Bayern düpiert Hannover 96 Mit der Wucht eines Winterorkans

Joshua Kimmich (2.v.l) und Münchens Serge Gnabry (r) jubeln nach dem Treffer zum 0:1.

(Foto: dpa)
  • Der FC Bayern schlägt Hannover 96 mit 4:0 und gewinnt damit das dritte Bundesligaspiel in Serie.
  • Joshua Kimmich, David Alaba, Serge Gnabry und Robert Lewandowski schießen die Tore gegen überforderte Hannoveraner.
Von Martin Schneider

Spätestens in der 62. Minute wirkte Hannover 96 endgültig wie ein Mensch, der sich die Decke über den Kopf zieht und nur noch hofft, dass das alles irgendwie irgendwann vorbeigeht. Der FC Bayern München hatte zu diesem Zeitpunkt 24 Torschüsse auf das Tor von Michael Esser abgegeben, das ist ungefähr ein Schuss alle drei Minuten. Und die Torchancen, die Bayern ohne Torschuss verdaddelt hatte, die waren da noch gar nicht mitgezählt. In der 62. Minute jedenfalls rettete Joshua Kimmich einen Ball kurz vor der Torauslinie - die Abwehr von Hannover rechnete mit einem Eckball oder dachte bei minus einem Grad an eine Kuscheldecke, jedenfalls holte sich Kimmich den Ball noch, flankte und Robert Lewandowski köpfte das 4:0. Sein Gegenspieler Waldemar Anton blieb einfach stehen.

Das Gute daran, zumindest für Hannover: Es fiel kein Tor mehr, bis es nach 92 Minuten dann wirklich vorbei war. Der FC Bayern darf sich derweil - nach dem 3:0 gegen Nürnberg - über den zweiten deutlichen Bundesliga-Sieg nacheinander und über das schnellste, direkteste, souveränste und beste Ligaspiel seit der Niederlage gegen Dortmund freuen. Das lag zum einen am Gegner, der wie Nürnberg in der Vorwoche je nach Szene kleinere oder größere Zweifel an seiner Erstligatauglichkeit erahnen ließ, aber auch an der Aufstellung von Trainer Niko Kovac. Kingsley Coman rückte für den in Hannover geschonten Franck Ribéry (stand gar nicht im Kader) in die erste Elf, Thiago spielte wieder im Zentrum, Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger - und Mats Hummels durfte auch wieder ran.

Dabei sagte Hasan Salihamidzic noch vor diesem Spiel, in dem Kovac zum ersten Mal seit langem wieder rotierte, dass er das Wort "Rotation" nicht mehr hören wolle. Vor jedem Spiel führt der Sender Sky ein Interview mit einem Bayern-Verantwortlichen, und weil der Sportdirektor ja laut Führungsetage mehr sogenanntes Profil gewinnen soll, spricht nun eben öfter Hasan Salihamidzic. Die Sky-Moderatorin Esther Sedlaczek sprach ihn also darauf an, dass die Spieler Thiago, Coman und Hummels gegen Hannover wieder in die Startelf rotierten, nachdem der Trainer die Rotation eigentlich für beendet erklärt hatte. "Das hat mit Rotation nichts zu tun", sagte Salihamidzic. "Das hat mit der Belastung zu tun."

Das zeitweilige Wechsel-Ende hatte ja dafür gesorgt, dass vor allem Hummels dauerhaft auf der Bank saß. Das fiel so sehr auf, dass Sedlaczek Salihamidzic ebenfalls fragte, ob er ausschließen könne, dass der Nationalspieler in der Winterpause den Verein verlasse. Salihamidzic sagte: "Im Moment, ja."

Und damit zu diesem Spiel, das auch dank der Wechsel oder der Rotation - je nachdem wie man es nun nennen will - schon nach 62 Sekunden entschieden war. Einwurf David Alaba Richtung Torauslinie, Thomas Müller rettete den Ball mit einer Rückwärtsvorlage vor dem Aus, der Hannoveraner Felipe versuchte, den Ball zu klären, köpfte aber genau vor die Nase von Joshua Kimmich. Der spielte aufgrund der Rückkehr von Thiago auf die Sechserposition wieder den offensivsten Rechtsverteidiger der Welt und versenkte die Vorlage volley per Rechtsschuss im langen Eck.

