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Jahreshauptversammlung des FC Bayern:Lorbeeren für Kahn, Kritik für Salihamidzic

  • Die Jahreshauptversammlung des FC Bayern zeigt, dass es im Verein durchaus kritische Stimmen gibt.
  • Besonders Auftreten und Arbeit von Hasan Salihamidzic sind bei einigen Mitgliedern umstritten.
  • Dafür freut sich die Mehrheit auf den neuen Vorstand Oliver Kahn.

Es war fast ein Uhr in der Nacht, über dem Olympiapark lag ein nasser Nebel und die unerschütterlichsten Mitglieder des FC Bayern tranken ihr Freibier zur Musik einer ebenso unerschütterlichen Blaskapelle. Uli Hoeneß saß zu diesem Zeitpunkt im Pressesaal der Olympiahalle, der Coubertin-Saal heißt, nach dem Vater der modernen Olympischen Spiele.

Coubertin ist eine historische Figur des Sports, und eigentlich war das auch die Aufgabe dieses Abends - Uli Hoeneß auf seinem Weg in die Historie zu begleiten. Das gelang auch, ein wenig. Nur Minuten nach seinem Abschied als Bayern-Präsident wurde Hoeneß zum sechsten Ehrenpräsidenten des FC Bayern gewählt. Aber es war dann recht schnell klar, dass dieser Hoeneß noch nicht bereit ist, nur noch in Geschichtsbüchern vorzukommen.

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"Das war eine emotionale Sache", sagte er zum Abend, den er gerade erlebt hatte. "Ich war nicht ganz darauf vorbereitet, auf das Ausmaß an Empathie. An den Abend werde ich noch lange denken", resümierte der 67-Jährige. Doch dann kam das "Aber". "Bei den Wortmeldungen kam das Chaos, da muss man sich was einfallen lassen. Ich war kurz davor, auf die Bühne zu gehen."

Einmal in Fahrt machte Uli Hoeneß natürlich weiter. "Ich habe mich heute so sauwohl gefühlt - und dann fangen diese Wortmeldungen an", schimpfte er. 20 bis 30 "Krakeeler" würden die Veranstaltung beschädigen "unter dem Deckmantel der Demokratie und der freien Meinungsäußerung." Den Kritikern rief er zu: "Wenn es den Leuten partout nicht gefällt, dann können sie auch zu Hause bleiben. Es wird niemand gezwungen, Mitglied beim FC Bayern zu sein."

Was war passiert? Am Ende jeder Jahreshauptversammlung des FC Bayern gibt es für jedes Mitglied die Möglichkeit, ans Pult zu treten und vor der Halle zu sprechen. Die Hürden dafür sind gering, eine Anmeldung am Veranstaltungstag reicht. In der Vergangenheit waren das oft folkloristische Kuriositäten, wenn Kritik geäußert wurde, ging es meist um Trikotfarbe oder Mehrwegbecher. Aber spätestens seit dem vergangenen Jahr ist das anders. Da hielt das Mitglied Johannes Bachmayr eine sehr scharfe Rede Richtung Hoeneß ("Der Verein ist nicht Ihr Eigentum!") und bekam dafür viel Applaus aus der Halle. Hoeneß hat mehrfach gesagt, dass ihn das sehr getroffen habe.

Vielleicht lag es an Bachmayr (der diesmal übrigens nichts sagte), vielleicht lag es wirklich, wie der neue Präsident Herbert Hainer sagte, an der fortgeschrittenen Stunde, aber in diesem Jahr wurden die Reden zum ersten Mal auf drei Minuten begrenzt. Dennoch wurde wieder Kritik geäußert - und im Zentrum stand diesmal Hasan Salihamidzic.

Keine Personalie des FC Bayern scheint bei der Basis so kontrovers zu sein, wie die des jetzigen Sportdirektors und baldigen Sportvorstandes. Einige Mitglieder kritisierten sein Auftreten, seine Rhetorik und dass er öffentlich über (später geplatzte) Transfers wie den von Callum Hudson-Odoi spreche. "Ich weiß nicht, ob man dem Herrn Salihamidzic einen Gefallen tut, wenn man ihn jetzt schon zum Sportvorstand macht. Warum muss man ihn in TV-Shows verteidigen?", fragte etwa Markus Müller in Anspielung auf einen Anruf von Uli Hoeneß in der Talksendung "Doppelpass". Andere Mitglieder verteidigten Salihamidzic wiederum gegen die teils heftigen Einwände, sie komme ihnen überzogen vor.

