Bayern-Mainz Was tun mit dem Ball?

Deprimierte Mainzer nach der Niederlage gegen Hertha BSC am 2. März: In den vergangenen sechs Spielen hat der Klub fünfmal verloren.

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Sechs Spiele, fünf Niederlagen: Nach Ballgewinnen kommt die Mannschaft von Sandro Schwarz zu selten zu Torchancen.

Von Tobias Schächter, Mainz

Sandro Schwarz und Jürgen Klopp kennen sich seit gemeinsamen Zeiten als Zweitligaprofis beim FSV Mainz 05. Klopp war später dann Trainer der ersten Aufstiegsmannschaft der Nullfünfer 2004, Schwarz Spieler. Noch immer haben die beiden Kontakt, unter der Woche erst wieder, erzählte Schwarz. Einst hatte Klopp ihm bei einem Trainingsspiel Alt gegen Jung aus Frust mal eine Kopfnuss verpasst. Darüber können die beiden längst lachen. Und Schwarz, 40, steht mittlerweile ja im zweiten Jahr als Trainer der Mainzer in der Trainer-Ahnenreihe der Klubikone Klopp.

An diesem Sonntag treten die Rheinhessen beim FC Bayern an, die Klopp, 51, als Trainer des FC Liverpool am Mittwoch aus der Champions-League geworfen hat. Ein paar Emojis habe er mit "Kloppo" ausgetauscht, erzählt Schwarz. Mehr aber auch nicht, und, so stellt er klar: Er werde keine Schablone aus der erfolgreichen Liverpool-Taktik basteln und sich auch über die mentale Verfassung der Münchner nicht so viele Gedanken machen.

Die Mainzer haben gerade ja auch genug mit sich selbst zu tun nach fünf Niederlagen in den letzten sechs Spielen. Nicht immer war die Leistung schlecht dabei, zuletzt, bei der 0:1-Heimpleite gegen Gladbach, sogar lange ansprechend. Aber das Wort "harmlos" geriet in den letzten Wochen wohl zu dem am meisten verwendeten Wort für die Darbietungen in der Offensive. Die Durchschlagskraft im Angriff fehlt. Stürmer Jean-Philippe Mateta, mit sieben Treffern bester Schütze, fehlte zuletzt die Frische. Nach zuletzt drei Spielen als Ersatzspieler könnte der Franzose aufgrund seiner unberechenbaren Spielweise in München trotzdem wieder ein Kandidat für die Startelf sein.

Sportvorstand Schröder denkt schon an den Sommer - und will diesmal mehr Spieler halten

Mateta wurde nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet, es ist seine erste Saison in einer ersten Liga, da ist eine Leistungsdelle nicht ungewöhnlich. Aber Ersatz Anthony Ujah (zwei Saisontore) sowie die anderen Sturmkandidaten Robin Quaison (fünf Treffer) und Karim Onisiwo (vier) sind auch keine eiskalten Knipser. Mateta brauchte neun Versuche, bevor er jedes seiner sieben Tore bejubeln durfte. Bayern-Torjäger Robert Lewandowski genügten 5,5 Schüsse auf des Gegners Tor, bevor er wieder eines seiner 17 Saisontreffer erzielte. Aber es ist nicht nur die Abschlussschwäche, die den Mainzern derzeit zu schaffen macht. Sie bekommen zu einfach ihre Gegentore, häufig nach Standardsituationen, und sie wissen mit Ballgewinnen im Mittelfeld zu wenig anzufangen. Kapitän Stefan Bell, 27, fordert deshalb: "Wir müssen aus guten Balleroberungen mehr machen." Da hat der Routinier recht - zumal die Mainzer in München vermutlich nicht allzu viel Ballbesitz haben werden.

Einerseits vermitteln die Mainzer Verantwortlichen einen gelassenen Eindruck und verweisen darauf, dass die Mannschaft zum selben Zeitpunkt in der Vorrunde exakt dieselbe Punktezahl geholt hatte (neun). Andererseits wissen sie natürlich auch, dass mit 30 Punkten der Klassenerhalt alles andere als gesichert ist und die Mannschaften hinter Ihnen noch Punkte holen werden. Verliert die Elf die beiden kommenden Auswärtsspiele in München und in Bremen, könnte der Erfolgsdruck im folgenden Heimspiel gegen den SC Freiburg schon wieder groß sein. Trainer Schwarz gibt zu: "Zuletzt waren es ein paar Niederlagen zu viel - uns fehlen ein paar Unentschieden." Ruhe bewahren, rät Sportvorstand Rouven Schröder und verweist nach zwei harten Abstiegskämpfen in den letzten beiden Spielzeiten auf die positive Entwicklung. Elf Punkte Abstand auf den Relegationsplatz vor dem 26. Spieltag zu haben, sei ja auch nicht alltäglich für einen Klub wie Mainz 05.

Auf den Schlüsselpositionen sorgten die Mainzer für Kontinuität. Zunächst verlängerte Schröder seinen Vertrag und jüngst auch Trainer Schwarz, beide bis Mitte 2022. Um sportlich Stabilität zu sichern, will Mainz künftig weniger Profis in einer Transferperiode abgeben. "Unser Ziel ist es, nicht drei oder vier Spieler zu verlieren, sondern vielleicht nur einen", sagt Schröder. Neben Abdou Diallo (Dortmund) verkaufte Mainz letzten Sommer ja auch Suat Serdar (Schalke) und Yoshinori Muto (Newcastle). Ein bisschen mehr Kontinuität würde langfristig sicher auch der Mannschaft guttun - und kurzfristig möglichst bald auch mal wieder ein Erfolgserlebnis.