Bayern-Erfolg auf Schalke Ballbesitz Richtung 130 Prozent

Eine Chance von Robert Lewandowski war gerade verpufft, da erhielt das Spiel eine kuriose Wendung: Schalkes Neu-Nationalspieler Leroy Sané räumte im Mittelfeld gleich drei Münchner aus dem Weg und schon ging alles ganz schnell. Ein Haken, ein Sprint, der Ball gelangte zu Meyer und der umkurvte Philipp Lahm wie ein Hütchen beim Dribbeltraining - ehe der Gelsenkirchener Stürmer Manuel Neuer mit einem nicht ganz unhaltbaren Schuss überwand (17.). "Ein unangenehmer Ball, aber trotzdem muss ich ihn halten", wie Neuer hinterher meinte. Dass es nun 1:1 stand, konnten die wenigsten glauben. Am allerwenigsten jene Anwesenden, die es mit dem FC Bayern hielten. Obwohl sich der Münchner Ballbesitz in Richtung 130 Prozent orientierte, entwickelte sich ein interessantes, weil offenes Spiel.

Und am Ende trifft wieder Müller

Die Bayern versuchten zu kombinieren, Schalke verfolgte mit Biss den Plan des ständigen Lauerns - und so arbeiteten sich beide Teams auf ansprechendem Niveau aneinander ab. Eine erneute Münchner Gala blieb auch deshalb aus, weil Guardiolas Männer selten ins Laufen kamen. Ihnen fehlte dafür schlicht der Raum. S04-Trainer André Breitenreiter hatte seine Elf so eingestellt, dass sie jeden Fleck des Platzes vielbeinig beackerte - selbst Stürmer Klaas-Jan Huntelaar wagte sich selten weiter nach vorne als bis zum Mittelkreis. Der Schalker Riegel hielt und das nervte die Bayern zunehmend. An anderen, normaleren, Tagen hätte der Meister so einen Gegner irgendwann mit dem Filetiermesser seziert, aber es sind eben doch besondere Umstände.

Das fehlende Personal in der Offensive, die Begleiterscheinungen durch zwei aufwühlende Länderspiel-Erfahrungen unter der Woche - das schien das Team so sehr zu lähmen, das der Vortrag arg an das 0:0 bei Eintracht Frankfurt vor drei Wochen erinnerte. Dann kam die 68. Minute und plötzlich war doch wieder alles wie immer: Über rechts flankte Arjen Robben, in der Mitte schauten Joel Matip und Benedikt Höwedes nur zu und aus dem Nichts segelte Aushilfs-Mittelstürmer Martínez heran. Sein Kopfball saß, es stand 2:1 (69.).

Die Bayern steuerten doch auf den Sieg zu. Und das in einem Spiel, das lange Zeit so gar nicht nach ihrem Gusto verlaufen war. Immerhin hatten sie es geschafft, Schalke müde zu spielen und so mussten sie auch nicht befürchten, dass sich das Heimteam noch einmal aufbäumte. Als Müller mit einem furztrockenen Linksschuss noch das 3:1 (93.) erzielte, materialisierte sich die Einsicht: Diese Bayern können es auf jede erdenkliche Weise - auch auf die weniger glanzvolle. "Es war unter diesen Bedingungen hier nicht einfach", fasste Neuer zusammen, "aber wir sind froh über den Sieg."