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Auf der Jahreshauptversammlung gibt es erst viel Einigkeit bei der Verabschiedung von Uli Hoeneß. Dann kommen die Wortmeldungen der Mitglieder. Der Liveticker zum Nachlesen.   Aus der Olympiahalle von Martin Schneider

Auch Rummenigge tat das, der - im Gegensatz zu Hoeneß - bei den Wortmeldungen noch auf der Bühne saß, weil er ja weiter im Vorstand des FC Bayern sein wird. Schon während seiner Rede appellierte er an die Mitglieder. "Uns ist nicht verborgen geblieben, dass einzeln negativ über Hasan geschrieben wurde", sagte er als Reaktion auf die Schmähungen. "Aber er hat nur eins im Sinn: Wohl und Wehe des FC Bayern. Und wenn ich sehe, dass seine Rhetorik kritisiert wird, gebe ich zu bedenken: Deutsch ist nicht seine Muttersprache. Ich bitte Sie, geben Sie Hasan eine Chance. Er verdient sie."

Auch Rummenigge muss sich Kritik anhören

Rummenigge war übrigens der zweite Haupt-Adressat der Mitglieder-Kritik. Sein Umgang mit Niko Kovac empfanden offenbar viele Bayern-Anhänger als zu hart. Eine Frau empfahl Rummenigge gar eine "Lektion in Menschlichkeit". Als der Ex-Trainer in einem Film zu Hoeneß zu Wort kommt, klatschte die Halle spontan sehr laut. Bei den Fans geht Kovac also im Guten.

Die Skepsis der Anhänger gegenüber Salihamidzic fiel an diesem Abend aber auch deswegen besonders auf, weil der zweite neue Vorstand, Oliver Kahn, bei jeder Erwähnung frenetischst gefeiert wurde. Hoeneß konnte sich irgendwann den Spruch "da hast Du viel Arbeit, um diese Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen" nicht verkneifen. Kahn scheint als rot-weißer Titan bei den Fans den Kredit zu haben, den Salihamidzic immer noch nicht richtig hat. Auch Herbert Hainer, der neue Präsident, der bisher öffentlich nicht groß in Erscheinung trat, wurde von den Mitgliedern sehr freundlich empfangen. Hainer lieferte eine überzeugende Bewerbungsrede ab, bei offiziell über 6000 anwesenden Mitgliedern kassierte er bei seiner Wahl nur 79 Nein-Stimmen.

Vielleicht hat Hoeneß um den schweren Stand von Salihamidzic bei den Fans gewusst, vielleicht rief er deswegen im "Doppelpass" an und vielleicht hatte er einfach nicht den Gedanken gehabt, dass es bei einigen Mitgliedern eher nicht so gut ankommt, wenn man den künftigen Sportvorstand per Telefon in der ehemaligen Weißbierrunde verteidigen muss.

Offenbar haben mehrere Bayern-Fans den Eindruck, dass man das bei einem Oliver Kahn nicht tun müsste. Hoeneß, so viel war klar, ärgerte sich jedenfalls maßlos. Dass einige Mitglieder die Bühne auch nutzten, um den Verein zu einem offeneren Umgang mit Kritik aufzurufen, verfing bei ihm jedenfalls nicht. Hoeneß sagte zum Schluss, er habe sich in der Vergangenheit "präsidial" verhalten müssen und deswegen Rücksicht auf den FC Bayern genommen. Das sei jetzt ja nicht mehr der Fall - insofern wird Hoeneß wohl nicht leise in den Hintergrund treten.

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Der FC Bayern verabschiedet sich auf der Jahreshauptversammlung versöhnlich von seinem Präsidenten. Uli Hoeneß kämpft mit den Tränen - und teilt noch einmal Seitenhiebe aus, die sitzen.   Von Benedikt Warmbrunn