Bayern im Champions-League-Finale:Noch ein Spiel bis zum Triple

Bayern im Champions-League-Finale: Im Finale: Thomas Müller, Robert Lewandowski und Serge Gnabry (von links)

Im Finale: Thomas Müller, Robert Lewandowski und Serge Gnabry (von links)

(Foto: AP)

Der FC Bayern muss gegen Olympique Lyon einige Schrecksekunden überstehen, zieht die Partie dann aber an sich - und erreicht dank Serge Gnabry das Finale der Champions League.

Von Philipp Selldorf, Lissabon

Die Mannschaft des FC Bayern hat ihren Auftrag erfüllt und, wie allgemein erwartet, durch ein 3:0 gegen Olympique Lyon das Endspiel des Champions League-Turniers in Lissabon erreicht. So souverän und eindeutig, wie der Finalgegner Paris St. Germain am Vorabend RB Leipzig hinter sich ließ, haben sich die Münchner allerdings nicht durchsetzen können. Sie hatten mit dem sperrigen Gegner eine Menge Arbeit, erst das 1:0 durch den überragenden Nationalspieler Serge Gnabry erlöste sie von einigen Sorgen. Die Jubeltänze, mit denen die Pariser ihren Erfolg gefeiert hatten, wiederholten die Münchner nicht. Der Rasen im Sporting-Stadion José Alvalade war bald verlassen. Man hörte bis dahin ein paar schräge Töne von Radio (Thomas) Müller, ansonsten blieb es bei professionellen Gesten. Grund zur Freude hatten die Münchner aber allemal. Sie hatten nicht die Welt in Atem gehalten wie beim Kantersieg gegen Barcelona im Viertelfinale, aber sie brachten insgesamt eine stabile und effektive Leistung zustande. Einmal in Führung, ließen sie kaum noch Zweifel an ihrem Sieg.

"Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird", sagte Trainer Hansi Flick später bei Sky und räumte ein, dass sein Team die Anfangsphase "mit Glück überstanden" habe, "das muss man schon so sagen". Man habe sich anfangs "zu viele leichtfertige Ballverluste geleistet". Fest steht aber bereits jetzt: Ein Jahr nach Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool wird auf jeden Fall wieder ein deutscher Trainer den Henkelpott in Händen halten, Flick oder Thomas Tuchel, der deutsche Coach von PSG.

Was bereits beim Einspielen auffiel: Die Lyoner wurden beim Warmmachen von drei glatzköpfigen und zum Teil sehr o-beinigen Fitnesstrainern angespornt und machten dabei Krach wie Rugby-Krieger aus Samoa. Tod und Teufel schienen sie beschwören zu wollen. Die Bayern ließen den Ball kreiseln und es entspannt angehen. Die ersten Minuten gaben dem Verdacht recht, dass sich in die typische Selbstgewissheit eine Prise Sorglosigkeit gemischt hatte, spätestens Memphis Depays Solo nach Thiagos schlampigen Fehler im Mittelfeld deutete an, dass der Abend anders verlaufen könnte, als die Fachwelt, vor allem aber die Bayern selbst sich vorgestellt hatten. Die Folge: Reihum häuften sich die Missverständnisse und Fehlpässe.

Die Bayern schienen ins Grübeln zu geraten, sie fanden nicht die Verbindung zu ihrem üblichen Spiel. Es sah aus, als ob die gefürchteten Münchner Perfektionisten auf einmal fehlbar wären wie normale Menschen und ihnen die Fallhöhe der öffentlichen Erwartungen nach dem 8:2 gegen den FC Barcelona ein paar Schwindelgefühle bereitete. In der 11. Minute tat sich auf einmal die Chance zur Befreiung auf: Goretzka tauschte mit Lewandowski einen Doppelpass, stand frei vor dem Tor - und trat am Ball vorbei.

Immerhin die erste große Gelegenheit, doch von einer sogenannten Initialzündung konnte keine Rede sein. Kurz darauf musste Boateng einen hochexplosiven Lyoner Konter entschärfen, und dann sorgt Alphonso Davies in einer einzigen Szene gleich dreimal für Aufsehen: Erst ließ er Karl Toko Ekambi laufen, indem er falsch im Raum stand, dann holte er den Gegner heldenhaft ein und blockte dessen Schuss - um im nächsten Moment wieder ausgespielt zu werden. Statt zum 1:0 traf Ekambi nur den Pfosten, aber die Bayern wirkten jetzt ernsthaft irritiert: über diesen unverschämt renitenten Gegner und über ihre eigenen Unsicherheiten.

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