bedeckt München

4:2 nach 0:2:Dortmund erliegt dem Bayern-Druck

Bundesliga - Bayern Munich v Borussia Dortmund

Leon Goretzka (vorne) bejubelt den Treffer zum 3:2.

(Foto: Guenter Schiffmann/Reuters)

In einem spektakulären Spitzenspiel schießt Erling Haaland in den ersten neun Minuten zwei Tore, doch dann schlagen die Münchner zurück. Der entscheidende Treffer fällt in der 88. Minute - nach einer strittigen Entscheidung.

Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

Erling Haaland saß auf der Auswechselbank von Borussia Dortmund, er stützte sein Kinn in die Handfläche und schaute seinen Kollegen dabei zu, wie sie die letzte halbe Stunde des Spiels beim FC Bayern ohne ihn bestritten. Ein Mediziner des Klubs beschäftigte sich mit seiner, Haalands, lädierten rechten Ferse. Und vielleicht dachte der Norweger da schon darüber nach, was aus diesem Abend hätte werden können.

Der FC Bayern hat am Samstagabend seine Tabellenführung verteidigt und Dortmund geschlagen, in einem am Anfang turbulenten und hochklassigen, am Ende einseitigen und dramatischen Spitzenspiel, mit 4:2 (2:2). Doch aus der Partie war eine andere geworden, als Haaland nach einer Stunde angeschlagen ausgewechselt werden musste, nach einem Zweikampf mit Jérôme Boateng. Eine Vorsichtsmaßnahme zur Regeneration, wie Dortmunds Trainer Edin Terzic später erklärte. Davor hatte Haaland zwei frühe Tore geschossen, seine Mannschaft nach neun Minuten mit 2:0 in Führung gebracht. Doch am Ende war der Stürmer des Abends dann doch Robert Lewandowski, der dreimal traf.

"Robert hat über Jahre bewiesen, dass er auf Topniveau spielt und herausragende Leistung zeigt", hatte Bayerns Trainer Hansi Flick schon vor dem Spiel über Lewandowski gesagt. Eigentlich machen Trainer das ja ungern, so ein Spiel auf zwei Protagonisten zu reduzieren. Doch das Duell zwischen Haaland, 20, und Lewandowski, 32, drängte sich dann doch zu sehr auf. Den Angreifer des Gegners würdigte er als "jungen Spieler, der sehr torgierig ist". Der Norweger habe "enorme Dynamik und Schnelligkeit" sowie einen "sehr guten Abschluss". Und es dauerte nicht mal zwei Minuten, da war schon zu sehen, was er meinte.

Der Ball kam ein paar Meter vor dem Münchner Strafraum über Umwege zu Haaland. Er hatte zu viel Platz und schoss. Boateng, der ihm zu viel Raum gewährt hatte, fälschte den Schuss noch ab, Torwart Manuel Neuer streckte sich vergeblich. Haaland rutschte jubelnd auf den Knien Richtung Eckfahne.

Dortmund hat die Gelegenheit zum 3:0, doch Meunier verliert den Ball

Es waren die Dortmunder, die das Spiel in der Anfangsphase mit erstaunlicher Klarheit bestimmten. Zwar sind die Münchner Schwächen zu Spielbeginn und in der Abwehr in dieser Saison keine Geheimnisse mehr, doch mit welcher Wucht der BVB angriff, das war dann schon besonders. Nach nicht mal zehn Minuten rollte der nächste Angriff auf Neuer zu, diesmal nicht auf Umwegen, sondern brillant eingeleitet von Dortmunds Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud, der das Spiel mit einem Pass von rechts nach links verlagerte. Über Außenverteidiger Nico Schulz und Thorgan Hazard kam der Ball in die Mitte wieder zu Haaland, der ihn ins leere Tor schob.

Hazard und Schulz spielten beim BVB für die angeschlagenen Raphael Guerreiro und Jadon Sancho, außerdem stellte Dortmunds Trainer Terzic in der Defensive eine Dreierkette auf. Das klappte zunächst hervorragend, sorgte für Sicherheit und im nächsten Konter nach 25 Minuten beinahe für den dritten Treffer, der wohl die Vorentscheidung bedeutet hätte: Der rechte Außenverteidiger Thomas Meunier hatte viel Platz im Strafraum, hätte schießen oder auf Haaland in die Mitte passen können, aber er verlor den Ball an David Alaba. Und dann schlugen die Münchner zurück.

Flick hatte bei seiner Aufstellung im Grunde nur eine Entscheidung zu treffen gehabt. Da Benjamin Pavard nach seiner Rückkehr ins Training nach Infektion mit dem Coronavirus noch nicht im Kader stand, spielte rechts in der Viererkette wieder Niklas Süle, er spielte wieder ziemlich gut. Blieb also nur die Wahl zwischen Leroy Sané und Serge Gnabry auf der Flügelstürmerposition; es begann der in den vergangenen Wochen oft überzeugende Sané, den die Dortmunder nach 26 Minuten zum ersten Mal nicht mehr stoppen konnten. Der Nationalspieler schlug Haken im gegnerischen Strafraum und fand mit seinem Pass in der Mitte Lewandowski, der zum Anschluss traf.

Nun dominierten die Bayern, richteten sich am gegnerischen Sechzehner ein, suchten nach Lücken und fanden nach 42 Minuten den auf der linken Seite freien Coman, gegen den sich Dahoud nur mit einem Foul zu helfen wusste. Münchens Flügelstürmer waren die heimlichen Spieler des Tages. Doch zum Strafstoß, für den sich Schiedsrichter Marco Fritz nach Ansicht der Videobilder entschied, trat natürlich Lewandowski an. Er verzögerte seinen Anlauf, wie er das immer macht, wartete, bis Dortmunds Torwart Marwin Hitz nach links fiel - und traf in die andere Ecke.

Strittige Szene: Sané checkt gegen Emre Can. Für Marco Reus ein klares taktisches Foul vor dem 3:2. Für Thomas Müller nicht.

(Foto: Andreas Gebert/AFP)

In der zweiten Halbzeit waren die Münchner dann klar spielbestimmend. Spätestens mit Haalands Auswechslung beschränkte sich der BVB auf tiefes Verteidigen. Die Münchner hatten zwar Pech, dass sich Boateng am Knie verletzte, für ihn kam nach 70 Minuten Javi Martinez. Die Münchner hatten am Ende aber auch Glück, dass Schiedsrichter Fritz einen harten Zweikampf von Sané gegen Emre Can nicht als taktisches Foul wertete. Im Anschluss, nach 88 Minuten, traf Leon Goretzka zum 3:2. "Bei Bayern wäre das gepfiffen worden", beschwerte sich Reus nach dem Spiel bei Sky. Thomas Müller sah das - wenig überraschend - anders.

In der 90. Minute, gegen nach zehrender Gegenwehr erschöpfte Dortmunder, traf dann noch mal Lewandowski. Es war sein 31. Saisontor, neun fehlen ihm noch zum Rekord von Gerd Müller aus dem Jahr 1972. Darüber, sagte Lewandowski im ZDF, denke er aber noch gar nicht nach.

© SZ/schm/jki
Zur SZ-Startseite

FC Bayern in der Einzelkritik
:Lewandowski gewinnt das Wettschießen

Der Stürmer guckt erst zu, was Haaland macht - und reagiert dann cool. Goretzka zeigt seine Vielseitigkeit. Die Bayern in der Einzelkritik.

Von Christopher Gerards

Lesen Sie mehr zum Thema