Hoeneß und Trainer Kovac Jede Menge dramaturgisches Potenzial

Man weiß es nicht, aber man wüsste es gerne: Ob Hoeneß solche Sätze auch auf der Ehrentribüne sagt, wenn er neben seinem allerbesten Freund und allerliebsten Gegner Kalle "Karl-Heinz" Rummenigge sitzt. Wie Waldorf & Statler in der Muppet-Show-Loge sitzen die beiden da und kommentieren das Geschehen auf der Bühne, und bestimmt bedauern es die Muppets-Macher längst, dass sie keine Mixed Zone in ihre Show reingebaut haben oder zumindest, dass Waldorf & Statler niemals Interviews geben. Was da an dramaturgischem Potenzial verschenkt wird! Potenzial, das die Uli & Kalle-Show seit Jahren verlässlich nutzt: So wuchtig die beiden gemeinsam gegen Feinde von draußen lästern, so wuchtig pflegen sie auf den Klubfluren mitunter ihre eigenen Sichtweisen.

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Es gebe für keinen eine Jobgarantie, hat Rummenigge kürzlich in Richtung des Trainers Kovac gesagt und sehr öffentlich wissen lassen, dass es ja erst aufwärtsgehe, seit das Rotationsprinzip par ordre Uli & Kalle abgeschafft wurde. Und nun also Hoeneß: Er finde, "dass wir seit Weihnachten fantastisch Fußball spielen, bis auf das Rückspiel gegen Liverpool bin ich mit der Mannschaft total zufrieden". Und wenn ein Trainer in seiner ersten Saison beim FC Bayern ins Pokalfinale einziehe und vier Spieltage vor Schluss Tabellenführer sei, "dann hat er gute Arbeit geleistet". Und im Falle eines Double-Gewinns würde er der Saison, trotz des Aus' gegen Liverpool, "eine Eins minus" geben. Bei Rummenigge klang das kürzlich eher nach Drei plus. Also: Drei plus mit Nachhilfe.

Niko Kovac ist der Trainer von Uli Hoeneß, er ist das allein schon deshalb, weil Hoeneß damals gar keine andere Wahl mehr hatte, als Kovac gut zu finden. Er hat so lange an einen Verbleib von Jupp Heynckes geglaubt, bis der schon fast im Auto in seine Heimat saß, andere bayerntaugliche Trainer gab der Markt in diesem Moment nicht mehr her. Schon aus sehr innenpolitischen Hoeneß-Gründen muss Hoeneß den Trainer also schützen. Rummenigge muss das nicht. Er nimmt sich offenbar das Recht heraus, auch mal ein bisschen zu sticheln.

Das Praktische am Fußball ist, dass er sich für fast jede Interpretation hergibt. So darf man dieses 3:2 in Bremen einerseits dem Trainer gutschreiben, der das Spiel straff durchgecoacht und es mit der Einwechslung von Goretzka (bereitete das 2:0 vor) für Gnabry positiv beeinflusst hat. Andererseits werden ihm die Kovac-Skeptiker in Klub und Umfeld wieder den Wechsel Rafinha für Müller vorhalten: in den Augen der Skeptiker ein bayern-unwürdiger Demutstausch, der in das Bild von Kovac als Underdog-Coach passt, der mittelgroße Mannschaften kompakt und konterstark ausrichten kann, aber - siehe Liverpool - keine übergeordnete Offensividee für große Mannschaften wie Bayern besitzt.

Kovac' Arbeitsplatz ist deutlich sicherer geworden durch das 3:2 in Bremen. Aber im Mai spielen die Bayern zweimal innerhalb von zwei Wochen gegen RB Leipzig, am 33. Bundesliga-Spieltag und im Pokalfinale, und man darf gespannt sein, was Uli Waldorf & Kalle Statler in ihrer Loge davon halten.

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