FC Bayern in der Einzelkritik:Turbulente Minuten für Sven Ulreich

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(Foto: Action Pictures/Imago)

Der Neuer-Ersatz verursacht und hält einen Elfer. De Ligt erlebt, wie medizinisches Personal auf seinen Oberschenkel drückt und Davies ist wieder mal zu schnell für ein stinknormales Bundesligaspiel. Der FC Bayern in der Einzelkritik.

Von Martin Schneider

Sven Ulreich

War schon kurz davor, weg zu schlummern, als ihn in der 32. Minute zwei laute KLONKS weckten - Jonathan Burkhardt und Jae-sung Lee trafen kurz nacheinander Latte und Pfosten. Aber das war noch gar nichts zur Nachspielzeit der ersten Hälfte. Verursachte erst einen Elfmeter, weil er seinen Arm seeeeeeehr lang nach einer Flanke streckte und im Fallen in Burkhardt reinrauschte. Ulreich war der Meinung, er habe den Ball noch mit der Handschuhspitze berührt. Schiedsrichter Benjamin Cortus war sich nach seeeeeeehr langem Videostudium aber sicher: Nein. Ulreich hielt den folgenden (und sehr zentral geschossenen) Elfmeter von Burkhardt (Foto) - nur um bei der folgenden Ecke doch das Gegentor zu kassieren. Schlummerte dann in der 82. Minute tatsächlich weg, als er den Mainzern vor dem 2:5 den Ball in den Fuß spielte. Auf der Tribüne sah es Manuel Neuer, der bereits seit sechs Spielen mit Schulterschmerzen ausfällt - Rückkehr offen.

Noussair Mazraoui

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(Foto: Ulrich Gamel/Imago)

Spielte ein wenig überraschend anstelle des formstarken Benjamin Pavard, vielleicht wollte Julian Nagelsmann ein paar Dribblings mehr sehen, die der Marokkaner besser kann als der Franzose. Wäre aber wohl auch mit Pavard gut gegangen.

Dayot Upamecano

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(Foto: Alexandra Beier/AP)

Hatte mit dem sehr talentierten Jonathan Burkhardt als Gegenspieler eine schöne Nachmittagsaufgabe, die alles von ihm forderte. Musste zuweilen auch seine höhere Gewichtsklasse als Argument einsetzen. Blieb in einem Spiel, das zumindest in Abschnitten schwieriger war, als das Ergebnis suggeriert, gewissenhaft und stabil.

Matthijs de Ligt

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(Foto: Ulrich Wagner/Imago)

Der neue niederländische Leuchtturm der Bayern-Abwehr, gerade nach seinem Signal-Auftritt in Barcelona. Doch kurz vor dem Halbzeitpfiff drückte medizinisches Personal auf die Rückseite seines Oberschenkels, selten ein gutes Zeichen in Sachen Muskelgesundheit. Blieb in der Kabine, für ihn kam Benjamin Pavard.

Alphonso Davies

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(Foto: Sascha Walther/Imago)

Es ist natürlich langweilig, weil es immer das Gleiche ist, was man über ihn schreiben kann, aber es stimmt auch jedes Mal: Ist zu schnell für so ein stinknormales Bundesligaspiel. Zündete mehrfach den Nachbrenner und lief in einer eindrücklichen Szene einmal beinahe auch an zwei grätschenden Mainzern vorbei - Fernandes erwischte ihn gerade noch so. Weil er so schnell ist, fallen übrigens auch seine durchaus zahlreichen Stellungsfehler nicht auf.

Joshua Kimmich

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(Foto: Ulrich Gamel/Imago)

Schaute nach links: kein Mainzer. Schaute nach rechts: kein Mainzer. Schön, dachte er sich, dann kann ich hier ja ungestört meine Arbeit machen. Hatte vor allem in der Anfangsphase selten so viel Platz im Zentrum des Spiels und nutzte seine Ruhe um ein paar ganz gelassene Bälle nach vorne zu spielen.

Leon Goretzka

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(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Segelte nach fast einer Stunde durch den Mainzer Strafraum wie ein fliegender Olympiaturm und köpfte aus dem zweiten Stock das 4:1. Trommelte sich danach auf die muskulöse Brust (Foto) und durfte direkt danach in den Feierabend.

Serge Gnabry

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(Foto: Ulrich Gamel/Imago)

So tief er in die Formdelle rollte, mit so viel Schwung fährt er gerade wieder aus jener hinaus. Gegen Barcelona mit einer seiner erinnerungswürdigen Europapokal-Leistungen, die ihm sonst meist in London (Chelsea, Tottenham) gelingen. Gegen Mainz wieder mit einem Tor und einem dynamischen Auftritt. Rechtzeitig vor der WM wieder da.

Jamal Musiala

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(Foto: Mladen Lackovic/Imago)

Schon bitter für Mainz: Da ist ihre Taktik, den Raum vor dem eigenen Tor so eng wie möglich zu machen und dann spielt ausgerechnet dort Jamal Musiala, der durch Lücken schlüpft wie Wasser durchs Fischernetz. Wieder mit Bewegungen, die man so nur bei ihm sieht. Dribbelte vor seinem Tor zum 2:0 elegant den ganzen Strafraum entlang, wo ihn ja eigentlich jemand stören sollte. Schaffte keiner. Auch sonst ein Auftritt, den man als "sensationell" bezeichnen würde, wenn er solche Spiele nicht längst zur Normalität gemacht hätte.

Ah, und weil die Rubrik hier Einzelkritik heißt: Spielte in der ersten Halbzeit einen unsauberen Pass. Doch. Wirklich.

Sadio Mané

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(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Irgendwie war der Elfmeter stellvertretend für seine Saison: Im ersten Anlauf klappt es selten, aber unterm Strich stimmt das Ergebnis. Spielte wieder eine Partie, die aus zahlreichen kleinen Ungenauigkeiten bestand - einmal stimmte die Ballannahme nicht, einmal reklamierte er nach einem eigenen missglückten Abschluss grundlos Handelfmeter. Als er dann in der 43. Minute gefoult wurde und selbst zum Strafstoß antrat, schoss er schwach und vergab - doch sein Nachschuss war drin. Sammelte außerdem noch zwei Scorer-Punkte, weil er Gnabrys 1:0 und Goretzkas 4:1 auflegte. Wie gesagt: Unterm Strich passt es.

Eric Maxim Choupo-Moting

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(Foto: CHRISTOF STACHE/AFP)

Wieder mit einem sehr guten Spiel. Blockte den Weg vor Gnabry 1:0 frei, fungierte als technisch starker Wand-Spieler vor Musialas 2:0. Traf nach seinem Tor aus spitzem Winkel gegen Barcelona beinahe gegen Mainz aus noch spitzerem Winkel - der Pfosten verhinderte zunächst sein Tor. Ist aktuell aus dieser Mannschaft nicht wegzudenken - und traf natürlich auch noch selbst in der 86. Minute. Hat einen Lauf in der Größe eines Marathons.

Einwechselspieler

Mathys Tel traf nicht mit seiner ersten, sondern mit seiner zweiten Aktion, was für einen 17-Jährigen aber immer noch okay ist. Außerdem kamen noch Benjamin Pavard zur Halbzeit, Ryan Gravenberch, Marcel Sabitzer und Kingsley Coman.

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