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Bundesliga:Bayern jubelt - und sorgt sich

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Bayern jubelt nach der zwischenzeitlichen 2:1-Führung durch Robert Lewandowski.

(Foto: Martin Meissner - Pool/Getty Ima)

Der FC Bayern gewinnt verdient in Dortmund und verteidigt durch das 3:2 die Tabellenführung. Doch die Münchner müssen um den verletzten Joshua Kimmich bangen.

Von Ulrich Hartmann

Den schlimmsten Moment im Bundesliga-Topspiel bei Borussia Dortmund erlebten die Fußballer des FC Bayern am Samstagabend in der 34. Minute. Joshua Kimmich hatte aus vollem Lauf versucht, Dortmunds Erling Haaland kurz vor der Mittellinie an einem Konter zu hindern. Von der Seite warf er sich ihm regelrecht in den Lauf, beging dabei ein Foul, konnte Haaland aber nicht aufhalten und blieb selbst minutenlang weinend auf dem Rasen liegen. Bei seiner Auswechslung musste er von zwei Seiten gestützt werden. Die Diagnose droht schlimm zu werden.

Das Duell der zuvor punktgleichen Topteams entschieden die Bayern mit dem selben Ergebnis wie beim Supercup im September mit 3:2 (1:1) für sich und drehten dabei einen 0:1-Rückstand durch Marco Reus. Die Münchner gewannen das vierte Pflichtspielduell mit Dortmund binnen zwölf Monaten durch Tore von David Alaba, Robert Lewandowski und Leroy Sané. Haaland verkürzte für die Gastgeber. In der Bundesliga hat der BVB letztmals vor zwei Jahren gegen die Bayern gewonnen. Während München die Tabellenspitze verteidigte, rutschte Dortmund hinter Leipzig auf Platz drei ab.

Lucien Favre zeigte sich nach dem Spiel enttäuscht: "Es war insgesamt ein gutes Spiel, sehr gut für die Zuschauer am Fernseher. Wir hatten viele, viele Torchancen, auch schon in der ersten Halbzeit. Aber wir haben drei Tore kassiert und verloren. Es ist schwer zu akzeptieren." Hansi Flick stimmte in der Bewertung der Spielqualität mit seinem Kollegen überein. "Das Spiel war sensationell gut, es war enorm viel Qualität auf dem Platz. Wir waren letztlich etwas entschlossener", sagte der Bayern-Trainer.

Gerade rechtzeitig hatte sich vor dem Spiel Mats Hummels' Oberschenkel-Muskulatur erholt, was ihm die Rückkehr in die Dortmunder Innenverteidigung ebenso ermöglichte wie Axel Witsel die Rückkehr von dort ins Mittelfeld. Beide Wechsel bewahrten Dortmund jedoch nicht vor einem frühen Schreck, bei dem Lewandowski den Ball nach 39 Sekunden vom linken Eck des Fünfmeterraums ans Außennetz donnerte.

Die Bayern, bei denen hinten rechts Bouna Sarr den verletzten Benjamin Pavard ersetzte, drückten von Beginn an sehr konkret aufs Tor, während die Dortmunder ihre Vorstöße als Entlastungsaktionen tarnten. Schalke (3:0), St. Petersburg (2:0), Bielefeld (2:0) und Brügge (3:0) hatten die Westfalen mit geduldiger Ballrotation zermürbt, doch gegen die schnellen, hoch pressenden Bayern war das schlechterdings möglich. Die Münchner standen so hoch, dass die Dortmunder ab Höhe der Mittellinie eigentlich nur mit langen Bällen arbeiteten. Die hohen Versuche brachten wenig ein, aber ein flacher in der 21. Minute auf Giuseppe Reyna hätte beinahe die Führung eingeleitet. Reyna bediente kurz und steil Haaland, dessen Diagonalschuss vom linken Eck des Fünfmeterraums aber rechts am Tor vorbeistrich.

