auch das letzte Hauptrundenspiel der Euroleague verloren, wodurch die der FC Bayern auf den neunten Platz abrutschte und nun über die Playins versuchen muss, doch noch das Viertelfinale zu erreichen. Die Teams auf den Plätzen sieben bis zehn spielen um die letzten beiden Tickets für die Playoffs, immerhin haben die Münchner am Dienstag (20.30 Uhr) den Heimvorteil gegen den Zehntplatzierten Roter Stern Belgrad. Kleiner Hoffnungsschimmer: Den jüngsten Vergleich im März gewannen die Münchner im SAP Garden deutlich mit 100:82 Punkten.

Die Serben unterlagen in ihrem letzten Spiel beim Meisterschaftsanwärter Panathinaikos Athen erst knapp in der Verlängerung 104:111 und rutschten auf Rang zehn ab, weshalb die besser platzierten Münchner nun Gastgeber sind. Ein Sieg in dieser Partie ist Pflicht, um den entscheidenden Vergleich um das letzte Ticket für die K.-o.-Runde überhaupt zu erreichen: Gegner ist dann der Verlierer des Spiels zwischen Real Madrid und Paris, die Bayern müssen dann am Karfreitag in jedem Fall auswärts antreten.

Eine schwere, aber keine unlösbare, wie Giffey findet: „Wir haben schon gezeigt, dass wir es können. Wir haben auch hier im dritten und zu Beginn des vierten Viertels ein anderes Gesicht gezeigt. Wir haben eine energetische DNA im Team, die müssen wir wieder finden. Wenn wir das nicht abrufen, wird es schwer.“ In der Tat, in 13 ihrer 17 Heimspiele waren die Münchner mit ihrem Tempospiel und den sicheren Abschlüssen aus der Distanz erfolgreich, schlugen hochkarätige Konkurrenten wie Madrid, Piräus oder Barcelona. Doch gegen Fenerbahce ließen sie von Beginn an diese Tugenden vermissen, agierten eigenartig verhalten in der Abwehr, trafen kaum Würfe, machten viele leichte Fehler und kassierten schnelle Ballverluste.

Der 13:28-Rückstand nach dem ersten Viertel war letztlich nicht mehr aufzuholen

Nick Weiler-Babb, Andreas Obst, Shabazz Napier und selbst Kapitän Vladimir Lucic blieben weit hinter ihren Möglichkeiten, der türkische Meister bestrafte das mit kühler Klasse. Der 13:28-Rückstand nach dem ersten Viertel war letztlich nicht mehr aufzuholen, gegen einen Gegner, der erstklassig besetzt ist – und Spieler wie Wade Baldwin, der die Münchner 2021 erstmals ins Euroleague-Viertelfinale geführt hatte, von der Bank bringen kann. Um berechtigte Titelansprüche anzumelden, benötigt es auch einen Kader, der die Qualität besitzt, schwächere Auftritte von Leistungsträgern von der Bank zu kompensieren – die Münchner konnten das nicht.

„Heute haben wir uns als Team etwas aufgelöst“, sagt Trainer Herbert

Ein weiteres Merkmal der Bayern-DNA ist ihr Kampfgeist, die Mannschaft gibt nie auf: Und so schafften es die Münchner einmal mehr dank Carsen Edwards, der in der zweiten Halbzeit aufdrehte und mit 26 Punkten bester Schütze des Abends war, Fenerbahce noch in Bedrängnis zu bringen. Doch als Edwards, trotz zwischenzeitlich 24 Punkten Rückstand, im letzten Viertel einen Dreier zum 71:77 traf, konnte Istanbuls Coach Sarunas Jasikevicius eben die nötigen Alternativen von der Bank bringen.

Der tief enttäuschte FCB-Trainer Gordon Herbert sah in der verschlafenen Anfangsphase die Hauptursache für die Niederlage: „Du kannst ein schlechtes offensives Spiel haben, aber es gibt keine Entschuldigung dafür, nicht kämpferisch rauszukommen, hart und intensiv zu spielen. Wir müssen dagegenhalten und nicht soft spielen, sondern hart. Und wir müssen ein Team sein. Heute haben wir uns als Team etwas aufgelöst, die Körpersprache hat mir manchmal nicht gefallen. Das muss sich wieder ändern.“

Auch der Niederlage bei Maccabi Tel Aviv vor einer Woche trauerte Herbert nach, dort nämlich hatten die Münchner zwischenzeitlich mit 16 Punkten geführt und in den Schlusssekunden noch verloren: „Wir haben uns mit den Siegen über Barca und Partizan in eine gute Position gebracht und gut gespielt. Das haben wir bei Maccabi weggegeben.“ Gegen einen Gegner, für den es um nichts mehr ging, in einer „toten Halle“, wie Giffey sagte, denn der israelische Meister spielt seine Heimpartien wegen des Nahostkrieges in Belgrad und ohne Zuschauer.

Was bleibt, ist der Blick nach vorn: „Wir haben uns ein tiefes Loch gegraben“, sagt Herbert, „und müssen aus dem ersten Viertel lernen. Wir müssen dagegenhalten und hart spielen. Wenn wir das annehmen, haben wir eine Chance.“

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