Bayern schlägt Villarreal:Dominant durch die Hammergruppe

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Keine Schwierigkeiten an einem kalten Abend: Mit einem souveränen 3:1-Sieg sichert sich der FC Bayern im Duell mit Villarreal den Einzug ins Achtelfinale. Gegen die überforderten Spanier glänzen vor allem Toni Kroos und Franck Ribéry - im letzten Spiel bei Manchester City kann das Team von Jupp Heynckes nun üben, seine Defensivfehler abzustellen.

Es war fürs Münchner Publikum ein recht erwärmendes Spiel, das sich an diesem kalten und von Nebelschwaden durchzogenen Novemberabend in der Arena zutrug. Der FC Bayern München durfte gegen den FC Villarreal spielen, dessen ersatzgeschwächte Mannschaft noch weitaus mangelhafter auftrat, als man es ohnehin erwartet hatte. Das Ganze nannte sich Champions League, die Münchner hatten rund 120 Prozent Ballbesitz und tricksten teilweise herum wie in einem Testspiel gegen einen Amateurverein.

Toni Kroos durfte im Mittelfeld viele seiner gefährlichen Pässe spielen - hier hängt er Angel Lopez ab. (Foto: REUTERS)

Kurioserweise war es für die Schaulustigen trotzdem ein bisschen spannend, jedenfalls dauerte es bis weit in die zweite Halbzeit hinein, ehe sich die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes ihres hochverdienten Sieges sicher fühlen konnte. Am Ende gewann sie 3:1 - und dank der gleichzeitigen 1:2-Niederlage von Manchester City beim SSC Neapel steht sie bereits als Gruppensieger fest.

"Darauf sind wir sehr glücklich und stolz", teilte Stürmer Mario Gomez mit, "vorher hat jeder gesagt, das ist eine Mördergruppe." Nun, Villarreal hatte nicht zu den mordlustigen Teilnehmern gezählt, aber Gomez war in bester Laune und lobte noch "einen überragenden Franck Ribéry".

Für eine Überraschung hatte Heynckes bei seiner Aufstellung gesorgt. Wie angekündigt erhielt Arjen Robben auf der rechten Seite erneut Gelegenheit, nach seiner siebenwöchigen Verletzungspause Spielpraxis zu sammeln - doch die personelle Folge dieses Einsatzes fiel anders aus als erwartet: Heynckes beorderte Toni Kroos, zuletzt gegen Dortmund defensiver, zurück auf die zentrale offensive Mittelfeldposition und verordnete Thomas Müller eine Verschnaufpause. Im defensiven Mittelfeld spielten also David Alaba und der international nicht gesperrte Anatoli Timoschtschuk.

Schon in der dritten Minute hatte der neue, alte Zehner Kroos seinen ersten Auftritt. Er kam nach einem groben Fehlpass von Innenverteidiger Carlos Marchena an den Ball und setzte Franck Ribéry in Szene, der Torwart Diego Lopez souverän mit einem Lupfer überwand. Und die Bayern drängten sofort auf einen weiteren Treffer. Timoschtschuk traf nach einem Freistoß von Kroos das Außennetz (7.), Robben entwischte Joan Oriol und scheiterte an Diego Lopez (8.).

Vor dem Spiel hatten die Bayern ja nichts davon hören wollen, dass es sich bei Villarreal wohl um einen so genannten Aufbaugegner handele; nun schienen sie selbst überrascht zu sein, wie extrem einfach alles ging. Die Gäste, die in den ersten drei Gruppenspielen noch keinen einzigen Zähler und ein Törchen verbucht hatten, waren äußerst defensiv eingestellt - und boten dennoch immer wieder Raum für Kombinationen.

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Zudem leisteten sie sich Abspielfehler, die nicht nur in der Champions League selten zu sehen sind. Wie es in derartig einseitigen Fußballspielen immer mal wieder vorkommt, hätten die Münchner um ein Haar trotz allem ein Gegentor hinnehmen müssen. Beim allerersten Angriff der Spanier unterlief Philipp Lahm im Strafraum ein Handspiel (20.); Schiedsrichter Markus Strömbergsson (Schweden) entschied jedoch nicht auf Elfmeter.

Doch kurz darauf beseitigten die Bayern erste Zweifel, dass ihnen in diesem klar dominierten Spiel noch etwas Blödes passieren könnte. Timoschtschuks satter Distanzschuss traf den Pfosten, Mario Gomez beförderte den Ball dann ins Tor (23.). Kurz vor dem Seitenwechsel durfte sich Manuel Neuer endlich einmal zeigen, er lenkte einen Distanzschuss von Borja Valero über die Querlatte. In der Halbzeitpause mochte sogar FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger keinerlei Zweifel am Erfolg mehr zeigen; "einige deutliche Schwächen" attestierte er dem Gegner, was noch relativ freundlich formuliert war.

Und dann passierte den Bayern fünf Minuten nach der Pause doch etwas Blödes: Nach einem Fehlpass von Kroos steuerte Oriol zielstrebig nach vorne und flankte, Jonathan de Guzman traf volley zum Anschlusstreffer. Weiterhin dominierten die Münchner deutlich, sie drängten nun aufs dritte Tor, aber klare Chancen blieben aus, und Heynckes zeigte an der Seitenlinie plötzlich Nervosität.

Ehe seiner Mannschaft aber zum dritten Mal etwas Blödes passieren konnte, bewies Kroos erneut, dass es eine gute Idee war, ihm die Rolle als Spielmacher zu übertragen. Nach seinem präzisen Diagonalpass musste Ribéry nur noch den Torhüter umkurven zum 3:1 (69.).

Dann kam Müller, nicht etwa für Kroos, sondern als Mittelstürmer für Gomez (72.). Angesichts der großartigen Angriffsbesetzung ist es nach Robbens Rückkehr umso wertvoller, dass Müller für alle Offensivpositionen in Frage kommt. Am Ende war es für den FCB einfach ein perfekter Abend.

© SZ vom 23.11.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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