Dortmunds erster Bundesliga-Treffer gegen die Bayern seit 5:32 Stunden

Die besseren Chancen der ersten Halbzeit hatten die Münchner: Einen Kopfball (14.) und einen Fernschuss (28.) von Leon Goretzka parierte der Torwart Roman Bürki. Dazwischen hatten die Dortmunder in der 24. Minute Glück, dass ein Treffer von Lewandowski infolge einer Hereingabe von Serge Gnabry nach zweiminütiger Überprüfung nur deshalb keine Gültigkeit erlangte, weil Lewandowskis rechtes Knie um einen winzigen Hauch ins Abseits ragte.

Die erste Halbzeit war eigentlich schon vorbei, die Dortmunder waren eigentlich schon froh, ohne Gegentor in die Kabine zurückkehren zu dürfen, da trafen sie in der 45. Minute erstmals seit 5:32 Stunden wieder in einem Bundesligaspiel gegen Bayern München. Nachdem dieser vormals letzte Treffer am 10. November 2018 dem damaligen Dortmunder Paco Alcacer zum 3:2-Sieg gelungen war, versenkte diesmal Reus eine flache Hereingabe von Raphael Guerreiro aus fünf Metern unter dem Netzdach des Münchners Tors.

Die erste Halbzeit musste verlängert werden, weil Kimmich nach der von ihm selbst provozierten, heftigen Kollision mit Haaland erst lange liegen blieb und dann ausgewechselt werden musste. Während er humpelnd und weinend vom Feld begleitet werden musste, zeigte der Schiedsrichter Manuel Gräfe ihm noch Gelb. Sogar Dortmunder Spieler trösteten den verzweifelten Kimmich.

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Der Zweikampf mit Erling Haaland, in dem sich Joshua Kimmich verletzte.

(Foto: Pool/Martin Meissner - Pool/Getty Ima)

Die vierminütige Nachspielzeit nutzten die Bayern zum 1:1-Ausgleich in der offiziell so zu benennenden 45+4. Minute. Alaba verwandelte aus 19 Metern einen indirekten Freistoß auch deshalb zu seinem ersten Saisontreffer, weil Dortmunds Thomas Meunier den Ball noch abfälschte. Vor dem Anpfiff hatte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bei Sky betont, die Tür sei für Alaba noch nicht ganz zu, man könne für eine mögliche Vertragsverlängerung vielleicht ja noch eine Lösung finden, bei der beide Seiten ihr Gesicht wahren könnten.

Etwa genauso lange wie in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit brauchten die Bayern nach Wiederanpfiff zu einem neuerlichen Treffer: 3:15 Minuten. Eine Flanke von Links von Lucas Hernandez in der 49. Minute köpfelte Lewandowski aus neun Metern im Luftduell gegen Hummels für Bürki unerreichbar zum 2:1 ins Dortmunder Tor. Die Münchner zogen in dieser zweiten Halbzeit das Tempo sofort merklich an und hätten schon früher die Weichen auf Sieg stellen können, wenn ein 16-Meter-Schuss von Kingsley Coman in der 51. Minute nicht an den Pfosten geklatscht wäre. Noch mal drei Minuten später wischte Bürki eine torgefährliche Flanke von Coman spektakulär mit der Hand weg. Dortmund war gegen die Münchner Tempoverschärfung einigermaßen machtlos.

Die Münchner zogen sich in der letzten halben Stunde ein bisschen zurück und ließen die eine oder andere Chance durch Dortmunds Flügelflitzer Reyna und Reus im Zentrum zu. Dadurch ergaben sich aber auch die nun erhofften Konterchancen. Vom eigenen Strafraum aus begann in der 80. Minute ein Tempogegenstoß, den Lewandowski im Mittelteil ausgestaltete und auf den eingewechselten Leroy Sané passte, der von rechts zum 3:1 ins lanke Eck schlenzte.

Tröstlichen Charakter hatte für die Dortmunder in der 83. Minute ein von Guerreiro im Mittelfeld ebenso ansehnlich hinter die letzte Bayern-Linie gelupfter wie dort von Haaland aus vollem Lauf angenommener und zum 2:3 verwandelter Ball. Die Gastgeber verhinderten durch ihren Einsatz bis zum bitteren Ende eine neuerliche Debatte um die Mentalität. In der Nachspielzeit wurde einem weiteren Treffer von Lewandowski zurecht die Gültigkeit verweigert. Der Sieg war verdient.

© SZ/chge
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