"Sicherlich war die frühe Führung Glück für uns, aber insgesamt haben wir es sehr gut gemacht. Für diese Spielfreude hat meine Mannschaft ein ganz großes Lob verdient. Vielleicht war es mit die beste Leistung in dieser Saison", sagte Kovac nach dem Spiel.

Neben der zusätzlichen Offensiv-Power durch Kimmich beschleunigte sich das Spiel vor allem durch die Hereinnahme von Kingsley Coman. Serge Gnabry auf rechts und Coman auf links waren die beiden Trägerraketen der Bayern. Hannover hatte massive Probleme, dieses bajuwarische Jetpack in den Griff zu bekommen. Im Mittelfeld konnte der wiedergenese Thiago weitgehend unbehelligt von Gegenspielern das Spiel aufziehen und Kimmich powerte die Außenlinie auf und ab. Auf der linken Seite harmonierte Coman sehr gut mit David Alaba und so entstanden Angriffe wie in der zehnten Minute, als Robert Lewandowski eine Coman-Flanke mit der Hacke knapp über die Latte bugsierte. Oder zehn Minuten später, als Thomas Müller aus 14 Metern frei über das Tor schoss.

Bayern stürmte mit der Wucht eines Winterorkans auf das Tor von Hannover-Torwart Esser, irgendwann bekam es eine komische Note, dass die Münchner nur 1:0 führten. In der 27. Minute scheiterte Leon Goretzka noch mit einem Distanzschuss an Esser, eine Minute später spielten Gnabry und Robert Lewandowski die Abwehr auseinander, weil Gnabry den letzten Ball nicht genau genug spielte, verpuffte der Angriff. Wieder eine Minute später musste Esser einen guten Kopfball von Lewandowski entschärfen, und "erst" in der 29. Minute schlug es dann zum zweiten Mal ein.

Alaba lässt den Ball in den Winkel zischen

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Eine Kimmich-Ecke köpfte Hendrik Weydandt zu kurz raus, und von der Strafraumgrenze feuerte Alaba den Ball mit der Wucht eines frühzeitigen Silvesterknallers ins Netz. Esser hatte keine Chance. "Der is schö reigangen", wienerte Alaba direkt nach dem Spiel.

Kurz vor der 45. Minute eroberte Gnabry dann noch einen missglückten Querpass vor Hannovers Abwehr. Er legte zu Lewandowski, der den Ball nur zu Müller weitspielen musste, dann hätte der einschieben können. Stattdessen verlor sich der Angreifer in einem Dribbling und vergab die Chance. Zur Halbzeit hatte Bayern 75 Prozent Ballbesitz und 17:2-Torschüsse, die drei Zahlen fassten das Spiel bis dahin ganz gut zusammen. Das Team von Niko Kovac hätte viel höher führen müssen.

Den kleinen Makel korrigierte dann Gnabry in der 53. Minute. Nach einem Außenristpass von Thiago auf Kimmich, ließ sich der Torschütze clever an die Strafraumgrenze zurückfallen. Kimmich sah das, spielte zum Nationalspieler zurück, und der dribbelte mit Anlauf, blieb noch kurz an Kevin Wimmer hängen, schoss aber trotzdem zum 3:0 ein. Man urteilt nicht zu hart, wenn man Hannovers Abwehr in dieser Szene eine gewisse Passivität attestiert. Kurz darauf verpasste Thomas Müller per Kopf (57.) und per Fuß (59.) das 4:0, ehe es Lewandwoski dann in der 62. Minute (per Kopf) erzielte.

Am kommenden Mittwoch spielt der FC Bayern dann in der heimischen Arena gegen RB Leipzig. Leipzig zeichnet sich dadurch aus, dass das Team gerade noch die beste Abwehr der Liga stellt. Wenn die Münchner dann den dritten Kantersieg in Serie holen, dann sind sie wirklich durch die Krise durch.

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