Bayern im Viertelfinale der Champions LeagueDas Glück nach elf Sekunden

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Roy Makaays Rekord-Tor gegen Real ebnet dem FC Bayern den Weg zum überlegenen 2:1-Sieg und ins Champions-League-Viertelfinale

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Nur elf Sekunden waren gespielt, und es breitete sich ein entspanntes, fast ungläubiges Lächeln im Gesicht von Ottmar Hitzfeld aus. Elf Sekunden gespielt, Pass Salihamidzic, Schuss Makaay, 1:0 - es war das schnellste Tor der Champions-League-Geschichte.

Der Mythos Bayern sei am Leben, hatte er vor dem Rückspiel des Champions-League-Achtelfinales gegen Real Madrid gesagt, aber dass der Mythos wieder ein so unbeschwertes Leben führen würde wie an diesem regnerischen Abend beim 2:1 (1:0)-Sieg gegen das große Real, hatte nicht einmal Hitzfeld erwartet.

Mit dem Tor von Roy Makaay war die 2:3-Niederlage im Hinspiel schon getilgt, dank der zwei Auswärtstore hätte das 1:0 schon gereicht. Nach Lúcios Kopfball zum 2:0 in der 66. Minute herzte Manager Uli Hoeneß seinen Trainer voller Leidenschaft.

So innig hielt Hoeneß den Trainer fest, dass man vermuten konnte, er wolle ihn auf immer halten in München - zumindest aber über das Saisonende hinaus. Ruud van Nistelrooys Foulelfmetertor in der 83. Minute zum 2:1 und ein wegen Handspiels aberkannter Treffer von Sergio Ramos in letzter Minute verliehen dem Spiel einen Hauch von Spannung, der den Sieg erst richtig groß macht.

Seit dem 1. Februar trainiert Ottmar Hitzfeld die Bayern wieder, nun hat er die erste Etappe seiner Arbeit erfolgreich hinter sich gebracht. Die Bayern sind unter die acht besten Teams Europas vorgerückt, in der Meisterschaft wieder auf Tuchfühlung zur Spitze, und sie können am Sonntag mit einem Sieg gegen Werder Bremen wieder in den Kampf um den Titel eingreifen. Kritisch anzumerken bei der stürmischen Vorstellung vom gestrigen Abend blieb lediglich, dass ein halbes Dutzend hochkarätiger Chancen ungenutzt blieb und die Innenverteidigung in drei, vier Szenen gegen Ende der ersten Halbzeit die üblichen Schwächen offenbarte. Aber ein "General'', wie Ottmar Hitzfeld genannt wird, lebt, neben seiner Kompetenz und Erfahrung, auch von der Fortüne. Und die hat Ottmar Hitzfeld allemal.

Der Fortüne zuzuschreiben war zweifellos auch der Gegner in dieser Runde: Real, großer Name, miserable Form in Verbindung mit Verletzungspech. Neben den am Knie verletzten Offensivkräften David Beckham und José Antonio Reyes musste Real auch Abwehrchef Fabio Cannavaro ersetzen. Der Italiener musste wegen einer Adduktorenzerrung passen.

Hitzfeld konnte seine Bestbesetzung aufbieten, Lúcio begann die Partie trotz eines geprellten Zehs und Hasan Salihamidzic trotz einer Innenbanddehnung im linken Knie; die sollten maßgeblich zum Sieg beitragen.

Das Stadion lärmte und vibrierte vor dem Anpfiff, 66000 Zuschauer schwenkten Fähnchen in den Bayern-Farben Rot und Weiß. Die Euphorie, die sich in den letzten Tagen rund um die Bayern aufgebaut hatte, schien sich zu verselbständigen. Real Madrid beugte sich dem Druck ausgerechnet in Person des erfahrenen Roberto Carlos.

Real hatte Anstoß, und der Brasilianer brachte einen Querpass nach einem Rückpass vom Mittelkreis auf dem regennassen Rasen nicht unter Kontrolle. Ein Anfängerfehler. Hasan Salihamidzic sprintete am rechten Flügel davon und passte in die Mitte zu Roy Makaay. Der Niederländer vollendete mit einem Innenrist-Schuss ins linke Eck.

Den verunsicherten Real-Profis wurde jede Ballannahme zum Abenteuer, nur mit Mühe vermieden sie den sofortigen Untergang. Erst nach zwanzig Minuten fand Real den Weg zum gegnerischen Strafraum und gab den Bayern damit doch nur Raum für Konter. Makaay schickte Lukas Podolski auf die Reise, Casillas hielt (21.), Mark van Bommel passte auf Makaay, wieder hielt Casillas im Duell Mann gegen Mann (23.).

Real wankte, und der üblichen provokativen Fouls von Mark van Bommel hätte es zu dem Zeitpunkt gar nicht bedurft. Der Niederländer kann aber offenbar nicht anders und beging also ein dummes Foul gegen Gago, wofür er in der 24. Minute zu Recht die gelbe Karte sah. Das sollte Folgen haben.

Real fand erst nach einer halben Stunde ins Spiel, als Real-Trainer Fabio Capello seinen drei Offensivkräften Raúl, Higuaín und van Nistelrooy in Guti eine vierte zur Seite stellte. Vom Platz musste Emerson, ausgerechnet der Brasilianer, Lieblingsschüler von Capello, der dem Real-Publikum nicht mehr zu vermitteln ist und deshalb nur noch auswärts spielen darf. Der Wechsel kam einem Mea Culpa Capellos gleich, aber immerhin belebte er das Spiel.

Nach einem trickreichen Doppelpass mit van Nistelrooy schoss Guti aus acht Metern knapp vorbei, wenig später kam van Nistelrooy frei vor Oliver Kahn zum Kopfball, und in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit traf Raúl mit einem Gewaltschuss das Außennetz. Die Bayern hätten allerdings nach 45 Minuten ein 2:0 verdient gehabt; die größte Chance vergab van Buyten mit einem Kopfball, den Casillas parierte.

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit versuchten es die Bayern mit der Überrumpelungstaktik, und beinahe hätten sie wieder Erfolg gehabt. 32 Sekunden waren gespielt, als van Bommel frei vor Casillas auftauchte, aber wieder rettete der reaktionsschnelle Real-Torwart. Lange mussten die Bayern aber nicht mehr warten auf das Tor, das ihnen Ruhe verschaffte.

Nach einer Ecke von Sagnol traf Lúcio per Kopf; sein Jubel war ein einziger Ausbruch von Adrenalin. Draußen rief Capello wenig überzeugend "Vamos!'', doch sein Team wäre wohl nicht mehr ins Spiel gekommen, wenn ihm nicht Lubos Michel einen Elfmeter geschenkt hätte. Lúcios Kontakt mit dem eingewechselten Robinho war nichts weiter als ein normaler Zweikampf. Wegen eines völlig unnötigen Gerangels vor der Ausführung von van Nistelrooys Schuss sahen van Bommel und Diarra die gelbrote Karte.

Es hätte noch schlimmer kommen können für die Bayern. Sergio Ramos traf in der letzten Minute vom Strafraum ins Tor, doch hatte er bei der Ballannahme den Ball, wohl eher unabsichtlich, kurz an die Hand bekommen. Das sieht nicht jeder Schiedsrichter. Die Partie hätte für die Bayern also auch noch in tiefer Depression enden können. Aber das hatten sie an diesem Abend nicht verdient.

© SZ vom 8.3.2007 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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