1:3-Niederlage gegen Leverkusen:Bayerns Schock nach der Pause

1:3-Niederlage gegen Leverkusen: Bedient: Niklas Süle und Sven Ulreich.

Bedient: Niklas Süle und Sven Ulreich.

(Foto: AP)
  • Der FC Bayern verliert überraschend mit 1:3 in Leverkusen. In der ersten Halbzeit zeigen die Münchner ein gutes Spiel.
  • Nach der Führung durch Goretzka dreht Bayer 04 die Partie. Bailey, Volland und Alario erzielen die Tore.
  • Der Rückstand auf den BVB beträgt nun sieben Punkte.

Von Milan Pavlovic, Leverkusen

Es war einer dieser Tage, an denen man glaubt, ununterbrochen in einer Ganzköperpfütze zu stehen, weil der Drisselregen quer in der Luft zu stehen scheint. Kalt war es obendrein - und spätestens nach dem Schlusspfiff ist es dem FC Bayern noch kälter geworden. Durch das 1:3 (1:0) verloren die Münchner nicht nur drei Punkte gegen Bayer Leverkusen, sondern sie ließen die Chance aus, Boden auf Borussia Dortmund gutzumachen. Schlimmer noch: Der neue Rückstand auf den Tabellenführer beträgt sieben Punkte.

"Das ist bitter", sagte Thomas Müller, "denn dieses Spiel mussten wir nicht verlieren. Aber durchs Reden kriegen wir eh keine Punkte. Deshalb ist es egal, was ich hier sage." Trainer Niko Kovac wurde analytischer: "Wir haben uns in der zweiten Halbzeit auf einen offenen Schlagabtausch eingelassen, der Leverkusen entgegen kommt." In der 41. Minute traf Leon Goretzka zur Führung, doch Leon Bailey mit einem direkten Freistoß (53.), Kevin Volland (63.) nach einem schönen Spielzug und der eingewechselte Lucas Alario (87.) machten die Tore für Leverkusen.

Leverkusen ging forsch ins Spiel. Schon in der ersten Minute war das Team von Trainer Peter Bosz gefährlich. Nach einem ungenügenden Klärungsversuch von Mats Hummels tauchte Kevin Volland in vielversprechender Position am Strafraumrand auf; sein Schuss ging an Hummels' ausgestreckten Arm, doch Schiedsrichter Tobias Stieler erkannte kein Vergehen und entschied auf Eckball - ein Verdikt, das auch anders herum hätte ausgesprochen werden können.

Die Leverkusener stürzten weiterhin bei jeder Gelegenheit wie eine Gruppe junger Hunnen auf ihre Gegner zu. Ihnen gelangen auch einige Ballgewinne, aber nie in jener Zone, in der es den Bayern hätte weh tun können. Eher schadeten diese sich selbst. Einmal landete ein schwacher Kopfball von Alaba zentral auf dem Fuß von Julian Brandt, doch dessen Volleyschuss landete weit neben dem Tor (12.).

Nach einer Viertelstunde hatten die Gäste rausgefunden, wie sie den Elan des Werksklubs stoppen konnten. Sie ließen den Gegner laufen - und starteten ihrerseits überfallartige Konter, am liebsten über den pfeilschnellen Kingsley Coman, der von James Rodríguez vorbildlich unterstützt wurde. So kamen auch die erste gefährlichen Szenen zustande. Der omnipräsente Leon Goretzka stoppte einen unentschlossenen Vortrag von Brandt, leitete damit einen Münchner Konter ein, bei dem Coman zunächst an Hradecky scheiterte, doch nur wenige Sekunden später fand eine softe Flanke von Thomas Müller frei am Fünfmeterraum den geschickt in die Gasse geeilten Goretzka, der per Kopfballaufsetzer zur Gästeführung abschloss.

Es waren harte Minuten für die so optimistisch ins Spiel gestarteten Bayer-Kicker. Kurz vor der Pause musste ihr Lenker Kai Havertz das Feld verlassen, Spätfolge eines fiesen, miesen taktischen Fouls von Joshua Kimmich. Leverkusen konnte von Glück sagen, dass es nur mit einem 0:1 in die Kabine ging, nach einem weiteren bestechenden Angriff - diesmal durch die Mitte über Goretzka und Coman - stand Robert Lewandowski (45.+2) höchstens einen Brustmuskel weit im Abseits, die kalibrierte Linie raubte den Gäste die Illusion, sich mit dem gerechten Lohn für eine überragende Halbzeit aufwärmen zu können. Dass die Gäste kurzfristig auch auf Manuel Neuer (Handverletzung) und Thiago (muskuläre Probleme) ersetzten mussten, war bis dahin überhaupt nicht aufgefallen.

Gerade als man sich in der 52. Minute vergewisserte, ob Bayer 04 wirklich noch keinen Schuss auf das gegnerische Tor abgegeben hatte - nein, hatte das Team noch nicht -, folgte quasi aus dem Nichts das 1:1. Einen Freistoß des seit gefühlt 1000 Minuten harmlosen Leon Bailey aus gut 25 Metern segelte an den ausgetreckten Händen von Ersatztorwart Sven Ulreich vorbei ins Netz (53.). Hätte Manuel Neuer den Ball gehalten? "Es ist die alte Leier", sagte Ulreich genervt, "der Ball geht in die Torwartecke - es war ein starker Schuss von Bailey, da hätte ich auch am Pfosten stehen können. Aber klar, wenn er reingeht, ist es immer ein bisschen blöd für den Torhüter."

Es folgte eine wilde Phase, in der die Leverkusener zum Teil Harakiri-Fußball spielten, die Bayern wütende Spitzen setzten, mit ihren vorzüglichen Konter-Ansätzen aber liederlich umgingen. Leverkusen bekam zwar den Einmann-Olympioniken Coman weiterhin nicht in den Griff, setzte dafür aber den perfekten Konter: Weiser spielte Bellarabi mit einem No-Look-Pass am rechten Strafraumeck in Szene, dessen Querpass den mitgelaufenen Volland fand, der mit einer Schussgrätsche das 2:1 erzielte (63.). Kovac rügte später das Abwehrverhalten in dieser Szene, ohne Kimmich, Alaba und Hummels namentlich zu erwähnen, die jeweils zu offensiv agiert hatten. "Das werde ich am Sonntag klar ansprechen, wir müssen kompakter spielen."

Nach der völlig unerwarteten Wende in diesem Spiel mussten sich die bis dahin coolen Münchner erst einmal sammeln. Das dauerte zehn Minuten. Dann wurde noch einmal das Tempo erhöht. Einen James-Kopfball nach Lewandowski-Flanke (74.) klärte Weiser kurz vor der Linie per Kopf; ein Lewandowski-Kopfball strich am Tor vorbei (76.). Leverkusen wirkte wie ein Boxer, der nicht mehr richtig aus der Ecke kommt. Aber die Münchner fanden die Lücken nicht mehr.

Und auf der anderen Seite folgte der zweite Auftritt der kalibrierten Linie (88.), der wieder gegen die Münchner verlief: Bellarabi hatte Brandt auf die Reise geschickt und dieser rechtzeitig auf Alario abgespielt, der zum 3:1 einschob. Eine Abseitsentscheidung wurde zu Recht überstimmt. Und auf der Anzeigetafel blitzte ein Ergebnis auf, das zur Halbzeit nicht denkbar war.

Der FC Bayern trifft kommende Woche zu Hause auf Schalke 04, Borussia Dortmund spielt gegen die TSG Hoffenheim. Leichter wird es für die Münchner definitiv nicht mit dem Titel.

© SZ.de/jbe
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