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Bayern gegen Dortmund im Netz:Cristiano Ronaldo hat 100 Millionen Facebook-Fans

Das hat auch Borussia Dortmund erkannt, wo David Görges die Abteilung Neue Medien leitet. Ähnlich wie bei den Bayern kommen rund 80 Prozent der Fans aus dem Ausland, die wichtigsten Kanäle sind Facebook und Twitter: "Auf Facebook erreichen wir die Masse, der Ton ist daher plakativer. Auf Twitter sind viele Meinungsführer aktiv, etwa Blogger und Journalisten. Da kann man kreativer sein; hier funktionieren auch ironische Postings, die wir auf Facebook in der Form nicht spielen würden."

Der Name Social Media kommt nicht von ungefähr: Hier verbreiten die Vereine nicht nur ihre Inhalte in aller Welt, hier können auch die Fans Kontakt aufnehmen. "Fußball ist ein emotionaler Sport, und entsprechend emotional fallen auch manche Kommentare aus", sagt Stefan Mennerich vom FC Bayern. Bei zehntausenden Wortmeldungen täglich sei es unmöglich, auf alle zu reagieren. "Allerdings lesen wir jeden einzelnen Kommentar und moderieren die Diskussion. Beleidigungen und Beschimpfungen werden gelöscht, und wenn wir merken, dass eine Frage von vielen Fans gestellt wird, bemühen wir uns, darauf gesammelt zu antworten. Die Themen kommen also bei uns an."

BVB in der Einzelkritik

Völlig enthemmt

Neben den Vereinen nutzen auch die einzelnen Spieler die sozialen Netzwerke. Mitte Oktober erreichte Cristiano Ronaldo als erster Sportler 100 Millionen Facebook-Fans, rund viermal so viele wie Mesut Özil, der das Like-Ranking der deutschen Profis anführt. Da kann Manuel Neuer nicht ganz mithalten, doch mit sieben Millionen Fans bei Facebook und zwei Millionen Followern auf Twitter gehört er zu den Bayern-Profis mit der größten Reichweite im Social Web.

Neuer & Co. brauchen ein dickes Fell

Für Bernhard Schmittenbecher ist das "Fluch und Segen zugleich". Seit 2006 ist er Medienberater von Manuel Neuer, seit 2009 gehören dazu auch Accounts in sozialen Netzwerken. "Das gibt uns die Chance, das öffentliche Bild von Manuel selbst mitzugestalten. Wir können beispielsweise schnell auf Medienberichte reagieren und Falschdarstellungen korrigieren. Unsere Postings sind dann eine Art Boulevard-Korrektiv." Die Interaktion mit den Fans berge aber auch Risiken: "Als Profi muss man sich da schon ein dickes Fell zulegen. Wir waren noch nie so weit, dass wir den Account schließen wollten - aber gerade nach Manuels Wechsel von Schalke zu Bayern haben wir die Kommentare sehr intensiv beobachtet und auch viel weggelöscht." Enttäuschte Fans, die ihrem Ärger Luft machen, gebe es aber auch im Stadion: "Das Internet ist nicht schuld an den persönlichen Attacken - es stellt nur eine Öffentlichkeit her, in der sie sichtbar werden."

Die negativen Reaktionen nach dem Wechsel seien aber eine Ausnahme gewesen - was nicht zuletzt daran liegt, dass Schmittenbecher einen recht pflegeleichten Kunden erwischt hat: "Manuel ist absolut skandalfrei, da fehlt jeglicher Anlass zur Empörung. Er rennt nicht den ganzen Tag mit dem Smartphone herum und stellt nicht jedes Foto sofort ins Netz." Es gibt zwar zwei angeblich offizielle Instagram-Profile mit jeweils über 300.000 Followern, den echten Manuel Neuer findet man aber nur auf Facebook, Twitter und beim chinesischen Tencent. Die Posting-Frequenz ist eher gemächlich, die Inhalte wirken wohlbedacht, spontane Gefühlsausbrüche sucht man vergebens. Das unterscheidet ihn von anderen Fußballprofis. Während die enorme Reichweite der Profis ein Traum für deren Sponsoren ist, wird die millionenfache Verbreitung der Inhalte schnell zum Bumerang: ein unbedachter Facebook-Post, ein unvorsichtiger Tweet, schon ist der vermeintliche Skandal perfekt.

Die Bundesliga hat Social Media vergleichsweise spät für sich entdeckt, dementsprechend halten sich Anzahl und Empörungspotential der digitalen Missgeschicke in Grenzen. Im September sorgte ein Posting auf der Facebook-Seite von Schalkes Tranquillo Barnetta für Aufregung; während des Bundesligaspiels gegen Gladbach war dort plötzlich zu lesen: "3 Wechsel, kein Quillo! Na dann: hopp Gladbach" Zwar war das Posting selbst schnell wieder verschwunden, doch längst kursierten Screenshots auf Twitter und verbreiteten sich im Netz. Hatte der Reservist Barnetta, frustriert, nicht eingewechselt worden zu sein, tatsächlich auf der Auswechselbank sein Smartphone gezückt und den Gegner angefeuert? Stundenlang kochte die Empörung. Wütende Schalke-Fans, ob des schlechten Saisonstarts ohnehin angespannt, entluden ihren Ärger auf Barnettas Facebook-Seite oder beschimpften den Spieler unter dem Hashtag #BarnettaGate auf Twitter. Der reagierte noch am selben Abend und bemühte sich mit einem neuerlich Facebook-Post um Aufklärung: "Seit Bestehen meines Facebook-Accounts habe ich die Pflege der Seite in die Hände eines Freunds gelegt. Leider hat dieser während der Partie in Mönchengladbach aus der Emotion heraus einen Beitrag veröffentlicht, der zu Verwirrung geführt hat."